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Logo : Format 07. Jun. 02

Das Herrenhaus-Drama

Darling des Theaters

Thomas Bernhard. Der Übertreibungskünstler feiert ein Comeback als Unterhaltungskünstler: Jubel über "Elisabeth II." an der Burg. Es folgen Bernhard-Premieren im Volkstheater und in der Josefstadt.

[...] Derweil herrscht vehementes G'riß um Thomas Bernhards spät entdecktes Manuskript "Herrenhaus", das gegenwärtig zum Kräftemessen zwischen Denkmalamt und einem Wiener Antiquar gerät. [...]

Hintergrund
Das Herrenhaus-Drama

Ein spät entdecktes Bernhard-Manuskript ligt im Safe eines Antiquars. Das Denkmalamt blockiert den Verkauf.

Auf den heimischen Bühnen feiert Thomas Bernhard ein glorioses Comeback. Doch abseits des Rampenlichts spielt sich seit Monaten rund um ein Werk aus dem Nachlaß des Schriftstellers ein bürokratisches Drama ab. Es geht dabei um das Stück "Herrenhaus" des US-Autors Thomas Wolfe, das der damalige Mozarteumsstudent Bernhard 1957 bearbeitet hat.
Die 68seitige handschriftliche Bearbeitung des Stücks galt lange als verschollen, bis sie im November 2001 Schlagzeilen machte (FORMAT 47/01). Damals wurde bekannt, daß der Wiener Antiquar Hugo Wetscherek das Buch von einem Händler gekauft hatte und für 420.000 Euro auf Auktionen anbieten wollte. Seither liegt das wertvolle Stück in Wetschereks Safe, und sein Besitzer liefert sich mit dem Bundesdenkmalamt eine langwierige Auseinandersetzung. Vorsorglich wurde das Buch, in das Bernhard Regieanweisungen und Bühnenbildskizzen einbinden ließ, mit einem Ausfuhrverbot belegt. Wetscherek erhob Einspruch, doch das Verfahren zieht sich so hin, daß Wetscherek bereits von Verschleppung spricht. Am meisten wundert ihn jedoch die Ignoranz der Experten (Bernhard-Stiftung, Literaturarchiv): "Sie haben sich das Manuskript bisher nicht einmal angeschaut."

S[usanne] R[össler]

Logo : Der Standard 25. Nov. 01

"Der Teufel hat ihn oft geritten"

Vor kurzem tauchte ein bisher unbekanntes Manuskript von Thomas Bernhard auf. Wie es 1957 zu der "Herrenhaus"-Bearbeitung kam, schildert der Regisseur Klaus Gmeiner im Gespräch mit Thomas Trenkler: Er studierte mit Bernhard - und erduldete dessen Grillen.

War es "die reine Flucht zum Menschen", wie Thomas Bernhard in einem Interview meinte, die ihn dazu trieb, am Mozarteum in Salzburg Schauspiel und Regie zu studieren? Am 10. Oktober 1955 jedenfalls, das Semester hatte bereits begonnen, wurde der noch unbekannte Autor zum Seminar zugelassen. "Er tauchte plötzlich auf. Und man wusste eigentlich nicht, was er wollte", erinnert sich Klaus Gmeiner. "Er saß anfangs nur herum und hat immer gestänkert."

Gmeiner, 1932 in Schwarzach bei Bregenz geboren, war ein Studienkollege von Bernhard - und während der zwei Jahre so etwas wie ein Freund. Mit der Abschlussprüfung am 18. Juni 1958 trennten sich die Wege: Gmeiner arbeitete als Dramaturg und Regisseur, von 1972 bis 1998 leitete er Literaturabteilung im ORF-Studio Salzburg. Wenn er von Thomas Bernhard erzählt, dann nicht, um sich selbst wichtig zu machen. Aber um ein wenig Licht in eine Zeit zu bringen, die der Schriftsteller zumeist verschwieg: "Er hat sie ausradiert", sagt Gmeiner.

Die Schauspielschule befand sich damals im Aufbau, die Leitung hätte daher wohl jeden aufgenommen, auch den Unbegabtesten: "Es war mehr oder weniger ein Familienbetrieb von Rudolf Leisner und seiner Frau, die Lehrpersonen waren ein besoffener Haufen. Gelernt habe ich dort nicht viel." In Bernhard aber sei die Lust am Schauspielen erwacht: "Er hätte ein fabelhafter Charakterdarsteller werden können. Er hatte eine eigene Diktion, eine Vis comica, etwas Skurriles. Ich hätte ihn mir sehr gut als Malvolio vorstellen können."

Das Mozarteum führte einen Theaterbetrieb in St. Peter. Aber im gesamten ersten Studienjahr durfte Thomas Bernhard nicht auftreten, was ihn erzürnt hätte: "In Thornton Wilders Unsere kleine Stadt wollte er unbedingt die Rolle des Spielleiters übernehmen. Er hat sie jedoch nicht bekommen. Und bei der Stellprobe waren plötzlich die Textbücher verschwunden. Ich hüte mich zu behaupten, dass der Thomas sie versteckt oder vernichtet hat. Aber sie tauchten nie mehr auf."

Bernhard hätte immer "fürchterlich intrigiert", wenn er nicht die gewünschte Rolle bekam. "Er wollte sogar, dass wir streiken, weil es Bevorzugte gab." Probleme hätte es auch bei Lessings Frühwerk Der junge Gelehrte im Februar 1957 gegeben: Thomas Bernhard schmiss als Chrysander eine Vorstellung, weil er im Text nicht weiterwusste. Oder einen völlig falschen aufsagte: "Der Teufel hat ihn oft geritten."

Wie es der Zufall wollte, wohnten die beiden Seminarteilnehmer im Johannes-Freumbichler-Weg, der nach dem Großvater von Thomas Bernhard benannt ist, was Gmeiner, wie er erzählt, damals nicht bekannt gewesen sei: "Er wusste von mir alles, von meinem Elternhaus, vom Tod meiner Mutter, ich hingegen wusste nichts von ihm. Er war neugierig, er saugte alles in sich auf, aber von sich selbst wollte er nichts preisgeben. Da war eine Wand." Bernhard hätte weder von seiner Krankheit geredet noch von den Gedichten, die er schrieb. Obwohl sie zusammen mit dem Bus ins Studio Walserfeld, wo der Unterricht stattfand, fuhren und fast jeden Tag miteinander verbrachten, zumeist mit dem Kollegen Ludwig Skumautz: "Die Damen fand der Thomas alle schrecklich."

Anfangs hätte Bernhard noch bei seinem Stiefvater Emil Fabjan gewohnt: "Er war nicht so arm, das ist eine Legende. Er war immer picobello angezogen. Und er hatte seinen Mittagstisch." Später sei er als Untermieter in das Haus gezogen, in dem Gmeiner wohnte: "Er kam oft am Abend mit dem Teehäferl rüber und brachte Manner Schnitten mit, die er über alles liebte, und dann haben wir Musik gehört und geredet. Er suchte die Nähe - wie immer Sie das verstehen wollen." (Im Gespräch mit Kurt Hofmann sagte Bernhard einmal: "Im Grund' bin ich ja nur ins Mozarteum gegangen, damit ich mich nicht isolier' und nicht vollkommen vor die Hund' geh, sondern einfach gezwungen war, mit gleichaltrige Leut' zusammenzusein.")

Gmeiner hingegen sei auf Distanz gegangen, auch aufgrund der Verletzungen, die ihm Bernhard mit seinem Zynismus zugefügt habe: "Ich kam aus einem Dorf in Vorarlberg, Salzburg war für mich eine Großstadt, und ich war sehr ehrfurchtsvoll vor den Professoren. Wenn ich zum Beispiel sagte, ich fände die Sprechlehrerin gut, sagte er: ,Du Kind vom Land, die kann das ja gar nicht!' Das hat mich dann natürlich befremdet." Oder wenn sie Schubert und Mozart hörten: "Mir Landjunker ging eine Welt auf, es war mir wurscht, ob die Philharmoniker spielten oder jemand anderer, aber der Thomas sagte: ,Das ist doch grauslich, wie die kratzen, dass musst du doch hören!' Ich habe dann darüber nachgedacht, aber es hat mich auch verstört, weil er alles schlecht machte. Er war zwar sehr empfänglich für Schmeicheleien - aber sehr hart im Austeilen."

Im Frühjahr 1957 war die Zeit für die Abschlussarbeiten gekommen. Anfangs hätte Bernhard ein Regiebuch zu Woyzeck erarbeiten wollen, doch mit dem Büchner-Drama beschäftigte sich bereits Gmeiner. Und so nahm sich Bernhard das Herrenhaus von Thomas Wolfe vor, das er in Hamburg gesehen hatte. Bernhard sei von dem Stück begeistert, aber von der Inszenierung Gustaf Gründgens' entsetzt gewesen: "Er rannte nur noch mit dem Herrenhaus herum. Am Mozartplatz gab es ein Geschäft mit angeschlossener Buchbinderei, da haben wir beide unsere Bücher durchschießen lassen." Während Bernhard die Bühnenskizzen selbst zeichnete, bat Gmeiner den Bruder von Udo Proksch, Roderich, einen Architekten, diese für ihn anzufertigen. Bernhard hätte ihn daher "einen Streber" geschimpft und gemeint, es käme auf den Inhalt an: "Und der ist bei mir besser!" (Gmeiners fein säuberliches Regiebuch mag vielleicht der Grund dafür sein, dass Bernhard im Vorwort bittet, "die scheußliche Form" zu entschuldigen, "doch bin ich außerstande, zu denken und schön zu schreiben".)

Eigentlich hätte jeder drei Regiebücher abgeben sollen. "Aber der Thomas sagte, ,ich bin ja nicht blöd, ich mach nur eins', und auch ich habe dann nur eines gemacht - weil mir einfach die Zeit fehlte. Die Abschlussprüfung war an einem Vormittag. Da haben wir, das könnte ich eidesstattlich erklären, Herrn Leisner diese Bücher übergeben."

Die Studienkollegen verloren sich danach aus den Augen: Thomas Bernhard zog zum Komponisten Gerhard Lampersberg auf den Tonhof in Maria Saal, Gmeiner nahm ein Engagement als Dramaturg und Regisseur am Salzburger Landestheater an. Später produzierte er einige Hörspiele nach Bernhard-Stücken. Und gestaltete eine Du Holde Kunst-Sendung mit den Gedichten des Studienfreundes: "Jetzt weiß ich, dass ich ein Dichter bin", schrieb ihm Bernhard nach der Ausstrahlung.

Hin und wieder begegnete man sich zufällig, zum Beispiel am Graben in Wien. Und Thomas Bernhard hätte ihm immer jenen Reim zugerufen, mit dem er sich im Advent 1956 als Zauberer in einem Weihnachtsmärchen, das Gmeiner geschrieben hatte, dem Publikum vorstellte: "Hock butzli batzli brati, ich bin der Zauberer Kemi trati."

Thomas Trenkler

Logo : Der Standard 23. Nov. 01

Diskussion um Bernhards "Herrenhaus"

"Längst bekannt" - oder doch nicht?
Salzburg
- Peter Fabjan, Stiefbruder von Thomas Bernhard, konterte auf den STANDARD-Bericht über ein unveröffentlichtes Manuskript des Autors, dass dieses längst bekannt sei. Tatsächlich: Das Regiebuch zu Thomas Wolfes Herrenhaus wurde vom Salzburger Antiquar Christian Weinek 1999 kurz zum Kauf angeboten. Es gab damals eine Meldung in der Salzkammergut Zeitung, die falsch war: Karl Ignaz Hennetmair gab zu Protokoll, "ein 500 Seiten starkes, unveröffentlichtes Bernhard-Manuskript in seinen Händen gehalten" zu haben. Es besteht aber "nur" aus 68 Manuskriptseiten.

Über den Inhalt war bis zum Bericht im STANDARD nichts bekannt. Der Salzburger Germanist Adolf Haslinger gibt denn auch zu: "Niemand von uns kennt das Manuskript." Man könne daher auch nicht über den Text befinden. Fabjan hofft nun auf eine Kopie des Werkes für das Bernhard-Archiv: Die öffentliche Hand sei nicht in der Lage, den Schätzpreis (5,8 Mio. Schilling) zu bezahlen.

Stephan Hilpold, Thomas Trenkler

Logo : Main-Echo 21. Nov. 01

Kultur Aktuell: Ein unbekanntes Manuskript

EIN UNBEKANNTES MANUSKRIPT des österreichischen Schriftstellers Thomas Bernhard ist in Österreich aufgetaucht. Die Handschrift von 1957 ist eine Bearbeitung von Wolfes Drama »Herrenhaus«. Bernhard selbst hat auf dieses Manuskript hingewiesen, das weder zu Lebzeiten noch im Nachlass aufgetaucht war.

Logo : Frankfurter Rundschau 21. Nov. 01

Auf die Schlachtbank

Das neue Thomas-Bernhard-Archiv in Gmunden und die geplante wissenschaftlich-kritische Werkausgabe

Gmunden - Die Landschaft, in die das Werk Thomas Bernhards jetzt zurückgekehrt ist, hat etwas Tückisches. Bis lange nach Mittag hängen dieser Tage die frostigen Herbstnebel über dem oberösterreichischen Salzkammergut, dann erst lichtet sich der Schleier, und milchig bricht in Bernhards Reich die Sonne durch. Wärmer wird es aber auch dann nicht. Künftige Forscher, die im neu installierten Thomas-Bernhard-Archiv in Gmunden über ihre Sicht auf den Großmeister der Pathologisierung der österreichischen Provinz arbeiten, werden sich warm anziehen müssen. Schließlich befinden sie sich in einer - glaubt man Bernhard - durch und durch verkommenen Gegend.

Dabei schaut alles so malerisch aus: Die sorgsam restaurierte Villa Stonborough-Wittgenstein, in der die Nachlässe des Dichters und seines Großvaters, Johannes Freumbichlers, aufbewahrt und erforscht werden, liegt auf einer Halbinsel am Rande eines leicht abfallenden Parks am Traunsee - flankiert von der "Großen Villa Toskana" und dem "Seehotel", dem Seeschloss Orth, Schauplatz der triefenden Fernsehserie. In dieser Gegend hat Bernhard in seinem geliebten Obernathaler Vierkanthof gelebt; in seiner Wohnung in Gmunden ist er vor 12 Jahren gestorben. Hier also, weitab größerer Zentren, wird sein Werk in Zukunft für Wissenschafter im Forschungszentrum der "Kleinen Villa Toskana" zugänglich sein.

"Die Schönheit der Landschaft soll uns jedoch nicht blenden", greift Peter Fabjan, Halbbruder und Erbe Thomas Bernhards, jeder Verklärung vor. Er, der langjährige Gmundner Arzt, ist sich der Bedrohungen bewusst, denen Werk und Autor seit Bernhards Tod 1989 ausgesetzt sind. Es gilt, der österreichischen Eingemeindung und der Musealisierung des widerständigen Dichters zu widerstehen - es gilt, das Werk am Leben zu halten. Damit reibt man sich aber unweigerlich am Letzten Willen des Schriftstellers. Bekanntlich hatte Bernhard testamentarisch ein Aufführungsverbot seiner Stücke verfügt - und erklärt, dass aus seinem Nachlass "kein Wort" veröffentlicht werden darf. Eine Tatsache, die das Werk allerdings einer schleichenden unkontrollierbaren Indienstnahme anheim stellt. Also entschied sich Fabjan vor drei Jahren, eine Thomas Bernhard Privatstiftung einzurichten. Seitdem sind vitalisierende Aktivitäten rund um Bernhards Hinterlassenschaften möglich.

"Ob der Dichter das Archiv gewollt hätte", sagt Fabjan jetzt, drei Jahre später, und denkt dabei wohl auch an die großzügige Unterstützung der Oberösterreichischen Landesregierung bei der Errichtung, "weiß ich nicht." Schließlich dient das Archiv letzten Endes natürlich auch dazu, Thomas Bernhards letzten Willen zu umgehen. Nur durch die Aufarbeitung des Nachlasses, wie sie seit einiger Zeit durch Archivleiter Martin Huber im Gange ist, wird die Sicherung und Korrektur der Texte möglich - und kann eine Leseausgabe der Werke Bernhards (gewissermaßen als eine frühe Vorstufe für eine angedachte Historisch-Kritische Ausgabe) in Angriff genommen werden. Anlässlich der Eröffnung des Archivs wurde die Planung der Werkausgabe durch den Suhrkamp Verlag jetzt präzisiert.

Auf 22 Bände angelegt, werden die ersten drei von den Erkenntnissen des Nachlasses gespeisten Bände (Frost, Kurzprosa und Dramen I) bereits im Herbst nächsten Jahres erscheinen. Herausgegeben wird die Ausgabe, in der Eingriffe in den Text vermerkt, Varianten benannt sowie Entstehung und Wirkungsgeschichte der Werke erläutert werden, vom Wiener Germanisten Wendelin Schmidt-Dengler und Martin Huber.

Natürlich sollen in die Ausgabe ausschließlich Texte aufgenommen werden, die zu Lebzeiten des Schriftstellers publiziert wurden. Nicht die unveröffentlichten Prosatexte und Gedichte des frühen Bernhard etwa, nicht der aus dem Jahre 1960 stammende Roman Schwarzach St. Veit. Damit bewegt man sich zwar auf einem vom Dichter nicht gesicherten Terrain - "kein Wort" dürfe aus dem Nachlass veröffentlicht werden, hieß es im Testament -, einsichtig ist aber das von Fabjan und den zuständigen Wissenschaftern vorgebrachte Gegenargument: Mit der (finanziell wohl nicht unlukrativen) Ausgabe gehe es darum, Klarheit im Dichterreich zu schaffen. Schmidt-Dengler: "Gerüchte über das Werk tragen nur zu einer weiteren Mystifikation Bernhards bei." Und diese sollte man wohl auch im Sinne Bernhards vermeiden.

Die "Bernhard Ereigniskultur" - es war nicht erst anlässlich des 70. Geburtstages des Schriftstellers im Februar dieses Jahres zu beobachten - steht nämlich in voller Blüte. Gerade erregt etwa ein frühes Regiebuch des "Alpenkönigs und Menschenfeinds", das "unter dubiosen Umständen in ein Antiquariat gelangte, das noch dubiosere Preise verlangt", so der Suhrkamp-Lektor Raimund Fellinger, die Gemüter der Bernhard-Gemeinde. Wohl nur durch die unaufgeregte, sorgsam wissenschaftliche Aufarbeitung von Bernhards Werk kann der postumen Ausschlachtung des Dichters ein Riegel vorgeschoben werden - und der breiten Rezeption des Dichters, der mittlerweile in 25 Sprachen übersetzt ist, das nötige Fundament geboten werden.

Stephan Hilpold

Logo : Der Standard 19. Nov. 01

Nachleben, Nachbeben

In Gmunden wurde am Wochenende das Thomas-Bernhard-Archiv eröffnet. Der literarische Nachlass des Schriftstellers ist dadurch erstmals einer wissenschaftlichen Öffentlichkeit zugänglich. Zugleich kündigte der Suhrkamp Verlag eine Bernhard-Leseausgabe an.

Gmunden - Die Landschaft, in die das Werk Thomas Bernhards jetzt zurückgekehrt ist, hat etwas Tückisches. Bis lange nach Mittag hängen dieser Tage die frostigen Herbstnebel über dem Salzkammergut, dann erst lichtet sich der Schleier, und milchig bricht in Bernhards Reich die Sonne durch. Wärmer wird es aber auch dann nicht. Künftige Forscher, die im neu installierten Thomas-Bernhard-Archiv in Gmunden über ihre Sicht auf den Großmeister der Pathologisierung der österreichischen Provinz arbeiten, werden sich warm anziehen müssen. Schließlich befinden sie sich in einer - glaubt man Bernhard - durch und durch verkommenen Gegend.

Dabei schaut alles so malerisch aus: Die sorgsam restaurierte Villa Stonborough-Wittgenstein, in der des Dichters und Johannes Freumbichlers, des Großvaters, Nachlässe aufbewahrt und erforscht werden, liegt auf einer Halbinsel am Rande eines leicht abfallenden Parks am Traunsee - flankiert von der "Großen Villa Toskana" und dem "Seehotel", dem Seeschloß Orth. Aus dem Fenster des zweistöckigen Gebäudes, in dessen ehemaligem Wagenhaus zudem ein Veranstaltungsbereich und eine Atelierwohnung für zeitgenössische Künstler eingerichtet wurden, gleitet der Blick auf imposante Bergeshöhen. Wenn nicht gerade Nebel herrscht.

Jedoch: "Die Schönheit der Landschaft soll uns nicht blenden", greift Peter Fabjan, Bruder und Erbe, jeder Verklärung vor. Er, der Gmundner Arzt, weiß um die Bedrohungen, denen seit Bernhards Tod 1989 Werk und Autor ausgesetzt sind. Bekanntlich hatte Bernhard, der "Alpenkönig und Menschenfeind", testamentarisch verfügt, dass nach seinem Tod aus dem Nachlass "kein Wort" mehr veröffentlicht werden darf. Erst nach der Entscheidung Fabjans, die Thomas Bernhard Privatstiftung (1998) einzurichten, wurden Aktivitäten rund um Bernhards Hinterlassenschaften auf breiterer Ebene möglich.

"Ob der Dichter das Archiv gewollt hätte", sagt Fabjan und denkt dabei wohl auch an die großzügige Unterstützung der Oberösterreichischen Landesregierung bei der Errichtung, "weiß ich nicht." Schließlich dient das Archiv auch dazu - man kann es drehen und wenden, wie man will -, Bernhards letzten Willen zu desavouieren.

Nur durch die Aufarbeitung des Nachlasses, wie sie seit einiger Zeit durch Archivleiter Martin Huber im Gange ist, wurde etwa die Leseausgabe der Werke Bernhards möglich, die anlässlich der Eröffnung des Archivs vom Suhrkamp Verlag angekündigt wurde. Auf 22 Bände angelegt, werden die ersten drei Bände (Frost, Kurzprosa und Dramen I) bereits im Herbst des nächsten Jahres erscheinen. Herausgegeben wird die Ausgabe, in der Eingriffe in den Text vermerkt sowie Entstehung und Wirkungsgeschichte der Werke erläutert werden, vom Wiener Germanisten Wendelin Schmidt-Dengler und Martin Huber.

In die Ausgabe aufgenommen werden ausschließlich Texte, die zu Lebzeiten des Schriftstellers publiziert wurden. Nicht die Prosatexte und Gedichte des frühen Bernhard etwa, die teils bereits in einer Ausstellung in diesem Frühjahr präsentiert wurden, nicht der aus dem Jahre 1960 stammende Roman Schwarzach St. Veit. Mit der (finanziell wohl nicht unlukrativen) Ausgabe gehe es darum, Klarheit im Dichterreich zu schaffen. Schmidt-Dengler: "Gerüchte über das Werk tragen nur zu einer weiteren Mystifikation Bernhards bei."

Die Bernhard-Ereigniskultur - sie war nicht erst anlässlich des 70. Geburtstages des Schriftstellers im Februar dieses Jahres zu beobachten - steht in voller Blüte. Gerade erregt ein frühes Regiebuch Bernhards, das "unter dubiosen Umständen in ein Antiquariat gelangte, das noch dubiosere Preise verlangt" (Suhrkamp-Lektor Raimund Fellinger) die Gemüter der Gemeinde. Solcherlei Entwicklungen entgegenzusteuern ermöglicht wohl nur eine sorgsame wissenschaftliche Aufarbeitung des Werks. Für das Fundament wurde nun mit der Errichtung des Gmundner Archivs gesorgt.

Stephan Hilpold

Logo : Süddeutsche Zeitung 19. Nov. 01

Ohne Frittatensuppe, aber alles Ikea

[Aus Urheberrechtsgründen verweisen wir auf <www.sz-archiv.de>.]

Kristina Maidt-Zinke

Logo : Neues Volksblatt 19. Nov. 01

Absage an Ruzicka-Pläne

Eine Absage erteilt laut einem „Format"-Bericht Peter Fabjan, Nachlassverwalter von Thomas Bernhard, der Ankündigung des Salzburger Festspielintendanten Peter Ruzicka, er wolle das jüngst aufgetauchte Bernhard-Manuskript (wir berichteten) uraufführen. Fabjan verweist demzufolge auf das testamentarische Verbot seines Halbbruders, dass seine zu Lebzeiten unveröffentlichten Werke inszeniert werden.

Logo :  Tiroler Tageszeitung 19. Nov. 01

Bernhards Werk in 22 Bänden

In Gmunden wurde am Samstag das Thomas-Bernhard-Archiv eröffnet. Es beheimatet den literarischen Nachlass des 1989 verstorbenen Schriftstellers.

LINZ (APA). Der Frankfurter Suhrkamp Verlag will das Werk Bernhards neu veröffentlichen. Die gebundene Ausgabe ist auf 22 Bände angelegt. Eine Absage erteilt Peter Fabjan, Halbbruder und Bernhard-Nachlassverwalter der Ankündigung des neuen Salzburger Festspielintendanten Peter Ruzicka, er wolle das jüngst aufgetauchte Bernhard-Manuskript uraufführen. Fabjan im Magazin "Format": "Daraus wird nichts". 

Logo : Kurier 19. Nov. 01

Kein Bernhard bei Salzburger Festspielen

Peter Fabjan Halbbruder und Nachlassverwalter von Thomas Bernhard, erteilt im Format Plänen eine Absage, ein jüngst aufgetauchtes Bernhard-Manuskript bei den Salzburger Festspielen uraufzuführen. Salzburgs Intendant Peter Ruzicka hatte im KURIER-Interview derartige Überlegungen geäußert. Fabjan will sich an das Verbot seines Bruders halten, seine zu Lebzeiten unveröffentlichten Werke zu inszenieren.

Logo : Format 19. Nov. 01

Das Theater um Bernhard

Alter Meister

Zeitgenau mit der Eröffnung des neuen Thomas-Bernhard-Archivs sorgt ein plötzlich aufgetauchtes Bernhard-Manuskript für Erregung. Salzburgs neuer Festspiel-Chef Peter Ruzicka will es uraufführen - Bernhard-Erbe Peter Fabjan erteilt ihm aber eine Abfuhr. 

Wenn Thomas Bernhard wüßte, welches Theater um ein 44 Jahre altes Manuskript aus seiner Hand gemacht wird, wäre er "sehr amüsiert", davon ist sein Nachlaßverwalter und Halbbruder Peter Fabjan überzeugt. Die Farce, die seit dem überraschenden Auftauchen der 68seitigen handschriftlichen Bearbeitung eines Theaterstücks gegeben wird, könnte jedoch demnächst zum Kriminalfall werden. Wie dieser Text in den Handel gelangte, ist nämlich unklar und durchaus aufklärungsbedürftig.

Fest steht nur, daß die Antiquariate Inlibris (Wien) und Friebes (Graz) dieses Fundstück zum Verkauf feilbieten, zum wahrlich stolzen Preis von 5,8 Millionen Schilling. Inlibris-Chef Hugo Wetscherek über die Herkunft der Regieanweisungen, die Bernhard 1957 in eine Ausgabe von Thomas Wolfes Südstaatendrama "Herrenhaus" einbinden ließ: "Wir haben es für eine siebenstellige Summe von einem Salzburger Händler erworben, der sich mit dem zu erwartenden Rummel um diesen sensationellen Fund nicht belasten wollte. Woher er den Text hat, weiß ich nicht." Er gehe jedoch davon aus, daß alles mit rechten Dingen zugegangen sei.

ENTWENDET? Genau das bezweifelt allerdings Peter Fabjan, dem "ein Informant meines Vertrauens" verraten habe, daß der Text aus der Bibliothek des Salzburger Mozarteums bereits vor Jahren entwendet worden sei. Was Mozarteum-Bibliotheksdirektor Werner Rainer dementiert: Das Manuskript sei nie in seinem Haus gewesen.

Der Salzburger Antiquar Christian Weinek, der das Buch weiterreichte, weigert sich vorerst, seine Quelle preiszugeben. Peter Fabjan hat deshalb einen Anwalt beauftragt, die rechtliche Lage zu prüfen. Der Ärger wurmt ihn umso mehr, als dieser Tage alle Weichen auf Bernhard-Festspiele gestellt wurden. Am Wochenende wurde das neue Thomas-Bernhard-Archiv in der Gmundner Villa Stonborough-Wittgenstein festlich eröffnet, in dem der umfangreiche Nachlaß des vor 12 Jahren verstorbenen Autors verwaltet und wissenschaftlich aufgearbeitet werden kann. "Das Haus ist ein Traum. Man kann nachvollziehen, wie Thomas Bernhard gearbeitet hat, ihm buchstäblich über die Schulter schauen", freut sich Fabjan.

NEUE GESAMTAUSGABE. In diesen Genuß kommen freilich nur Wissenschaftler. Das Archiv ist - anders als das Museum in Bernhards Vierkanthof im benachbarten Ohlsdorf, Obernathal 2 - keine allgemein zugängliche Bernhard-Pilgerstätte. Die im Archiv deponierten Manuskripte bilden die Grundlage eines Mammutbuchprojekts: Im Herbst 2002 erscheinen bei Suhrkamp die ersten drei einer auf 22 Bände angelegten Bernhard-Gesamtausgabe. Jeder Band enthält im Anhang die Entstehungs- und Wirkungsgeschichte der einzelnen Werke. Die Reihe beginnt mit einer überarbeiteten Ausgabe von "Frost", Bernhards erster Romanveröffentlichung, und endet voraussichtlich 2007 mit "Der öffentliche Bernhard: frühe journalistische Arbeiten und Reden, Interviews, Leserbriefe". Bernhard-Spezialisten aus Österreich, Deutschland und Frankreich sind in das Projekt eingebunden, Gesamtherausgeber sind der Direktor des Instituts für Germanistik, Wendelin Schmidt-Dengler, und Martin Huber, Leiter des Archivs in Gmunden.

PREISTREIBEREI. Daß im Vorfeld der Archiveröffnung plötzlich ein angeblich bisher unbekannter Bernhard-Text auftaucht und mit medialer Hilfe ("Der Standard" schrieb von einer "Sensation") in den Vordergrund rückt, ist für Peter Fabjan "kein Zufall" Man nutze die geschärfte Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit für eine "skandalöse Preistreiberei". Denn der Text sei weder unbekannt - "wir wissen seit September 1999 von seiner Existenz" - noch sensationell: "Derartiges gibt es im unveröffentlichten Nachlaß en masse. Es ist ein schönes Detail, mehr nicht." Auch Schmidt-Dengler schließt sich diesem Urteil an: "Das Aufsehen darum ist größer als der Wert."

Trotzdem bedauern sie, daß der Text nun dem wissenschaftlichen Zugriff entzogen sein könnte. Der Ankauf durch die Bernhard-Stiftung, wie sie Inlibris vorschlägt, sei nicht finanzierbar. "Die Bernhard-Stiftung hat keinen Schilling übrig, schon gar nicht eine derartige Summe", erklärt Fabjan. "Wir hoffen inständig, daß uns der Käufer wenigstens eine Kopie davon fürs Archiv überläßt." Eine Absage versetzt er auch der vollmundigen Ankündigung des neuen Salzburger Festspielintendanten Peter Ruzicka in einem "Kurier"-Interview, er plane gemeinsam mit Schauspielchef Jürgen Flimm das von Bernhard bearbeitete Stück uraufzuführen. "Daraus wird nichts. Bernhard hat bekanntlich testamentarisch verboten, daß seine zu Lebzeiten unveröffentlichten Werke inszeniert werden, und daran halte ich mich", so Fabjan apodiktisch.

Zumal es keinen Grund gebe, Frühwerke auf die Bühne zu bringen, solange Bernhards große Klassiker in Österreich "so schändlich selten" gespielt würden, wie Hermann Beil, Kodirektor am Berliner Ensemble, sekundiert. Beil, der mit Claus Peymann am Burgtheater dreizehn Bernhard-Uraufführungen gestemmt hat, bedauert, daß der Sprachgigant im Ausland mehr Beachtung findet als in seiner Heimat. "In 17 Ländern wird Bernhard in über hundert Inszenierungen gespielt, nur in Österreich so gut wie nie, obwohl das nach dem Ende des Aufführungsverbots wieder möglich wäre." Hoffnung setzt er in Langhoffs kommende "Elisabeth II"-Inszenierung an der Burg, mit der "die Neugierde auf Bernhard wieder erwachen" könnte.

Danach, so schlägt er nicht ganz uneigennützig vor, sollten die Wiener Festwochen die Berliner Inszenierung von "Der Ignorant und der Wahnsinnige" einladen, eine "fabelhafte Aufführung mit Maria Happl und Traugott Buhre, die ein Riesenerfolg war". Das Stück ist noch nie in Wien gezeigt worden, obwohl es "perfekt" hierherpasse, so Beil: "Es spielt ja in der Oper und den 'Drei Husaren'."

Die überragende Bedeutung Bernhards zeige sich schließlich auch daran, daß "seine Stücke die Wirklichkeit anziehen wie ein Schwamm das Wasser. Zu jeder Zeit findet man seine Befindlichkeit und die aktuelle politische Lage darin widergespiegelt", plädiert Beil an seine österreichischen Kollegen, sich wieder stärker auf Bernhard zu besinnen.

UNTERSCHÄTZTER HUMOR. Diesem Appell schließt sich auch Martin Huber an, der Leiter des Archivs. Es gebe genug Stücke zu entdecken, die bei uns selten oder nie aufgeführt wurden, wie etwa "Die Macht der Gewohnheit". Zwölf Jahre nach seinem Tod, da die Skandalisierung seines Werks (Stichwort: "Heldenplatz") vergessen sei, halten Huber, Beil und Schmidt-Dengler unisono die Zeit auch für reif, endlich die meistunterschätzte Eigenschaft Bernhards zu entdecken: seinen Humor. "Ich halte ihn für unerhört witzig und einen großen komischen Autor", sagt Schmidt-Dengler. "Leider erkennen die meisten Leute das nicht." Was vielleicht auch daran liegt, daß Komödie und Tragödie bei Bernhard ineinander verschwimmen. Hermann Beil, pointiert: "In einer Sekunde lachen, in der nächsten zutiefst erschrocken sein - das ist Bernhard."

 

Susanne Rössler

Logo : Der Standard 16. Nov. 01

Der Tod wird jünger

Peter Ruzicka und Jürgen Flimm präsentierten ihr Programm für Salzburg 2002

 Salzburg - Peter Ruzicka, der neue Intendant der Salzburger Festspiele, und sein Schauspielchef Jürgen Flimm hegen den Wunsch, die Bearbeitung von Thomas Wolfes Herrenhaus, die Thomas Bernhard 1957 als Student des Mozarteums verfasste, zur Uraufführung zu bringen. Das Manuskript, dessen Existenz jahrelang bezweifelt wurde, wird, wie der STANDARD berichtete, von zwei Antiquariaten zum Kauf angeboten. Man habe, sagt Flimm, Verhandlungen aufgenommen, er sei allerdings skeptisch, ob man erfolgreich sein werde. Schließlich sei der letzte Wille des Autors zu respektieren.

[...]

 

(poh, trenk, APA)

Logo : St. Galler Tagblatt 16. Nov. 01

Archiv mit Atelier

(sda) Im oberösterreichischen Gmunden wird am Wochenende das Thomas-Bernhard-Archiv eröffnet. Der literarische Nachlass soll dort für Forschungszwecke zugänglich gemacht werden. Die Villa verfügt auch über eine Atelierwohnung für Studienaufenthalte.

In Salzburg ist ein unveröffentlichtes Manuskript von Thomas Bernhard aufgetaucht. Dabei handelt es sich um eine Bearbeitung von Thomas Wolfes Drama «Herrenhaus», deren Handlung in die Zeit des Koreakriegs verlegt ist.

Logo : ORF ON Kultur 16. Nov. 01

Ein Haus zum Abregen

Am Wochenende findet die offizielle Eröffnung des Thomas-Bernhard-Archivs in der Gmundner "Villa Toscana", einem Haus mit Geschichte, statt. Das Anwesen gehört dem Land Oberösterreich, das die Villa restaurieren und adaptieren ließ. Die neue Einrichtung solle zur Ent-Emotionalisierung der Erregungen und wieder zur Beschäftigung mit den Texten Bernhards beitragen, sagt Germanist Wendelin Schmidt-Dengler im Gespräch mit ON Kultur. Für neue Erregungen sorgt jedenfalls ein kürzlich aufgetauchtes Bernhard-Manuskript aus Jugendtagen.

(K)eine späte Sensation?

Für Peter Fabjan ist das kürzlich aufgetauchte Bernhard-Manuskript keine Sensation: "Das war den unmittelbar Betroffenen, also mir und der Thomas-Bernhard-Privatstiftung, schon seit Jahren bekannt."

Ein bisher unbekanntes Manuskript des österreichischen Schriftstellers Thomas Bernhard (1931-1989) ist in Österreich aufgetaucht. Die Handschrift von 1957 ist eine Bearbeitung von Thomas Wolfes Drama "Herrenhaus", wie die Wiener Tageszeitung "Der Standard" am Montag berichtete.

Der 26-jährige Schriftsteller hatte sich damals leere Seiten in eine Rowohlt-Ausgabe des Stückes binden lassen und darauf eine Neufassung mit umfangreichen Anmerkungen und Skizzen geschrieben.

Bernhard-Hinweise

Bernhard selbst hat des öfteren auf dieses Manuskript hingewiesen, das jedoch weder zu Lebzeiten noch im Nachlass aufgetaucht war. Noch 1996 hatten Forscher vermutet, es handle sich um eine Erfindung des Autors. Zwei Antiquare aus Wien und Graz haben den Band nach eigenen Angaben vor einem halben Jahr aus dem Besitz eines Salzburger Buchhändlers erworben und sind nach eingehender Prüfung durch Gutachter an die Öffentlichkeit gegangen.

"Authentizität sichergestellt"

"Wir wollten warten, bis die Authentizität zu hundert Prozent sichergestellt ist", sagte Mitbesitzer Hugo Wetscherek vom Wiener Antiquariat "Inlibris", am Montag der dpa. Er gibt den Wert des Manuskripts mit rund 5,8 Millionen Schilling (420.000 Euro) an. Auch eine Uraufführung der Wolfe-Nachdichtung als originäres Bernhard-Stück wäre möglich, wenn sie den genauen Anweisungen und Skizzen folge. Dem müsse aber die Bernhard-Stiftung zustimmen.

Keine Zustimmung für Aufführung

Einer etwaigen Aufführung der Bernhard'schen Version des Stücks könne und werde die Stiftung "nicht zustimmen", hat Peter Fabjan, Bernhards Halbbruder und Mitverwalter des Nachlasses, bereits klargestellt. Fabjan bezieht sich dabei auf den Passus in Bernhards Testament, wonach "alles bisher Unveröffentlichte nicht veröffentlicht werden darf."

Aus Mozarteum-Archiv gestohlen?

Laut Fabjan wurde das Manuskript aus dem Archiv des Salzburger Mozarteums gestohlen. Dies sei ihm vor drei Jahren mitgeteilt worden. Er würde zwar gerne das Original für die Bernhard-Stiftung kaufen, habe aber nicht die Mittel dafür, so der Halbbruder weiter.

"Nie im Mozarteum-Archiv"

Mozarteum-Bibliotheksdirektor Werner Rainer meinte dagegen auf Nachfrage der APA, dass das "Manuskript niemals im Mozarteum-Archiv" gewesen sei. "Daran ist kein Wort wahr". Wenn Fabjan das behaupte, dann "liegt das vielleicht in der Familie. Da wurde ja fest gedichtet", so Rainer. Er würde sich freuen, "wenn wir so etwas gehabt hätten". Rainer hält es jedoch für möglich, dass das Manuskript aus dem Nachlass von Bernhards Mozarteum-Lehrer Rudolf E. Leisner stammt. "Da könnte es vermutlich irgendein Manuskript gegeben haben. Aber da hat es sich ein anderer rausgeklaubt."

Unruhe und überhöhte Bewertung

"Wir waren über dieses Manuskript bereits vor zwei Jahren informiert. Nun herrscht natürlich Unruhe, weil keiner der Akteure sagt, woher das Manuskript stammt. Bestenfalls ist es eine Schenkung", sagt Schmidt-Dengler im Gespräch mit ON Kultur.

Erstaunt zeigt sich der Germanist über die hohe Bewertung: "Es zählt nicht zu Bernhards bedeutenden Werken. Meiner Meinung nach liegt der Wert bei etwa einem Zehntel der genannten 5,8 Millionen Schilling (Euro 421.502,44). Der Markt reagiert überhitzt. Ich bin der Meinung, dass man den Antiquariatshandel bei solchen Vorgangsweisen keinesfalls unterstützen soll. Das ist nicht seriös und sollte nicht Schule machen."

Versuch zur Klärung

Fabjan und die Bernhard-Privatstiftung hätten "schon vor Jahren versucht", den rechtlichen Anspruch an dem Manuskript zu klären. Jedoch seien die Bemühungen, "diesen weiteren Weg in den Handel zu verhindern", vergeblich gewesen. Vor "ein paar Jahren" sei Fabjan und der Bernhard-Stiftung "zu unserer Verblüffung mitgeteilt worden, dass das Manuskript ursprünglich im Archiv des Salzburger Mozarteums verwahrt und von dort entwendet" worden sei, so Fabjan.

Gescheiterter Versuch

Fabjan und die Stiftung hätten "unmittelbar nach dem Geschehen" versucht, das Manuskript zurückzubekommen, bevor es in den Handel gebracht wurde. Das sei jedoch "abgeblockt oder nicht in unserem Sinne verfolgt" worden, sagt Fabjan. "Man machte uns die traurige Mitteilung, dass, wenn das einmal im Autographenhandel ist, die Chancen, es jemals zu bekommen, gleich null" sind.

"Republik soll helfen"

"Eigentlich wäre es die Aufgabe des Thomas-Bernhard-Archivs, solche Sachen im Original zu erwerben - oder zumindest in Kopie. Die Mittel für das Original haben wir jedoch nicht, und wenn das Manuskript in privater Hand ist, gibt es auch kaum eine Chance für eine Kopie". Fabjan sieht in diesem Fall "vielleicht die private Hand oder sogar die Republik - insbesondere die Nationalbibliothek" gefordert, dem Archiv entsprechende Mittel zur Komplettierung des Bestandes zu geben.

Handlung in Koreakrieg verlegt

In diesem Jugend-Werk hat Bernhard auf 68 mit Bleistift geschriebenen Seiten die Handlung von Wolfes 1922 entstandenem Stück von der Zeit des amerikanischen Bürgerkrieges in den Koreakrieg verlegt. "Es gibt bessere Stücke, aber wenige, die ich leidenschaftlicher gelesen und gewürdigt hätte", zitiert der "Standard" aus Bernhards Notizen.

APA / Matthias Osiecki

Logo : Facts 15. Nov. 01

Gefunden

Vom österreichischen Schriftsteller Thomas Bernhard (1931-1989) ist ein bisher unbekanntes Manuskript aufgetaucht. Es handelt sich um eine Bearbeitung von Thomas Wolfes Stück «Herrenhaus». Die Thomas-Bernhard-Privatstiftung hat aber schon bekannt gegeben, dass sie einer Aufführung nicht zustimmen wird, und verweist dabei auf das Testament des Autors. Darin bestimmt Bernhard, dass «alles bisher Unveröffentlichte nicht veröffentlicht werden darf».

Logo : Kurier 15. Nov. 01

"Festspielkarten zu Kinopreisen"

Der neue Festspielchef Peter Ruzicka über die Salzburger Ruhe, seine Träume und Thomas Bernhard

[...]

KURIER: Sie haben das Büro von Mortier behalten, es hängt aber noch kein Bild an der Wand. Mortier hatte hier ein großes Bernhard-Porträt. Wie stehen Sie zu Bernhard?

RUZICKA: Ich habe schon einen neuen Schreibtisch und Bilder bestellt. Zu Bernhard habe ich eine große Nähe. Schauspielchef Jürgen Flimm und ich wollen das soeben aufgetauchte Bernhard-Manuskript in Salzburg uraufführen. Wir versuchen gerade, das mit den Erben zu klären.

[...]

Gert Korentschnig

Logo : Le Monde 15. Nov. 01

Un manuscrit inconnu de Thomas Bernhard vient d'être découvert à Salzbourg

DÉPÊCHES

 Un manuscrit inconnu de Thomas Bernhard vient d'être découvert à Salzbourg par un libraire qui l'a revendu à des antiquaires. Ce manuscrit de soixante-huit pages écrites au crayon en 1957 est très rare : l'écrivain autrichien utilisait presque exclusivement sa machine à écrire. Il s'agit de la transposition en Corée d'un drame de l'Américain Thomas Wolfe, qui se situe dans le sud des Etats-Unis dans l'oeuvre originale. Selon M. Fabjan, membre de la Fondation Thomas-Bernhard, le manuscrit aurait été volée au Mozarteum, l'institut universitaire de Salzbourg où l'auteur a suivi ses études. La Fondation aimerait acquérir l'original, mais le prix demandé par les antiquaires - 423 000 - est bien trop élevé.

Logo : Aargauer Zeitung 14. Nov. 01

Bernhard-Manuskript aufgetaucht

Unveröffentlichte Bearbeitung von Wolfes «Herrenhaus»

 Ein unveröffentlichtes Manuskript des 1989 verstorbenen österreichischen Schriftstellers Thomas Bernhard ist in Salzburg aufgetaucht. Das zu Bernhards Studienzeiten ausgearbeitete Drama sei von einem Salzburger Buchhändler an zwei Antiquare aus Wien und Graz verkauft worden, teilte Bernhards Halbbruder und Mitverwalter des Nachlasses, Peter Fabjan, mit. Er selbst habe bereits vor drei Jahren von der Existenz der Handschrift erfahren.

Nach Angaben der Tageszeitung «Der Standard» handelt es sich bei dem Manuskript von 1957 um eine Bearbeitung von Thomas Wolfes Drama «Herrenhaus», dessen Handlung Bernhard aus der Ära des amerikanischen Bürgerkriegs in die Zeit des Koreakriegs verlegte. Bernhard hatte sich von einem Buchbinder 68 weisse Seiten in eine Ausgabe des Dramas binden lassen und darauf mit Bleistift eine Neufassung geschrieben. Handschriftliche Aufzeichnungen des österreichischen Autors sind ausgesprochen selten, da er seine Stücke normalerweise auf der Schreibmaschine tippte.

sda

Logo : Südwest Presse 14. Nov. 01

Bernhard schrieb Wolfe-Stück um

wien· Ein bisher unbekanntes Manuskript des österreichischen Schriftstellers Thomas Bernhard (1931-1989) ist in Österreich aufgetaucht. Die Handschrift von 1957 ist eine Bearbeitung von Thomas Wolfes Drama "Herrenhaus'', wie die Wiener Tageszeitung "Der Standard'' berichtete. Der junge Schriftsteller hatte sich leere Seiten in eine Rowohlt-Ausgabe des Stückes binden lassen und darauf eine Neufassung mit umfangreichen Anmerkungen und Skizzen geschrieben.

Bernhard selbst hat des öfteren auf dieses Manuskript hingewiesen, das jedoch weder zu Lebzeiten noch im Nachlass aufgetaucht war. Noch 1996 hatten Forscher vermutet, es handle sich um eine Erfindung des Autors. Zwei Antiquare aus Wien und Graz haben den Band nach eigenen Angaben vor einem halben Jahr aus dem Besitz eines Salzburger Buchhändlers erworben und sind nach eingehender Prüfung durch Gutachter an die Öffentlichkeit gegangen. Mitbesitzer Hugo Wetscherek vom Wiener Antiquariat Inlibris gibt den Wert des Manuskripts mit 420 000 Euro (rund 821 500 Mark) an.

Auf 68 mit Bleistift geschriebenen Seiten verlegt Bernhard die Handlung von Wolfes 1922 entstandenem Stück von der Zeit des amerikanischen Bürgerkrieges in den Koreakrieg. "Es gibt bessere Stücke, aber wenige, die ich leidenschaftlicher gelesen und gewürdigt hätte'', notierte Bernhard.

ims

Logo : Neues Volksblatt 14. Nov. 01

Bernhard-Buch nicht unbekannt

ine „Sensation" ist das im Autografenhandel aufgetauchte Manuskript von Thomas Bernhard aus dem Jahre 1957, in dem Bernhard auf 68 handgeschriebenen Seiten Thomas Wolfes „Herrenhaus" bearbeitete, für Peter Fabjan, Halbbruder des Dichters und Mitverwalter des Nachlasses, nicht. Fabjan und die Bernhard-Privatstiftung hätten schon vor Jahren versucht, den rechtlichen Anspruch an dem Manuskript zu klären. Jedoch seien die Bemühungen, „diesen weiteren Weg in den Handel zu verhindern", vergeblich gewesen (die Antiquariate Wolfgang Friebes, Graz, und Inlibris, Wien, bieten das Buch wie berichtet zum Kauf an). Vor ein paar Jahren sei Fabjan und der Bernhard-Stiftung „zu unserer Verblüffung mitgeteilt worden, dass das Manuskript ursprünglich im Archiv des Salzburger Mozarteums verwahrt und von dort entwendet" worden sei, so Fabjan. Mozarteum-Bibliotheksdirektor Werner Rainer meinte dagegen, dass das Manuskript niemals im Mozarteum-Archiv gewesen sei. Er hielt es jedoch für möglich, dass das Manuskript aus dem Nachlass von Bernhards Mozarteum-Lehrer Rudolf E. Leisner stamme.

Logo : Neue Luzerner Zeitung 14. Nov. 01

Manuskript Bernhards

Wien - Ein unveröffentlichtes Manuskript des 1989 verstorbenen österreichischen Schriftstellers Thomas Bernhard von 1957 ist in Salzburg aufgetaucht. Es handelt sich um eine Bearbeitung von Thomas Wolfes Drama «Herrenhaus», dessen Handlung Bernhard aus der Ära des amerikanischen Bürgerkriegs in die Zeit des Koreakriegs verlegte. Bernhard hatte sich 68 weisse Seiten in eine Ausgabe des Dramas binden lassen und darauf mit Bleistift eine Neufassung geschrieben.

Logo : Nürnberger Nachrichten 14. Nov. 01

Neues von Bernhard

Unbekanntes Manuskript gefunden

Ein bisher unbekanntes Manuskript des österreichischen Schriftstellers Thomas Bernhard (1931-1989) ist in Österreich aufgetaucht. Die Handschrift von 1957 ist eine Bearbeitung von Thomas Wolfes Drama „Herrenhaus" von 1922. Zwei Antiquare aus Wien und Graz haben den Band vor einem halben Jahr von einem Salzburger Buchhändler erworben.

Bernhard hatte sich leere Seiten in eine Rowohlt-Ausgabe des Stückes binden lassen und darauf eine Neufassung mit Anmerkungen geschrieben. Er verlegt die Handlung von Wolfes Stück aus der Zeit des amerikanischen Bürgerkrieges in den Koreakrieg. „Es gibt bessere Stücke, aber wenige, die ich leidenschaftlicher gelesen und gewürdigt hätte", notierte er.  

dpa

Logo : Moose 13. Nov. 01

Thomas Bernhard

In Oostenrijk is een onbekend manuscript van de in 1989 gestorven schrijver Thomas Bernhard gevonden. Het betreft een bewerking van het drama 'Mannerhouse' van de in 1938 gestorven Amerikaan Thomas Clayton Wolfe, schrijft de krant Der Standard maandag. Bernhard liet in 1957, toen hij 26 jaar was, lege pagina's inbinden in een uitgave van het toneelstuk en maakte daarop talrijke notities. Sommige delen van het drama werden geheel herschreven. De schrijver heeft meer dan eens naar het manuscript verwezen, maar het werd niet in zijn nalatenschap aangetroffen. Nog in 1996 spraken onderzoekers het vermoeden uit dat het om een verzinsel van Bernhard ging.

Eigenaren van twee antiquariaten in Wenen en Graz zeggen dat zij het manuscript een half jaar geleden uit het bezit van een boekhandelaar in Salzburg hebben verworven. Zij zijn na een diepgaand onderzoek van het manuscript in de openbaarheid getreden. Hugo Wetscherek van het antiquariaat Inlibris in Wenen schat de waarde van het stuk op 420.000 euro (924.000 gulden). Op 68 met potlood geschreven bladzijden verlegt Bernhard de handeling van de Amerikaanse Burgeroorlog naar de Koreaanse Oorlog. "Er zijn betere toneelstukken, maar er zijn er maar enkele die ik met meer hartstocht heb gelezen en gewaardeerd", citeert de Oostenrijkse krant uit de notities van Bernhard.

De Oostenrijkse schrijver, die leefde van 1931 tot 1989, heeft vooral bekendheid gekregen door zijn niets ontziende kritiek op Oostenrijk. Hij raakte daardoor herhaaldelijk in schandalen en processen verwikkeld. In zijn testament bepaalde hij dat zijn toneelstukken nooit meer in Oostenrijk zouden mogen opgevoerd.

Logo : de Gelderlander 13. Nov. 01

Manuscript van schrijver Thomas Bernhard gevonden

SALZBURG/WENEN (ANP) - In Oostenrijk is een onbekend manuscript van de in 1989 gestorven schrijver Thomas Bernhard gevonden. Het betreft een bewerking van het drama Mannerhouse van de in 1938 jonggestorven Amerikaan Thomas Clayton Wolfe, schrijft de krant Der Standard maandag.
Bernhard liet in 1957, toen hij 26 jaar was, lege pagina's inbinden in een uitgave van het toneelstuk en maakte daarop talrijke notities. Sommige delen van het drama werden geheel herschreven. De schrijver heeft meer dan eens naar het manuscript verwezen, maar het werd niet in zijn nalatenschap aangetroffen. Nog in 1996 spraken onderzoekers het vermoeden uit dat het om een verzinsel van Bernhard ging.

Diepgaand onderzoek

Eigenaren van twee antiquariaten in Wenen en Graz zeggen dat zij het manuscript een half jaar geleden uit het bezit van een boekhandelaar in Salzburg hebben verworven. Zij zijn na een diepgaand onderzoek van het manuscript in de openbaarheid getreden.
Hugo Wetscherek van het antiquariaat Inlibris in Wenen schat de waarde van het stuk op 420.000 euro (924.000 gulden). Op 68 met potlood geschreven bladzijden verlegt Bernhard de handeling van de Amerikaanse Burgeroorlog naar de Koreaanse Oorlog. "Er zijn betere toneelstukken, maar er zijn er maar enkele die ik met meer hartstocht heb gelezen en gewaardeerd'', citeert de Oostenrijkse krant uit de notities van Bernhard.
De Oostenrijkse schrijver, die leefde van 1931 tot 1989, heeft vooral bekendheid gekregen door zijn niets ontziende kritiek op Oostenrijk. Hij raakte daardoor herhaaldelijk in schandalen en processen verwikkeld. In zijn testament bepaalde hij dat zijn toneelstukken nooit meer in Oostenrijk zouden mogen opgevoerd.

Logo : Algemeen Dagblad 13. Nov. 01

Manuscript van Bernhard gevonden

In Oostenrijk is een onbekend manuscript van de in 1989 gestorven schrijver Thomas Bernhard gevonden. Het is een bewerking van het drama Mannerhouse van de Amerikaan Thomas Clayton Wolfe. Bernhard liet in 1957, toen hij 26 jaar was, lege pagina's inbinden in een uitgave van het toneelstuk en maakte daarop talrijke notities. Eigenaren van twee antiquariaten in Wenen en Graz zeggen dat zij het manuscript uit het bezit van een boekhandelaar in Salzburg hebben verworven. De waarde van het stuk wordt geschat op fl. 924.000. 

Logo : Nieuwe Rotterdamse Courant - Handelsblad 13. Nov. 01

Manuscript Thomas Bernhard

SALZBURG/WENEN, 13 NOV. In Oostenrijk is een onbekend manuscript van de in 1989 gestorven schrijver Thomas Bernhard gevonden. Het betreft een bewerking van het drama Mannerhouse van de in 1938 jonggestorven Amerikaan Thomas Clayton Wolfe, schrijft de krant Der Standard maandag.

Bernhard liet in 1957, toen hij 26 jaar was, lege pagina's inbinden in een uitgave van het toneelstuk en maakte daarop talrijke notities. Sommige delen van het drama werden geheel herschreven. De schrijver heeft meer dan eens naar het manuscript verwezen, maar het werd niet in zijn nalatenschap aangetroffen. Nog in 1996 spraken onderzoekers het vermoeden uit dat het om een verzinsel van Bernhard ging.

Eigenaren van twee antiquariaten in Wenen en Graz zeggen dat zij het manuscript een half jaar geleden uit het bezit van een boekhandelaar in Salzburg hebben verworven. Zij zijn na een diepgaand onderzoek van het manuscript in de openbaarheid getreden. Hugo Wetscherek van het antiquariaat Inlibris in Wenen schat de waarde van het stuk op 420.000 euro (924.000 gulden).

Op 68 met potlood geschreven bladzijden verlegt Bernhard de handeling van de Amerikaanse Burgeroorlog naar de Koreaanse Oorlog. ,,Er zijn betere toneelstukken, maar er zijn er maar enkele die ik met meer hartstocht heb gelezen en gewaardeerd'', citeert de Oostenrijkse krant uit de notities van Bernhard. (DPA)

Logo : Süddeutsche Zeitung 13. Nov. 01

Bernhardiener

Schreiben und Übertreiben

[Aus Urheberrechtsgründen verweisen wir auf <www.sz-archiv.de>.]

midt

Logo :  taz - die tageszeitung 13. Nov. 01

Unterm Strich

Apropos Dichtung: Ein bisher unbekanntes Manuskript von Thomas Bernhard ist in Österreich aufgetaucht. Die Handschrift aus dem Jahr 1957 ist laut dem Wiener Standard eine Bearbeitung von Thomas Wolfes Drama "Herrenhaus". Der damals 26-jährige Schriftsteller hatte sich leere Seiten in eine Rowohlt-Ausgabe des Stückes binden lassen und darauf eine 68-seitige Neufassung mit umfangreichen Anmerkungen und Skizzen geschrieben.

Bernhard selbst hat des Öfteren auf dieses Manuskript hingewiesen, das jedoch weder zu Lebzeiten noch im Nachlass aufgetaucht war. Noch 1996 hatten Forscher vermutet, es handle sich um eine Erfindung des Autors. Zwei Antiquare aus Wien und Graz haben den Band nach eigenen Angaben vor einem halben Jahr aus dem Besitz eines Salzburger Buchhändlers erworben und sind nach eingehender Prüfung durch Gutachter an die Öffentlichkeit gegangen. Der Wert des Manuskripts soll bei 420.000 Euro liegen. "Es gibt bessere Stücke, aber wenige, die ich leidenschaftlicher gelesen und gewürdigt hätte", zitiert der Standard aus Bernhards Notizen zum Wolfe-Original.

Logo : Die Presse 13. Nov. 01

Bernhard und Thomas Wolfe

Ein Manuskript von Thomas Bernhard sorgt für Streit.

68 handgeschriebene Seiten mit Vorwort, Anmerkungen, Skizzen von Thomas Bernhard, eingebunden in eine Ausgabe von Thomas Wolfes "Herrenhaus", sorgen seit Montag für Diskussionen. Denn die 1957 verfaßte Bearbeitung des Romans wird jetzt um 5,8 Millionen Schilling (421.502 Euro) im Handel angeboten. Der "Standard" ortete gleich eine Sensation: Es handle sich um ein "bisher unbekanntes großes Stück von Bernhard".

In Fachkreisen ist die Existenz des Manuskripts schon jahrelang bekannt. Peter Fabjan, Halbbruder des Dichters, Nachlaß-Mitverwalter, und die Bernhard-Stiftung haben auch schon vergeblich versucht, die Ansprüche auf das Manuskript zu klären und "den Weg in den Handel zu verhindern". Die zwei Antiquariate Inlibris (Wien) und Friebes (Graz) kauften das "Regiebuch" vom Salzburger Antiquar Weinek und bieten es jetzt an. Unklar ist der Vorbesitz: "Es gab in der Literatur bis jetzt divergierende Meinungen über die Existenz des Manuskripts: Entweder gilt es als verschollen oder als Bernhardsche Erfindung", so Hugo Wetscherek ("Inlibris").

Der geforderte Preis, 5,8 Mio. Schilling, verwundert. "Es ist doch die Bearbeitung eines fremden Stücks. Aber bei Autographen gibt es bezüglich des Preises ja kein Vergleichsstück", so der Wiener Autographen-Spezialist Hassfurther. Dazu Wetscherek: "Verglichen mit internationalen Ergebnissen für Literatur liegen die 5,8 Mio noch im unteren Bereich." Einer Aufführung des Stücks wird die Bernhard-Stiftung jedenfalls "nicht zustimmen", so Fabjan.

Logo : Nordwest Zeitung 13. Nov. 01

Manuskript aufgetaucht

Handgeschrieben von Thomas Bernhard

 dpa Salzburg. Ein bisher unbekanntes Manuskript des österreichischen Schriftstellers Thomas Bernhard (1931-1989) ist in Österreich aufgetaucht. Die Handschrift von 1957 ist eine Bearbeitung von Thomas Wolfes Drama "Herrenhaus", wie die Wiener Tageszeitung "Der Standard" gestern berichtete. Der junge Schriftsteller hatte sich leere Seiten in eine Rowohlt-Ausgabe des Stückes binden lassen und darauf mit Bleistift eine Neufassung mit umfangreichen Anmerkungen und Skizzen geschrieben.

Bernhard selbst hat des öfteren auf dieses Manuskript (der Wert wird von den Besitzern mit 420 000 Euro angegeben) hingewiesen, das jedoch weder zu Lebzeiten noch im Nachlass aufgetaucht war. Noch 1996 hatten Forscher vermutet, es handle sich um eine Erfindung des Autors. Zwei Antiquare aus Wien und Graz haben den Band vor einem halben Jahr aus dem Besitz eines Salzburger Buchhändlers erworben und sind nach eingehender Prüfung durch Gutachter an die Öffentlichkeit gegangen.

Logo : Thüringische Landeszeitung 13. Nov. 01

Sensation um Bernhard-Drama

Salzburg/Wien (dpa/tlz). Ein bisher unbekanntes Manuskript von Thomas Bernhard (1931-1989) ist in Salzburg aufgetaucht. Die Handschrift von 1957 ist eine Bearbeitung von Thomas Wolfes Drama "Herrenhaus", wie eine Wiener Tageszeitung berichtete.

Bernhard selbst hat des öfteren auf diesen Text hingewiesen, der jedoch weder zu Lebzeiten noch im Nachlass aufgetaucht war. Noch 1996 hatten Forscher vermutet, es handle sich um eine Erfindung des Autors. Der 68-seitige, mit Bleistift geschriebene Text war in eine Ausgabe von Thomas Wolfes Drama eingebunden. Bernhard verlegt die Handlung allerdings aus dem amerikanischen Bürgerkrieg in den Koreakrieg. "Es gibt bessere Stücke, aber wenige, die ich leidenschaftlicher gelesen und gewürdigt hätte", so der Autor in seinen Begleitnotizen. Zwei Antiquare aus Wien und Graz haben den Band vor einem halben Jahr in Salzburg erworben und gutachterlich prüfen lassen

Logo : Austria Today 13. Nov. 01

Unknown manuscript by Thomas Bernhard discovered

The handwritten notices on the manuscript of ‘Herrenhaus' will be offered at auction and are expected to fetch at least ATS 5.8 million

The Austrian newspaper Der Standard has reported the discovery of a previously unknown manuscript by the author Thomas Bernhard. According to the report, the manuscript is thought to be a ‘corrected copy' of the first manuscript from the year 1957 of the work ‘Herrenhaus'. It is believed that Bernhard wrote around 70 pages himself.

The article stated that Bernhard had the original copy of the manuscript bound, with plain white pages between the original pages and which he filled with a preface and countless statements, corrections, notes and around 25 sketches.

 

(IZ)

Logo : Mittelbayerische Zeitung 13. Nov. 01

Manuskript von Thomas Bernhard entdeckt

Ein unveröffentlichtes Manuskript des 1989 verstorbenen österreichischen Schriftstellers Thomas Bernhard ist in Salzburg aufgetaucht. Das zu Bernhards Studienzeiten ausgearbeitete Drama sei von einem Salzburger Buchhändler an zwei Antiquare aus Wien und Graz verkauft worden, teilte Bernhards Halbbruder und Mitverwalter des Nachlasses, Peter Fabjan, mit. Er selbst habe bereits vor drei Jahren von der Existenz der Handschrift erfahren.

Nach Angaben der Tageszeitung "Der Standard" handelt es sich bei dem Manuskript von 1957 um eine Bearbeitung von Thomas Wolfes Drama "Herrenhaus", dessen Handlung Bernhard aus der Ära des amerikanischen Bürgerkriegs in die Zeit des Koreakriegs verlegte. Der junge Schriftsteller hatte sich von einem Buchbinder 68 weiße Seiten in eine Ausgabe des Dramas binden lassen und darauf mit Bleistift eine Neufassung geschrieben. Handschriftliche Aufzeichnungen des österreichischen Schriftstellers sind ausgesprochen selten, da er seine Stücke normalerweise auf der Schreibmaschine tippte.

Laut Fabjan wurde das Manuskript aus dem Archiv des Salzburger Mozarteums gestohlen. Dies sei ihm vor drei Jahren mitgeteilt worden. Gerne würde er das Original für die Bernhard-Stiftung kaufen, habe aber nicht die Mittel dafür, sagte der Halbbruder weiter. Der Wert des Manuskripts wird von den beiden Antiquaren mit umgerechnet 423.000 Euro (etwa 824.000 Mark) angegeben.

(AFP)

Logo : Frankfurter Rundschau 13. Nov. 01

Manuskript aufgetaucht

Thomas Bernhard

 SALZBURG/WIEN. Ein bisher unbekanntes Manuskript des österreichischen Schriftstellers Thomas Bernhard (1931-1989) ist in Österreich aufgetaucht. Die Handschrift von 1957 ist eine Bearbeitung von Thomas Wolfes Drama Herrenhaus, wie die Wiener Tageszeitung Der Standard gestern berichtete.

dpa

Logo : Oberösterreichische Nachrichten 13. Nov. 01

Dubioser Bernhard-Fund

Wie vom Meister selbst inszeniert: Als "Sensation" wurde ein eben im Handel aufgetauchtes Manuskript von Thomas Bernhard aus dem Jahr 1957 bezeichnet. Dem widersprach gestern Peter Fabjan, Mitverwalter des Nachlasses: Die handgeschriebenen 68 Seiten seien "schon seit Jahren bekannt". Ebenfalls vor "ein paar Jahren" sei der Stiftung mitgeteilt worden, "dass das Manuskript ursprünglich im Archiv des Salzburger Mozarteums verwahrt und von dort entwendet worden" sei. Hingegen meint Bibliotheksdirektor Werner Rainer, dass das "Manuskript niemals im Mozarteum-Archiv" gewesen sei. Rainer hält es für möglich, dass die Blätter, deren Wert mit rund 5,8 Millionen S beziffert wird, aus dem Nachlass von Bernhards Mozarteum-Lehrer Rudolf E. Leisner stammen.

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Logo : Kleine Zeitung 13. Nov. 01

Für 5,8 "Mille" zu erwerben

Bernhard-Text

Wien. - Ein mehr als vier Jahrzehnte altes Manuskript kann sehr viel Staub aufwirbeln. Wie nun ein kleines, handgeschriebenens "Regiebuch" von Thomas Bernhard. 1957 fügte Bernhard, damals noch Student am Salzburger Mozarteum, einem Buch mit dem Theatertext zu Thomas Wolfes Stück "Herrenhaus" handschriftlich 68 Seiten hinzu - auf zusätzlich dazugebundenen Blättern.

Bernhard hatte das Stück kurz zuvor in einer Inszenierung von Gustaf Gründgens gesehen und fand diese grauenhaft. Seine Textbearbeitung schlummerte lange Jahre bei einem Salzburger Buchhändler, ehe zwei Antiquariate aus Wien und Graz - Inlibris und Wolfgang Friebes - Wind von der Sache bekamen und das "Regiebuch" vor rund sechs Monaten kauften.

Nach langen Recherchen und Klärung zahlreicher juridischer Fragen wird der Text nun zum Verkauf angeboten. Um 5,8 Millionen Schilling. Bis gestern Mittag gab es noch keinen Interessenten, wohl aber ein Statement des Bernhard-Nachlassverwalters Peter Fabjan. Die Existenz des Manuskriptes sei "schon seit Jahren bekannt und keine Sensation". Und: Einer Aufführung der gefundenen Stück-Bearbeitung werde die Bernhard-Stiftung nicht zustimmen.

 

Werner Krause

Logo : Donaukurier 13. Nov. 01

Entdeckt: Text von Bernhard

Salzburg/Wien Ein bisher unbekanntes Manuskript des österreichischen Schriftstellers Thomas Bernhard (1931-1989) ist in Österreich aufgetaucht. Die Handschrift von 1957 ist eine Bearbeitung von Thomas Wolfes Drama "Herrenhaus", wie die Wiener Tageszeitung "Der Standard" berichtete. Der junge Schriftsteller hatte sich leere Seiten in eine Rowohlt-Ausgabe des Stückes binden lassen und darauf eine Neufassung mit umfangreichen Anmerkungen und Skizzen geschrieben.

Bernhard selbst hat des öfteren auf dieses Manuskript hingewiesen, das jedoch weder zu Lebzeiten noch im Nachlass aufgetaucht war. Noch 1996 hatten Forscher vermutet, es handle sich um eine Erfindung des Autors. Zwei Antiquare aus Wien und Graz haben den Band nach eigenen Angaben vor einem halben Jahr aus dem Besitz eines Salzburger Buchhändlers erworben und sind nach eingehender Prüfung durch Gutachter an die Öffentlichkeit gegangen.

"Wir wollten warten, bis die Authentizität zu hundert Prozent sichergestellt ist", sagte Mitbesitzer Hugo Wetscherek vom Wiener Antiquariat Inlibris. Er gibt den Wert des Manuskripts mit 420 000 Euro (rund 821 500 Mark) an. Auch eine Uraufführung der Wolfe-Nachdichtung als originäres Bernhard-Stück wäre möglich, wenn sie den genauen Anweisungen und Skizzen folge.

 

(dpa)

Logo : ORF ON Kultur 13. Nov. 01

Manuskript von Bernhard wiederentdeckt

Von der Entdeckung eines bisher unbekannt gewesenen Manuskripts von Thomas Bernhard berichtet die Tageszeitung "Der Standard" in ihrer Montagausgabe. Demnach handelt es sich um eine Bearbeitung von Thomas Wolfes Stück "Herrenhaus" aus dem Jahr 1957. 68 Seiten davon hat Bernhard eigenhändig geschrieben, hieß es.

Für Peter Fabjan, Halbbruder des Dichters und Mitverwalter des Nachlasses, ist das keine Entdeckung: "Das war den unmittelbar Betroffenen, also mir und der Thomas-Bernhard-Privatstiftung, schon seit Jahren bekannt."

Bernhard hatte sich von einem Buchbinder weiße Blätter zwischen die gedruckte Rowohlt-Ausgabe des Dramas "Herrenhaus" binden lassen. Er füllte sie mit einem Vorwort, mit unzähligen Anweisungen, Korrekturen, Anmerkungen und 25 Skizzen: "Es gibt bessere Stücke, aber wenige, die ich leidenschaftlicher gelesen und gewürdigt hätte", schreibt Bernhard.

"Wirkliche Dichtung"

Diese Arbeit ist aber nicht bloß ein Regiebuch, sondern eine eigenständige Bearbeitung: Bernhard verlegte die Zeit der Handlung des 1922 entstandenen Südstaatendramas in die Jahre 1952/1953, "die Zeit des Krieges in Korea". Das Vorspiel aus der Kolonialepoche verlagerte er ins Jahr 1920, den Schluss in die Gegenwart.

Er sei zwar "gegen die 'Verlegung' jedweden Stückes", notiert Bernhard, "jedoch schien es mir nicht nur interessant, hier zu beweisen, daß man, wie man sagt 'wirkliche Dichtung' ohne weiteres um 200 Jahre verschieben kann. Das Negerproblem ist heute wiederum zu modern als daß ich es in den Fordergrund (sic!) setzen möchte. Das eigentliche 'Problem' des Spiels dauert meiner Ansicht nach über etliche Jahrhunderte."

"Scheußliche Form"

Das Manuskript ist eine wirkliche Rarität, heißt es in dem Bericht. Hat doch Bernhard in der Regel mit der Maschine geschrieben - was in diesem Falle nicht möglich war. Und so bittet der Student im Vorwort, "die scheußliche Form" zu entschuldigen, "doch bin ich außerstande, zu denken und schön zu schreiben".

Von einem Salzburger Buchhändler, der die Aufregungen, die dieser Fund mit sich bringen wird, scheut, erwarben die Antiquariate Wolfgang Friebes (Graz) und Inlibris (Wien) gemeinsam das Regiebuch. Sie bieten es nun zum Verkauf an: Laut einem Gutachten dürfte der Wert bei 5,8 Millionen Schilling (421.502 Euro) liegen.

Manuskript "schon seit Jahren bekannt"

Eine "Sensation" ist das im Autographenhandel aufgetauchte Manuskript von Thomas Bernhard aus dem Jahre 1957, in dem Bernhard auf 68 handgeschriebenen Seiten Thomas Wolfes "Herrenhaus" bearbeitet, für Peter Fabjan, Halbbruder des Dichters und Mitverwalter des Nachlasses, nicht: "Das war den unmittelbar Betroffenen, also mir und der Thomas-Bernhard-Privatstiftung, schon seit Jahren bekannt", meinte er im Gespräch mit der APA.

Fabjan und die Bernhard-Privatstiftung haben "schon vor Jahren versucht", den rechtlichen Anspruch an dem Manuskript zu klären. Jedoch seien die Bemühungen, "diesen weiteren Weg in den Handel zu verhindern", vergeblich gewesen. Vor "ein paar Jahren" sei Fabjan und der Bernhard-Stiftung "zu unserer Verblüffung mitgeteilt worden, dass das Manuskript ursprünglich im Archiv des Salzburger Mozarteums verwahrt und von dort entwendet" worden sei, so Fabjan.

Mozarteum verneint

Mozarteum-Bibliotheksdirektor Werner Rainer meinte dagegen auf Nachfrage der APA, dass das "Manuskript niemals im Mozarteum-Archiv" gewesen sei: "Daran ist kein Wort wahr". Wenn Fabjan das behaupte, dann "liegt das vielleicht in der Familie. Da wurde ja fest gedichtet", so Rainer. Er würde sich freuen, "wenn wir so etwas gehabt hätten".

Rainer hielt es jedoch für möglich, dass das Manuskript aus dem Nachlass von Bernhards Mozarteum-Lehrer Rudolf E. Leisner stammt. "Da könnte es vermutlich irgendein Manuskript gegeben haben. Aber da hat es sich ein anderer rausgeklaubt".

Teures Manuskript

Fabjan und die Stiftung hätten "unmittelbar nach dem Geschehen" versucht, das Manuskript zurückzubekommen, bevor es in den Handel gebracht wurde. Das sei jedoch "abgeblockt oder nicht in unserem Sinne verfolgt" worden, so Fabjan. "Man machte uns die traurige Mitteilung, dass, wenn das einmal im Autographenhandel ist, die Chancen, es jemals zu bekommen, gleich null" sind.

"Eigentlich wäre es die Aufgabe des Thomas-Bernhard-Archivs, solche Sachen im Original zu erwerben - oder zumindest in Kopie. Diese Mittel für das Original (der Wert wird im "Standard" auf 5,8 Millionen S beziffert, Anm.) haben wir jedoch nicht, und wenn das Manuskript in privater Hand ist, gibt es auch kaum eine Chance für eine Kopie". Fabjan sah darin "vielleicht die private Hand oder sogar die Republik - insbesondere die Nationalbibliothek" gefordert, dem Archiv entsprechende Mittel zur Komplettierung des Bestandes zu geben. Das Archiv wird am Freitag mit einer Lesung von Bruno Ganz (19 Uhr im Kongresshaus) und am Samstag (11 Uhr) mit dem offiziellen Festakt eröffnet.

Aufführung verboten

Einer etwaigen Aufführung der Bernhard'schen Version des Stücks könne und werde die Stiftung "nicht zustimmen". Fabjan bezog sich auf den Passus in Bernhards Testament, nach dem "alles bisher Unveröffentlichte nicht veröffentlicht werden darf".

Logo : Salzburger Nachrichten 13. Nov. 01

Die lang bekannte "Sensation"

Ein Thomas-Bernhard-Manuskript-Fund ist eigentlich gar nicht so neu

WIEN (SN, APA). Eine "Sensation" ist das im Autographenhandel aufgetauchte Manuskript von Thomas Bernhard aus dem Jahre 1957, in dem Bernhard auf 68 handgeschriebenen Seiten Thomas Wolfes "Herrenhaus" bearbeitet, für Peter Fabjan, Halbbruder des Dichters und Mitverwalter des Nachlasses, nicht: "Das war den unmittelbar Betroffenen, also mir und der Thomas-Bernhard-Privatstiftung, schon seit Jahren bekannt", meinte Fabjan im APA-Gespräch.

Fabjan und die Bernhard-Privatstiftung haben "schon vor Jahren versucht", den rechtlichen Anspruch an dem Manuskript zu klä-ren. Jedoch seien die Bemühungen, den "weiteren Weg in den Handel zu verhindern", vergeblich gewesen. Vor "ein paar Jahren" sei Fabjan und der Bernhard-Stiftung "zu unserer Verblüffung mitgeteilt worden, dass das Manuskript ursprünglich im Archiv des Salzburger Mozarteums verwahrt und von dort entwendet" worden sei.

Mozarteum-Bibliotheksdirektor Werner Rainer meinte dazu, dass das "Manuskript niemals im Mozarteum-Archiv" gewesen sei: "Daran ist kein Wort wahr." Er, Rainer, würde sich freuen, "wenn wir so etwas gehabt hätten". Rainer hielt es jedoch für möglich, dass das Manuskript aus dem Nachlass von Bernhards Mozarteum-Lehrer Rudolf E. Leisner stammt.

Fabjan und die Stiftung hätten versucht, das Manuskript zurückzubekommen, bevor es in den Handel gebracht wurde. Das sei jedoch "abgeblockt oder nicht in unserem Sinne verfolgt" worden, so Fabjan. "Eigentlich wäre es die Aufgabe des Thomas-Bernhard-Archivs, solche Sachen im Original zu erwerben - oder zumindest in Kopie." Die Mittel für das Original (der Wert wird im "Standard" auf 5,8 Mill. S beziffert) "haben wir jedoch nicht, und wenn das Manuskript in privater Hand ist, gibt es auch kaum eine Chance für eine Kopie". Fabjan sieht deshalb beispielsweise die Republik, "insbesondere die Nationalbibliothek", gefordert, dem Archiv entsprechende Mittel zur Komplettierung des Bestandes zu geben.

Einer Aufführung der Bernhard-Version des Stücks könne und werde die Stiftung "nicht zustimmen". Bernhards Testament sagt, dass "alles bisher Unveröffentlichte nicht veröffentlicht werden darf".

Logo :  Der Standard 13. Nov. 01

Keine Uraufführung

Bernhard-Regiebuch wurde nicht entwendet

 Wien - Einer etwaigen Aufführung der "Herrenhaus"-Bearbeitung von Thomas Bernhard - das Manuskript wird, wie der "Standard" berichtete, nun zum Kauf angeboten - könne und werde die Bernhard-Stiftung "nicht zustimmen". Dies erklärte Peter Fabjan, Halbbruder des Dichters und Mitverwalter des Nachlasses, gegenüber der APA. Er bezog sich auf einen Passus in Bernhards Testament, nach dem "alles bisher Unveröffentlichte nicht veröffentlicht werden darf".

Dichtung und Wahrheit

Fabjan behauptet zudem, das Regiebuch sei aus dem Archiv des Salzburger Mozarteums entwendet worden. Das stimmt aber nicht, wie auch Werner Rainer, dem Leiter der Mozarteumsbibliothek, bestätigt: "Daran ist kein Wort wahr." Wenn Fabjan dies behaupte, dann "liegt das vielleicht in der Familie. Da wurde ja fest gedichtet", so Rainer. Er würde sich freuen, "wenn wir so etwas gehabt hätten".

Bernhard dürfte das Regiebuch seinem Lehrer Rudolf Leisner übergeben haben. Vor einigen Jahren gelangte es in den Handel, was aber damals nicht publik wurde.

Logo : Frankfurter Allgemeine Zeitung 13. Nov. 01

Herrenhaus, anders

[Aus Urheberrechtsgründen verweisen wir auf <http://fazarchiv.faz.net>.]

dpa

Logo : Badische Zeitung 13. Nov. 01

Unbekanntes Manuskript von Thomas Bernhard

Ein unbekanntes Manuskript von Thomas Bernhard ist in Österreich aufgetaucht. Die Handschrift aus dem Jahr 1957 ist eine Bearbeitung von Thomas Wolfes Drama „Herrenhaus" (1922). Der junge Autor hatte sich leere Seiten in eine Rowohlt-Ausgabe des Stückes binden lassen und darauf eine Neufassung mit Anmerkungen geschrieben. Zwei Antiquare aus Graz und Wien haben das auf um die 800 000 Mark geschätzte Manuskript vor sechs Monaten von einem Salzburger Buchhändler erworben. Bernhards Bearbeitung verlegt die Handlung vom amerikanischen Bürgerkrieg in den Koreakrieg.

dpa

Logo : Berliner Zeitung 13. Nov. 01

Unbekanntes Manuskript von Bernhard aufgetaucht

Ein unveröffentlichtes Theaterstück Thomas Bernhards ist in Salzburg aufgetaucht. Bei dem Manuskript aus dem Jahr 1957 handelt es sich um eine Bearbeitung von Thomas Wolfes "Herrenhaus", dessen Handlung Bernhard aus der Ära des amerikanischen Bürgerkriegs in die Zeit des Koreakriegs verlegte.

AFP

Logo : Die Welt 13. Nov. 01

Bernhards Anweisungen zu Wolfe

Regiebuch aufgetaucht

Wien - Im österreichischen Antiquariatshandel ist ein kostbarer Thomas-Bernhard-Fund aufgetaucht. Das berichtet die Wiener Zeitung "Der Standard". Es handelt sich um Bernhards Regiebuch zu Thomas Wolfes Tragödie "Herrenhaus". Bernhard hatte dieses Regiebuch 1957 während seines Studiums am Salzburger Mozarteum angefertigt. Student Bernhard ließ sich vom Buchbinder in sein Exemplar des Stücks leere Seiten binden. Diese Seiten versah er mit unzähligen handschriftlichen Korrekturen, Ergänzungen und 25 Skizzen. Thomas Bernhard hat aber den Stoff auch bearbeitet - er verlegte die Handlung aus der Epoche des amerikanischen Bürgerkriegs in die Zeit des Koreakriegs. Das Manuskript wird auf umgerechnet 830.000 Mark geschätzt.

u[lrich] we[inzierl]

Logo : Neue Zürcher Zeitung 13. Nov. 01

Bernhards Leidenschaft

Frühes Manuskript gefunden

Ein früher handschriftlicher Text Thomas Benhards ist bei einem Salzburger Buchhändler entdeckt worden. Das berichtet die österreichische Tageszeitung «Der Standard». Es handelt sich dabei um die 68 Seiten starke Bearbeitung eines Stückes von Thomas Wolfe mit dem Titel «Herrenhaus». «Es gibt bessere Stücke, aber wenige, die ich leidenschaftlicher gelesen und gewürdigt hätte», schreibt Bernhard 1957 als Student des Salzburger Mozarteums. Die Handlung des 1922 entstandenen Südstaatendramas verlegt der selbstbewusste Autor in den Korea-Krieg. Das «Negerproblem» will Bernhard «nicht so sehr in den Vordergrund» rücken. Das Manuskript, zwischen Wolfes Dramentext gebunden, ist in grober Bleistiftschrift niedergeschrieben. Für die «scheussliche Form» entschuldigt sich Bernhard: «Ich bin ausserstande, zu denken und schön zu schreiben.» Der Wert des Manuskripts wird auf etwa 620 000 Franken geschätzt.

Jdl.

Logo : Berliner Morgenpost 13. Nov. 01

Bernhard-Manuskript entdeckt

dpa Salzburg/Wien - Ein bisher unbekanntes Manuskript des österreichischen Schriftstellers Thomas Bernhard (1931 - 1989) ist in Österreich aufgetaucht. Die Handschrift von 1957 ist eine Bearbeitung von Thomas Wolfes Drama «Herrenhaus».

dpa

Logo : Algemeen Nederlands Persbureau 12. Nov. 01

Manuscript van schrijver Thomas Bernhard gevonden

In Oostenrijk is een onbekend manuscript van de in 1989 gestorven schrijver Thomas Bernhard gevonden. Het betreft een bewerking van het drama Mannerhouse van de in 1938 jonggestorven Amerikaan Thomas Clayton Wolfe, schrijft de krant Der Standard maandag.

Bernhard liet in 1957, toen hij 26 jaar was, lege pagina's inbinden in een uitgave van het toneelstuk en maakte daarop talrijke notities. Sommige delen van het drama werden geheel herschreven. De schrijver heeft meer dan eens naar het manuscript verwezen, maar het werd niet in zijn nalatenschap aangetroffen. Nog in 1996 spraken onderzoekers het vermoeden uit dat het om een verzinsel van Bernhard ging.

Diepgaand onderzoek

Eigenaren van twee antiquariaten in Wenen en Graz zeggen dat zij het manuscript een half jaar geleden uit het bezit van een boekhandelaar in Salzburg hebben verworven. Zij zijn na een diepgaand onderzoek van het manuscript in de openbaarheid getreden.

Hugo Wetscherek van het antiquariaat Inlibris in Wenen schat de waarde van het stuk op 420.000 euro (924.000 gulden). Op 68 met potlood geschreven bladzijden verlegt Bernhard de handeling van de Amerikaanse Burgeroorlog naar de Koreaanse Oorlog. "Er zijn betere toneelstukken, maar er zijn er maar enkele die ik met meer hartstocht heb gelezen en gewaardeerd'', citeert de Oostenrijkse krant uit de notities van Bernhard.

De Oostenrijkse schrijver, die leefde van 1931 tot 1989, heeft vooral bekendheid gekregen door zijn niets ontziende kritiek op Oostenrijk. Hij raakte daardoor herhaaldelijk in schandalen en processen verwikkeld. In zijn testament bepaalde hij dat zijn toneelstukken nooit meer in Oostenrijk zouden mogen opgevoerd.

Logo :  Literaturhaus Wien 12. Nov. 01

Ein Thomas Bernhard-Fund und seine Folgen

Ein bisher unbekanntes Manuskript von Thomas Bernhard wurde entdeckt, berichtet der "Standard" (12.11.01). Es handelt es sich um eine Bearbeitung von Thomas Wolfes Stück "Herrenhaus" aus dem Jahr 1957 mit 68 Seiten von Bernhard handgeschrieben. Für Peter Fabjan, Halbbruder des Dichters und Mitverwalter des Nachlasses, so die APA, ist dies allerdings keine Entdeckung: "Das war den unmittelbar Betroffenen, also mir und der Thomas-Bernhard-Privatstiftung, schon seit Jahren bekannt." Bernhard hatte sich von einem Buchbinder weiße Blätter zwischen die gedruckte Rowohlt-Ausgabe des Dramas "Herrenhaus" binden lassen. Er füllte sie mit einem Vorwort, mit unzähligen Anweisungen, Korrekturen, Anmerkungen und 25 Skizzen: "Es gibt bessere Stücke, aber wenige, die ich leidenschaftlicher gelesen und gewürdigt hätte", so Bernhard.

Daß es sich allerdings um mehr als ein Regiebuch, das man während des Studiums verfaßt, handelt, zeigen die Änderungen gegenüber dem Vorbild. Wie Trenkler im "Standard" ausführt, verlegte Bernhard die Zeit der Handlung des 1922 entstandenen Südstaatendramas in die Jahre 1952/1953, "die Zeit des Krieges in Korea". Das Vorspiel aus der Kolonialepoche verlagerte er ins Jahr 1920, den Schluß in die Gegenwart, in "eine Zeit, vielleicht schon morgen": "In völligem Schweigen entwickelt sich rückwärts auf einem Projektionstuch ein mächtiger, sich über die Bühnenhöhe ausbreitender Atom-Pilz", so die Szenenanweisung Bernhards.

Gefunden hat das Buch ein Salzburger Buchhänder, der allerdings die Aufregungen, die dieser Fund mit sich bringen wird, scheut, und so erwarben die Antiquariate Wolfgang Friebes (Graz) und Inlibris (Wien) gemeinsam das Regiebuch. Sie bieten es nun zum Verkauf an: Laut einem Gutachten dürfte der Wert bei 5,8 Millionen Schilling liegen.

Der "Standard" spricht von einer "Sensation", was Fabjan im Gespräch mit der APA nicht so sieht. Er und die Bernhard-Privatstiftung haben "schon vor Jahren versucht", den rechtlichen Anspruch an dem Manuskript zu klären. Jedoch seien die Bemühungen, "diesen weiteren Weg in den Handel zu verhindern", vergeblich gewesen. Vor "ein paar Jahren" sei Fabjan und der Bernhard-Stiftung "zu unserer Verblüffung mitgeteilt worden, dass das Manuskript ursprünglich im Archiv des Salzburger Mozarteums verwahrt und von dort entwendet" worden sei, so Fabjan. Mozarteum-Bibliotheksdirektor Werner Rainer meinte dagegen auf Nachfrage der APA, daß das "Manuskript niemals im Mozarteum-Archiv" gewesen sei: "Daran ist kein Wort wahr". Wenn Fabjan das behaupte, dann "liegt das vielleicht in der Familie. Da wurde ja fest gedichtet", so Rainer. Er würde sich freuen, "wenn wir so etwas gehabt hätten". Rainer hielt es jedoch für möglich, daß das Manuskript aus dem Nachlaß von Bernhards Mozarteum-Lehrer Rudolf E. Leisner stammt. "Da könnte es vermutlich irgendein Manuskript gegeben haben. Aber da hat es sich ein anderer rausgeklaubt".

Fabjan und die Stiftung hätten "unmittelbar nach dem Geschehen" versucht, das Manuskript zurückzubekommen, bevor es in den Handel gebracht wurde. Das sei jedoch "abgeblockt oder nicht in unserem Sinne verfolgt" worden, so Fabjan. "Man machte uns die traurige Mitteilung, dass, wenn das einmal im Autographenhandel ist, die Chancen, es jemals zu bekommen, gleich null" sind. Einer etwaigen Aufführung der Bernhard'schen Version des Stücks könne und werde die Stiftung "nicht zustimmen". Fabjan bezog sich auf den Passus in Bernhards Testament, nach dem "alles bisher Unveröffentlichte nicht veröffentlicht werden darf".

Logo : Kleine Zeitung 12. Nov. 01

Fund

Aktuell

 Von der Entdeckung eines bisher unbekannt gewesenen Manuskripts von Thomas Bernhard berichtet "Der Standard". Dabei soll es sich um eine handschriftliche Bearbeitung von Thomas Wolfes Stück "Herrenhaus" handeln, die Bernhard durch eigens dazugebundene Seiten in der gedruckten Ausgabe des Dramas vornahm. Dieses "Regiebuch" wird nun von einem Grazer und einem Wiener Antiquariat zum Verkauf angeboten.

Logo : Neues Volksblatt 12. Nov. 01

Regiebuch von Th. Bernhard entdeckt

Ein unbekanntes Manuskript von Thomas Bernhard soll laut „Standard" ein Salzburger Buchhändler entdeckt haben: 68 Blätter, die sich der in Ohlsdorf lebende und verstorbene Dichter zwischen die Seiten der Rowohlt-Ausgabe von Thomas Wolfes Drama „Herrenhaus" binden ließ: Diese beschrieb er mit einem Vorwort, unzähligen Anweisungen, Korrekturen, Anmerkungen und 25 Skizzen: „Es gibt bessere Stücke, aber wenige, die ich leidenschaftlicher gelesen und gewürdigt hätte", schreibt er dazu. Die Arbeit ist für den „Standard" aber kein bloßes Regiebuch, sondern eine eigenständige Bearbeitung: Bernhard verlegte die Handlung des 1922 entstandenen Südstaatendramas in die Zeit des Koreakriegs 1952/1953, das Vorspiel aus der Kolonialepoche ins Jahr 1920, den Schluss in die Gegenwart. Er sei zwar „gegen die Verlegung jedweden Stückes", notierte er, „jedoch schien es mir interessant, zu beweisen, daß man ,wirkliche Dichtung' ohne weiteres um 200 Jahre verschieben kann. Das Negerproblem ist heute wiederum zu modern, als daß ich es in den Vordergrund setzen möchte." Die Antiquariate Wolfgang Friebes (Graz) und Inlibris (Wien), die das Buch erwarben, bieten es nun zum Verkauf an (Wert rund 5,8 Millionen S oder 421.502 €). In der Villa Stonborough-Wittgenstein in Gmunden wird diesen Freitag ein großes Thomas-Bernhard-Archiv eröffnet.

Logo :  U-Express 12. Nov. 01

Neues von Thomas Bernhard

Literarische Entdeckung

Ein unbekanntes Manuskript von Schriftsteller Thomas Bernhard wurde entdeckt. Es handelt sich um eine Bearbeitung von Thomas Wolfes Stück "Herrenhaus" aus dem Jahr 1967. Die Rarität bieten die Antiquariate Wolfgang Friebes und Inlibris um 5,8 Millionen S zum Verkauf an.

Logo : ORF.at 12. Nov. 01

Unbekanntes Manuskript von Bernhard entdeckt

Von der Entdeckung eines bisher unbekannt gewesenen Manuskripts von Thomas Bernhard berichtet die Tageszeitung "Der Standard" in ihrer heutigen Ausgabe.

Demnach handelt es sich um eine Bearbeitung von Thomas Wolfes Stück "Herrenhaus" aus dem Jahr 1967. 68 Seiten davon hat Bernhard eigenhändig geschrieben, hieß es.

"Leidenschaftlich gelesen"

Bernhard hatte sich von einem Buchbinder weiße Blätter zwischen die gedruckte Rowohlt-Ausgabe des Dramas binden lassen. Er füllte sie mit einem Vorwort, mit unzähligen Anweisungen, Korrekturen, Anmerkungen und 25 Skizzen: "Es gibt bessere Stücke, aber wenige, die ich leidenschaftlicher gelesen und gewürdigt hätte", schreibt Bernhard.

Stück verlegt

Diese Arbeit ist dem "Standard" zufolge aber nicht bloß ein Regiebuch, sondern eine eigenständige Bearbeitung: Bernhard verlegte die Zeit der Handlung des 1922 entstandenen Südstaatendramas in die Jahre 1952/1953, "die Zeit des Krieges in Korea".

Das Vorspiel aus der Kolonialepoche verlagerte er ins Jahr 1920, den Schluss in die Gegenwart.

Er sei zwar "gegen die 'Verlegung' jedweden Stückes", notiert Bernhard, "jedoch schien es mir nicht nur interessant, hier zu beweisen, daß man, wie man sagt 'wirkliche Dichtung' ohne weiteres um 200 Jahre verschieben kann. Das Negerproblem ist heute wiederum zu modern als daß ich es in den Fordergrund (sic!) setzen möchte. Das eigentliche 'Problem' des Spiels dauert meiner Ansicht nach über etliche Jahrhunderte."

"Wirkliche Rarität"

Das Manuskript ist eine wirkliche Rarität, heißt es in dem Bericht. Hat doch Bernhard in der Regel mit der Maschine geschrieben - was in diesem Falle nicht möglich war. Und so bittet der Student im Vorwort, "die scheußliche Form" zu entschuldigen, "doch bin ich außerstande, zu denken und schön zu schreiben".

Auf 5,8 Mio. S geschätzt

Von einem Salzburger Buchhändler, der die Aufregungen, die dieser Fund mit sich bringen wird, scheut, erwarben die Antiquariate Wolfgang Friebes (Graz) und Inlibris (Wien) gemeinsam das Regiebuch. Sie bieten es nun zum Verkauf an: Laut einem Gutachten dürfte der Wert bei 5,8 Millionen Schilling (421.502 Euro) liegen.

Logo : Kurier 12. Nov. 01

Unbekanntes Bernhard-Manuskript entdeckt

Wien - "Es gibt bessere Stücke, aber wenige, die ich leidenschaftlicher gelesen und gewürdigt hätte". Von der Entdeckung eines bisher unbekannt gewesenen Manuskripts von Thomas Bernhard berichtet die Tageszeitung "Der Standard" in ihrer Montagausgabe. Demnach handelt es sich um eine Bearbeitung von Thomas Wolfes Stück "Herrenhaus" aus dem Jahr 1957. 68 Seiten davon hat Bernhard eigenhändig geschrieben, heißt es.

Bernhard hatte sich von einem Buchbinder weiße Blätter zwischen die gedruckte Rowohlt-Ausgabe des Dramas binden lassen. Er füllte sie mit einem Vorwort, mit unzähligen Anweisungen, Korrekturen, Anmerkungen und 25 Skizzen: "Es gibt bessere Stücke, aber wenige, die ich leidenschaftlicher gelesen und gewürdigt hätte", schreibt Bernhard.

Eigenständige Bearbeitung

Diese Arbeit ist dem "Standard" zufolge aber nicht bloß ein Regiebuch, sondern eine eigenständige Bearbeitung: Bernhard verlegte die Zeit der Handlung des 1922 entstandenen Südstaatendramas in die Jahre 1952/1953, "die Zeit des Krieges in Korea". Das Vorspiel aus der Kolonialepoche verlagerte er ins Jahr 1920, den Schluss in die Gegenwart.

'Wirkliche Dichtung'

Er sei zwar "gegen die 'Verlegung' jedweden Stückes", notiert Bernhard, "jedoch schien es mir nicht nur interessant, hier zu beweisen, dass man, wie man sagt 'wirkliche Dichtung' ohne weiteres um 200 Jahre verschieben kann. Das Negerproblem ist heute wiederum zu modern als dass ich es in den Fordergrund (sic!) setzen möchte. Das eigentliche 'Problem' des Spiels dauert meiner Ansicht nach über etliche Jahrhunderte."

Der Wert

Das Manuskript ist eine wirkliche Rarität, heißt es in dem Bericht. Hat doch Bernhard in der Regel mit der Maschine geschrieben - was in diesem Falle nicht möglich war. Und so bittet der Student im Vorwort, "die scheußliche Form" zu entschuldigen, "doch bin ich außerstande, zu denken und schön zu schreiben". Von einem Salzburger Buchhändler, der die Aufregungen, die dieser Fund mit sich bringen wird, scheut, erwarben die Antiquariate Wolfgang Friebes (Graz) und Inlibris (Wien) gemeinsam das Regiebuch. Sie bieten es nun zum Verkauf an: Laut einem Gutachten dürfte der Wert bei 5,8 Millionen Schilling (421.502 Euro) liegen.

apa/-s/w-

Logo : ORF world wide text 12. Nov. 01

UNBEKANNTES BERNHARD-MANUSKRIPT

Topstory Kultur

Von der Entdeckung eines bisher unbekannt gewesenen Manuskripts von Thomas Bernhard berichtet heute "Der Standard".

Es handelt sich um eine Bearbeitung von Thomas Wolfes Stück "Herrenhaus" aus dem Jahr 1957. 68 Seiten davon hat Bernhard eigenhändig geschrieben, heißt es. Laut "Standard" ist es nicht nur ein Regiebuch, sondern eine eigenständige Bearbeitung. Das Werk wird von einem Antiquariat zum Verkauf angeboten. Der Wert liegt bei 5,8 Mio S.

Logo : Der Standard 12. Nov. 01

"Außerstande, zu denken und schön zu schreiben"

Ohne Zweifel eine Sensation: Ein bisher unbekanntes großes Manuskript von Thomas Bernhard. Es handelt sich um eine Bearbeitung von Thomas Wolfes Stück "Herrenhaus" von 1957 - mit 68 eigenhändig geschriebenen Seiten.

Wien/Graz - Auf der vierten Umschlagseite der Taschenbuchausgabe des Romans Frost, 1965 bei Knaur erschienen, ist eine eigenartige Biografie über Thomas Bernhard zu lesen: "Vier Jahre arbeitete er als Gerichtsberichterstatter, später als Bibliothekar an einem Kulturinstitut in London. Er studierte in Wien und Salzburg Musik und absolvierte 1957 mit einer vergleichenden Arbeit über Bertolt Brecht und Antonin Artaud seine Dramaturgie- und Regiestudien an der Akademie Mozarteum."

Das klingt zwar plausibel, aber weder hatte der Schriftsteller, der in den folgenden Jahren als Meister der Überzeichnung und Übertreibung bekannt werden sollte, in einer Bibliothek gearbeitet. Noch über Brecht und Artaud geschrieben: Eine Abschlussarbeit zu verfassen war zu jener Zeit, wie von Professoren und Rektoren des Mozarteums in der Vergangenheit mehrfach bestätigt wurde, zum Leidwesen der Bernhard-Forscher noch nicht üblich.

Der vielfach begabte Autor soll damals aber auch mehrere Regiebücher erstellt haben, unter anderem zum Herrenhaus von Thomas Wolfe, wie der Theaterkritiker Peter von Becker 1978 (Bei Bernhard. Eine Geschichte in fünfzehn Episoden) berichtet: Bernhard soll die Hamburger Inszenierung von Gustaf Gründgens von 1956 gesehen haben, der es "ruiniert" hätte, "ohne Zugang zu Poesie und Geist".

Doch auch für die Existenz dieses Regiebuchs ließ sich nie ein definitiver Beweis finden. Selbst Herta Leisner, die Witwe nach Rudolf Leisner, bei dem Bernhard am Mozarteum studiert hatte, konnte Louis Huguet, der 1996 eine detaillierte Chronologie über den Schriftsteller herausbrachte, nicht weiterhelfen.

Eine Fiktion also, wie so vieles? Mitnichten. Bernhard hatte sich von einem Buchbinder weiße Blätter zwischen die gedruckte Rowohlt-Ausgabe des Dramas binden lassen - man spricht von einem "durchschossenen Exemplar", wie es bei Regiebüchern Usus ist - und füllte sie mit einem Vorwort, mit unzähligen Anweisungen, Korrekturen, Anmerkungen und 25 Skizzen: "Es gibt bessere Stücke, aber wenige, die ich leidenschaftlicher gelesen und gewürdigt hätte", schreibt Bernhard.

Düsterer Schluss

Diese Arbeit, 68 mit Bleistift geschriebene Seiten, ist aber nicht bloß ein Regiebuch, sondern eine eigenständige Bearbeitung: Bernhard verlegte die Zeit der Handlung des 1922 entstandenen Südstaatendramas, das von Tschechows Kirschgarten inspiriert ist (es geht ebenfalls um den Niedergang eines Hauses), von den 60er-Jahren des 19. Jahrhunderts, in denen der US-Bürgerkrieg tobte, in die Jahre 1952/1953, "die Zeit des Krieges in Korea".

Das Vorspiel aus der Kolonialepoche verlagerte er ins Jahr 1920 - und den Schluss in die Gegenwart, in "eine Zeit, vielleicht schon morgen": "In völligem Schweigen entwickelt sich rückwärts auf einem Projektionstuch ein mächtiger, sich über die Bühnenhöhe ausbreitender Atom-Pilz."

Er sei zwar "gegen die 'Verlegung' jedweden Stückes", notiert Bernhard, "jedoch schien es mir nicht nur interessant, hier zu beweisen, daß man, wie man sagt 'wirkliche Dichtung' ohne weiteres um 200 Jahre verschieben kann. Das Negerproblem ist heute wiederum zu modern als daß ich es in den Fordergrund (sic!) setzen möchte. Das eigentliche 'Problem' des Spiels dauert meiner Ansicht nach über etliche Jahrhunderte."

Für den jungen Bernhard ist Thomas Wolfe (auch Autor des Romans Schau heimwärts, Engel, 1922), "kein Dramatiker, aber ein (der) bedeutendste Amerikaner, der sich (...) durch ,die Gewalt der Poesie' auszeichnet": Neben ihm würden "alle Move-Dramatiker wie Williams, Wilder, usw., die doch völlig poesielose Gaukler der modernen Literatur sind", verblassen.

Das Manuskript ist eine wirkliche Rarität. Hat doch Bernhard in der Regel mit der Maschine (seines Großvaters Johannes Freumbichler) geschrieben - was in diesem Falle nicht möglich war. Und so bittet der Student im Vorwort, "die scheußliche Form" zu entschuldigen, "doch bin ich außerstande, zu denken und schön zu schreiben".

Von einem Salzburger Buchhändler, der die Aufregungen, die dieser Fund mit sich bringen wird, scheut, erwarben die Antiquariate Wolfgang Friebes (Graz) und Inlibris (Wien) gemeinsam das Regiebuch. Sie bieten es nun zum Verkauf an: Laut einem Gutachten dürfte der Wert bei 5,8 Millionen Schilling liegen: "An der Echtheit der Handschrift Thomas Bernhards besteht nach eingehender Prüfung und Schriftvergleichen keinerlei Zweifel."

Eine Uraufführung des Stücks - exakt nach den Vorstellungen des Autors - ist realisierbar. Sofern die Bernhard-Stiftung zustimmt.

 

Thomas Trenkler

Logo : Kurier 11. Nov. 01

Bernhard-Text entdeckt

Eine bisher unbekannte Bearbeitung Thomas Bernhards von Thomas Wolfs Stück „Herrenhaus" ist in Salzburg aufgetaucht. Das berichtet der Standard in seiner Montagsausgabe. 68 von Bernhard eigenhändig geschriebene Seiten fanden sich in einer Rowohlt-Ausgabe des Werks. „Es gibt bessere Stücke, aber wenige, die ich leidenschaftlicher gelesen und gewürdigt hätte", schreibt Bernhard in seinem Vorwort. Zwei Antiquariate, Wolfgang Friebes (Graz) und Inlibris (Wien) bieten das Manuskript zum Verkauf an. Der Wert wird auf 5,8 Mio. S (421.502 €) geschätzt.

 

Logo : Salzburger Nachrichten 11. Nov. 01

Unbekanntes Manuskript von Thomas Bernhard entdeckt

Von der Entdeckung eines bisher unbekannt gewesenen Manuskripts von Thomas Bernhard berichtet die Tageszeitung "Der Standard" in ihrer Montagausgabe. Demnach handelt es sich um eine Bearbeitung von Thomas Wolfes Stück "Herrenhaus" aus dem Jahr 1967. 68 Seiten davon hat Bernhard eigenhändig geschrieben, hieß es.

 Bernhard hatte sich von einem Buchbinder weiße Blätter zwischen die gedruckte Rowohlt-Ausgabe des Dramas binden lassen. Er füllte sie mit einem Vorwort, mit unzähligen Anweisungen, Korrekturen, Anmerkungen und 25 Skizzen: "Es gibt bessere Stücke, aber wenige, die ich leidenschaftlicher gelesen und gewürdigt hätte", schreibt Bernhard.

Diese Arbeit ist dem "Standard" zufolge aber nicht bloß ein Regiebuch, sondern eine eigenständige Bearbeitung: Bernhard verlegte die Zeit der Handlung des 1922 entstandenen Südstaatendramas in die Jahre 1952/1953, "die Zeit des Krieges in Korea". Das Vorspiel aus der Kolonialepoche verlagerte er ins Jahr 1920, den Schluss in die Gegenwart.

Er sei zwar "gegen die 'Verlegung' jedweden Stückes", notiert Bernhard, "jedoch schien es mir nicht nur interessant, hier zu beweisen, daß man, wie man sagt 'wirkliche Dichtung' ohne weiteres um 200 Jahre verschieben kann."

Das Manuskript ist eine wirkliche Rarität, heißt es in dem Bericht. Hat doch Bernhard in der Regel mit der Maschine geschrieben - was in diesem Falle nicht möglich war. Von einem Salzburger Buchhändler, der die Aufregungen, die dieser Fund mit sich bringen wird, scheut, erwarben die Antiquariate Wolfgang Friebes (Graz) und Inlibris (Wien) gemeinsam das Regiebuch. Sie bieten es nun zum Verkauf an: Laut einem Gutachten dürfte der Wert bei 5,8 Millionen Schilling (421.502 Euro) liegen.

APA