INLIBRIS Gilhofer Nfg.

Bücher und Autographen
Neueingänge Sommer 2008

 

1 Ado von Vienne. Breviarium chronicorum ab origine mundi ad sua usque tempora, id est, ad regnum Ludovici Francoru[m] regis cognomento Simplicis, An. Domini 1353. Basel, (Peter Perna), 1568. 236 (falsch: 226), (36) SS. Mit Holzschnittdruckermarke am Titel und siebenzlg. figuraler Holzschnittinitiale. Spät. Pergamentband mit Bindebändern. 8vo.
  € 850
Erste Einzelausgabe der Weltchronik des Ado, im 9. Jh. Erzbischof von Vienne bei Lyon. "[Gehet] von der Schöpfung der Welt bis 874 [..., ist] aber von einer andern Hand bis 879 fortgesetzt worden. Es ist in den ältern Zeiten sehr kurz; die Geschichte der Fränkischen Könige der ersten Linie ist aus den Gestis regis Francorum entlehnet, in den neuern Nachrichten aber wirft man ihm viele Fehler vor" (Jöcher/A.). Erstmals 1522 in Paris separat gedruckt; nach einer weiteren Pariser Ausgabe von 1561 stellt die vorliegende, von Guillaume Morel besorgte die dritte Einzeledition dar. - Sehr sauberes, wohlerhaltenes Exemplar; am Titel Ausscheidestempel der Stadtbibliothek Douai.
  ¶ VD 16, A 286. Adams A 153. Jöcher/A. I, 229. Nicht bei BM-STC German.
 

In meine Auswahl

2 Antwerpen - Steuerrecht. Placcaet ende Ordinantie Onsheeren [!] des Conincx, ghemaect opt stuck vander Collectatie, van eenen hondersten penninck, vande roerende ende onroerende goeden, gheaccordeert byde Staten van herwaertsovere [...]. Antwerpen, Willem Silvius, 1578. (2), 6 SS. (A4). Mit Wappenholzschnitt (Antwerpen) am Titel. Mod. roter Halblederband mit goldgepr. Rückentitel. 4to.
  € 750
Sehr seltene niederländische Ausgabe dieses Erlasses über die Einhebung von Steuern auf bewegliche Güter und Immobilien. Am 21. November 1576 proklamiert und 1577 überarbeitet; im Gegensatz zum Brüsseler Erstdruck von 1576 in Bibliotheken praktisch nicht nachweisbar. Es erschien auch eine französische Ausgabe ("Edict et ordonnance du roy nostre sire sur le fait de la levée & collectation d'un centiesme denir des biens meubles & immeubles"; Brüssel 1576). - Sauberes, breitrandiges Exemplar mit unbeschnittenen Büttenrändern.
  ¶ Valkema Blouw 6084. OCLC 80825067 (ohne Standortnachweis). Vgl. Goldsmiths'-Kress 183.

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3 Aristoteles. Parva quae vocant naturalia [...]. Omnia in Latinum conversa, & antiquorum more explicata a Nicolao Leonico Thomaeo [...]. Paris, (Ludwig Blaubloom für) Simon de Colines, 1530. 3 Tle. in 1 Bd. (16), 373, (1) SS., 1 w. Bl. 126 SS., 1 w. Bl. 83, (7) SS. Mit 3 gleichen Verlegermarken an den Titeln, einigen Holzschnitt-Diagrammen und wenigen Textholzschnitten. Flexibler Pergamentband der Zeit. Bindebänder fehlen. Folio.
  € 2.500
Zweite Ausgabe dieser lateinischen Edition der "Parva naturalia", besorgt vom Humanisten Niccolò Leonico Tomeo (1446/57-1531). Der in Venedig geborene Grieche albanischer Abstammung, Schüler des Demetrios Chalkondylas in Florenz, lehrte seit 1497 in Padua Philosophie und soll als erster seinen Vorlesungen den griechischen Text des Aristoteles zugrundegelegt haben. Leonico versuchte unter dem Einfluß von Marsilius Ficino und Pico della Mirandola die platonische Ideenlehre mit der aristotelischen Psychologie zu verbinden. Den ihm angebotenen venezianischen Griechisch-Lehrstuhl (als Nachfolger von Giorgio Valla) schlug er aus, er wirkte jedoch als Mitarbeiter von Aldus Manutius. Die vorliegende Edition, eine seiner Hauptleistungen, erschien erstmals 1523 in Venedig bei Vitale. - Zu Beginn etwas gebräunt, am vorderen Innendeckel hs. Besitzvemerk des Francesco Sagramoro von Mailand.
  ¶ Adams A 1889. BM-STC French 28 (nennt nur 2 Tle.). IA 107.925. Hoffmann I, 328. Moreau 1976. Renouard 149. Durling 284 (nur Tle. I und II). Nicht bei Schreiber. Nicht bei Schmitt.
 

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Aus der Bibliothek Jean-Baptiste Colberts
4 Aristoteles / Simplicius. Simplicii peripatetici acutissimi commentaria in octo libros Aristotelis de physico auditu. Nunquam antea excusa. Lucillo Philaltheo interprete. Paris, (Jean Loys de Thielt für) Jean de Roigny, 1544. (6), 347 Bll. Mit großer Holzschnittdruckermarke (Szene in Druckwerkstatt) am Titel sowie einigen Schrotschnittinitialen und schematischen Textholzschnitten. Strukturgeprägter englischer Lederband kurz nach 1800 mit blindgepr. Deckelbordüre, goldgepr. rotem Rückenschildchen, Rückenvergoldung und goldgepr. Wappensupralibros an den Deckeln. Dreiseitiger gesprenkelter Farbschnitt. Stehkantenfileten; oxydierte Innenkantenvergoldung. Folio (220:319 mm).
  € 2.500
Zweite Ausgabe von Simplicius' Kommentar zur Aristotelischen "Physik", mit dem (in hübscher, großer Kursive gedruckten) lateinischen Text. Der Kommentar des Neuplatonikers Simplicius wurde um 540 n. Chr. abgefaßt. "Die Harmonisierung von Aristoteles mit Platon wird von Simplicius auf die Spitze getrieben: alle Unterschiede sind nur scheinbar" (Lex. der Alten Welt, 2802). Der Übersetzer Lucillo Maggi Filalteo (1510-78), ein Arzt aus Pavia, "commentirte auch über die Libros de coelo, und machte sich durch seinen Methodum recitandi curas, wie auch seine Consilia de morbis gravissimis bekannt" (Jöcher). - Stellenweise unbedeutend braunfleckig; Gelenke angeplatzt. Alt getilgter hs. Besitzvermerk des 16. Jhs. am Titel (Robert ...); später in der Bibliothek des französischen Finanzministers Jean-Baptiste Colbert (1625-83), der nach seinem Tode eine Bibliothek von nahezu 55.000 Büchern hinterließ (vgl. entspr. hs. Besitzvermerk am oberen Titelrand). Hernach in der Sammlung des englischen Diplomaten James Harris (seit 1800: 1st Earl of Malmesbury; 1746-1820) mit seinem Wappensupralibros an den Deckeln. Insgesamt ansprechendes Exemplar mit interessanter Provenienz in einem hübschen Privateinband eines englischen Adelshauses.
  ¶ Adams A 1898. Schweiger I, 289. Hoffmann III, 407. Ebert 21285. Mattaire III, 363. Jöcher III, 1510. Diese Ausgabe nicht bei BM-STC French, IA, Schmitt etc. Vgl. DSB XII, 442.
 

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5 [Baptista de Salis]. Rosella casuum. [Davor: Sixtus IV., Bulle "Etsi dominici gregis"]. Rom, Paganinus de Paganinis, 21. XII. 1499. (14), 479 [recte: 476] Bll. Gotische Type, zwei Spalten (Stichwortverzeichnis teils dreispaltig), 49 Zeilen. Durchgehend in rot rubriziert; am Textbeginn zwei rot eingemalte Lombarden. Blindgepr. Kalbslederband der Zeit über Holzdeckeln auf 4 Doppelbünden. Reste von Schließen. 8vo (108:152 mm).
  € 6.000
Noch frühe Ausgabe der 1489 erstgedruckten "Rosella casuum" (auch bekannt als "Summa rosella"), der zweiten Bearbeitung des Beichtiger-Manuales "Summa casuum conscientiae" (auch "Summa Baptistiniana", 1484) des Piemonteser Franziskaners Battista Trovamala (Baptista de Salis; um 1435-95). Solche Beicht-Handbücher lösten die früheren Poenitentiale des Hochmittelalters ab. In dieser erweiterten und revidierten Fassung werden die Gewissenserforschung vor der Beichte behandelt und Sonderfälle bei der Absolution erläutert. Wie praktisch allen Textausgaben ist auch hier die Bulle "Etsi dominici gregis" vorangestellt, in der Papst Sixtus IV. am 30. Dezember 1479 Vorschriften gegen den Missbrauch von Ablässen verkündete. - Am oberen Rand großenteils stark beschnitten (teilw. Verlust der Paginierung). Obere Ecke des Vorderdeckels bestoßen. Innendeckelbezüge entfernt; die erste Seite mit teils radierten alten Besitzeinträgen sowie Widmung von 1819. Wenige zeitgenössische Marginalien in brauner Tinte; die letzte (leere) Seite von derselben Hand dicht beschrieben; fehlender Text im unteren Fünftel des Blattes von zeitgenössischer Hand ergänzt. Der sehr schön erhaltene gotische Einband in rotbraunem Kalbsleder mit kassettierter Deckelaufteilung; die äußeren Rahmenfelder sind besetzt mit Rosettenstempeln, schwingende Blattstempeln, Adler und Spruchbändern ("ihus maria") sowie rhombischen Blütenstempeln. Das Mittelfeld von dreifacher Streicheisenlinie gerautet; darin ein Semé aus denselben rhombischen Blütenstempeln (halbe Gitterfelder am Rand mit kleineren Blatt- und Blütenstempeln). - Schöne Inkunabelausgabe des verbreiteten, noch im 16. Jahrhundert häufig gedruckten Handbuchs im zeitgenössischen Einband einer wohl französischen Klosterwerkstatt.
  ¶ Hain/Copinger 14186. GW 3326. Goff S 50. Walsh 2363. Sheppard 4274. Proctor 5178. BMC V 460. ISTC is00050000.
 

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6 Bauderon, Brice. Paraphrase sur la pharmacopoee, divisée en deux livres [...]. Lyon, Benoît Rigaud, 1588. 694, (24) SS. Mit Holzschnittvignette am Titel und einigen Holzschnittinitialen. Flexibler Pergamentband der Zeit auf 3 durchzogenen Bünden. Bindebänder fehlen. 12mo.
  € 800
Sehr seltene erste Ausgabe dieser Pharmakopöe; lt. OCLC nur ein einziges Exemplar nachweisbar (das von Durling verzeichnete in der National Library of Medicine). "Unknown to the usual authorities; only Joecher (I, 858) knows Brice Bauderon [ca. 1540-1623], Physician at Mâcon" (Duveen 52, zur Ausg. 1681). Auch Schelenz zitiert die Ausgabe 1630 als früheste. - Titel fleckig und mit kl. Läsur im Titelwortlaut; Papierausschnitt von entferntem Besitzvermerk alt (um 1900) hinterlegt. Erste Bll. mit größerem Braun- bzw. Wachsfleck und Wurmgang (etwas Textverlust).
  ¶ Durling 490. OCLC 14317685. Vgl. BM-STC French (Ausg. 1596). Vgl. Wellcome I, 717ff. (nur Ausgg. des 17. Jhs.). Nicht bei Adams.

In meine Auswahl

7 Beda Venerabilis. Homiliae [...] hyemales & quadragesimales de tempore ac de sanctis [...]. [Köln], Johann Gymnicus, 1534. (16), 351, (1) SS. [Beigebunden] II: Ders. Homiliae [...] aestivales de tempore & de sanctis. Köln, 1534. 403, (11) SS., l. w. Bl. [Beigebunden] III: Ders. Homiliae [...] in D. Pauli epistolas & alias veteris & novi testamenti lectionum [...]. Ebd., 1535. (24), 317, (1) SS. Mit zus. 3 (2 versch.) Druckermarken sowie 1 figuralen Titelbordüre in Holzschnitt. Blindgepr. Schweinslederband der Zeit über Holzdeckeln mit abgeschrägten Deckelkanten auf 3 Doppelbünden mit zeitgenöss. hs. Rückenschildchen und Schnitttitel. 2 intakte Schließen. 8vo.
  € 850
Sammelband mit den maßgeblichen deutschen Drucken der Homilienwerke Bedas, durchwegs in erster Ausgabe. - Der Heilige Beda (673-735), genannt "der Ehrwürdige", wirkte als Benediktinermönch im Kloster St. Paul in Jarrow. "Beda arbeitete fast auf dem ganzen Gebiet des damaligen Wissens. Das von ihm selbst aufgestellte Verzeichnis seiner Werke enthält Kommentare zu vielen biblischen Büchern, chronologische, historische und hagiographische Schriften, Gedichtsammlungen, Homilien und Briefe, Lehrbücher der Orthographie und Metrik, ein Kompendium der Erd- und Himmelskunde, auch Schriften aus dem Gebiet der Mathematik, Physik und Musik" (Bautz, BBKL I, 453f.). Sein Hauptwerk stellt seine Chronik der Kirche (und auch Politik) in England von Cäsars bis zu seinen eigenen Zeiten dar, die ihm den Ehrennamen "Vater der englischen Geschichtsschreibung" einbrachte. - Der hübsche, mit Blütenrollen verzierte Einband etwas berieben; untere Ecke des Vorderdeckels lädiert. Durchgehend etwas wurmspurig; Titel mit hs. Besitz- und Kaufvermerk "Sum M. Udalrici Freyhers ex [...] emptus ibidem decem batziis" sowie griechischem Glaubensspruch ("Meine Hoffnung ist Christus") und Datierung "1538".
  ¶ I: VD 16, B 1430 (Kollation der Vorstücke abweichend). II: VD 16, B 1431. III: VD 16, B 1434 (= A 4218). BNHCat B 187. Adams B 458. Durchwegs nicht bei BM-STC German.
 

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Aus der Bibliothek Heinrich von Rantzaus
8 Bèze, Theodore de. Tractatio de repudiis et divortiis: in qua pleraeque de causis matrimonialibus (quas vocant) incidentes controversiae ex verbo Dei deciduntur. Genf, Jean Crespin, 1569. 376, (16) SS. Mit Holzschnittdruckermarke am Titel. (Beigebunden) II: Ders. Tractatio de polygamia, et divortiis. Ebd., 1571. 334 SS., l. w. Bl. Mit Holzschnittdruckermarke am Titel. (Beigebunden) III: Porcellini, Francesco de. Tractatus apprime utilis, de duobus fratribus [...]. Basel, Eusebius Episcopus, (August) 1566. (16), 268, (4) SS. Mit Holzschnittdruckermarke am Titel und letzten Bl. verso. Blindgepr. Schweinslederband der Zeit auf 4 Doppelbünden über abgeschrägten Holzdeckeln. Schließen fehlen. 8vo.
  € 8.500
Schöner Sammelband mit drei seltenen Reformationsdrucken über ehe- und familienrechtliche Angelegenheiten, aus der gemeinschaftlichen ehelichen Bibliothek von Heinrich von Rantzau (Freund Tycho Brahes) und seiner Frau Christina von Halle mit deren persönlichen Plattenstempeln. - I: Erste Ausgabe der berühmten Abhandlung über Ehescheidung. Der Genfer Theologe Théodore de Bèze (1519-1605) war Calvins Mitstreiter und (seit 1564) Nachfolger als Oberhaupt der Reformierten Kirchen. - II: Bèzes ebenso berühmte Abhandlung über die Vielweiberei (EA 1568). Sehr seltene Titelvariante der 2. Ausgabe; mit letzterer kollationsgleich, aber mit unterschiedlicher Titelformulierung. - III: Erste Ausgabe der von Kaspar Herwagen aus einer älteren Handschrift herausgegebenen Abhandlung über die Erbstreitigkeiten unter Brüdern. - Am vorderen Spiegel (vom Innendeckel gelöst) eigenh. Kaufvermerk des Besitzers: "Hic liber Henrici est equitis cognomina Rantzov. Emit Chilonii, reversus ex Dania à Friderico II. cui adfuit Udalricus princeps Megalburgensis. Anno 1572" ("Dieses Buch gehört Heinrich von Rantzau. Er hat es in Kiel gekauft, zurückgekehrt aus Dänemark von Friedrich II., bei dem Ulrich Herzog von Mecklenburg dabei war, im Jahre 1572"). Der dänische Humanist und Diplomat Heinrich von Rantzau (1526-98), "der als Hausgenosse Luthers in Wittenberg studiert hatte und später als Statthalter von Schleswig-Holstein seinen Ruhm als Heerführer, Schriftsteller, Staatsmann noch durch den eines Bankiers und eines Bibliophilen zu erhöhen wünschte" (Bogeng III, 115), war als Gelehrter und Mäzen geachtet. Er trat als Finanzier und politischer Berater unter drei dänischen Königen auf (darunter der im Kaufvermerk erwähnte Friedrich II. [1534-88]) und wirkte als Bauherr, Schriftsteller und als Korrespondent bedeutender Gelehrter. Zu diesen Freunden zählte der genannte Ulrich Christoph Herzog zu Mecklenburg in Güstrow (1527-1603), ein universal gebildeter neuzeitlicher Fürst, der als Vermittler zwischen Friedrich II. von Dänemark und den Herzögen Johann und Adolf von Schleswig-Holstein tätig war. Eine weitere enge Freundschaft verband Rantzau mit dem königlich-dänischen Hofastronomen Tycho Brahe: als dieser bei König Christian IV. in Ungnade fiel (mit dem auch Rantzau uneins war), beherbergte ihn Rantzau ab Oktober 1597 über ein Jahr lang in seinem Haus in Wandsbek nahe Hamburg. Schon 1554 hatte Heinrich von Rantzau die aus dem Braunschweigischen stammende Christine von Halle (1533-1603) geheiratet. Ihre Mitgift von vier Tonnen Gold bildete die Grundlage für die späteren Kreditgeschäfte des Ehepaares. "In seinem herrlichen Schloss Breitenburg bei Itzehoe unterhielt [Rantzau] eine Bibliothek von etwa 6500 Bänden, die wegen der Erlesenheit ihrer Auswahl berühmt war" (Lex. d. ges. Buchw. [1937] III, 82). Die Bücher ließ er sich gerne mit den Wappensupralibros seines eigenen Hauses und seiner Frau in Schweinsleder binden - so auch hier, wo innerhalb einer schlichten umrahmenden Köpferolle der Vorderdeckel den Plattenstempel mit seinem Wappen ("Heinrich Rantzav | Stathalter ~~"), der Hinterdeckel hingegen ihren Plattenstempel trägt ("Christina * von * | + Halle * ~~"). Die Platten stammten aus Rantzaus eigener Kupfermühle und wurden nach seinen eigenen Angaben von bei ihm beschäftigten Graveuren angefertigt. "Als Wallenstein am 29. September 1627 das Schloss [Breitenburg] erstürmte, wurde auch die Bibliothek erbeutet. Der größte Teil gelangte nach Prag in das Professhaus der Jesuiten zu St. Nicolai, von da 1777 in das Clementinum. Weitere Teile scheinen nach Hamburg, einiges nach Kiel geraten, ein kleiner Rest wieder nach Breitenburg zurückgekehrt zu sein" (Lex. d. ges. Buchw.); "die Büchersammlung Rantzaus [wurde so] teils verschleudert, teils zerstört" (Bogeng). Die in skandinavischen, böhmischen und vereinzelt in deutschen Bibliotheken nachgewiesenen Rantzau-Bände stammen zum größten Teil aus der Kriegsbeute des Dreißigjährigen Kriegs; einige Bände hatte Rantzau jedoch bereits während seiner Amtszeit als Statthalter verschenkt. - Einband etwas berieben bzw. bestoßen (Vorderdeckel stärker). Erste Bll. mit unbedeutendem Wasserrand; erstes Titelblatt mit etwas späterem hs. Besitzvermerk "Steph. Wenc. Bayer", weiterem altem Besitzvermerk in braunem Buntstift sowie alten Stempelungen.
  ¶ I: Adams B 950. Gilmont (Crispin) 69/1. Gardy (de Bèze) 248. - II: Vgl. Gilmont 71/4 (Abb. Bd. II, 276). Gardy 242. Nicht bei Adams. - III: VD 16, P 4265. Zu den Plattenstempeln: Haebler II, 129. Goldschmidt 256.
 

In meine Auswahl

9 [Biblia hebraica-latina]. [Hamishah humshe Torah]. Hebraicus pentateuchus latinus planeque novus post omnes hactenus aeditiones evulgatus ac hebraicae veritati quoad eius fieri potuit, conformatus [...]. Venedig, Marco Antonio Giustiniani, 1551. CCVIII, 209-376, (2) Bll. Mit architektonischer Titelbordüre in Holzschnitt sowie großer Holzschnittdruckermarke am letzten Bl. verso. Englischer Lederband des frühen 17. Jahrhunderts mit mehrfachen blindgepr. Deckelfileten und Eckfleuronstempeln; restaurierter Rücken unter Verwendung des originalen, aufgezogenen Rückenbezugsleders mit goldgepr. rotem Rückenschildchen und hübscher floraler Rückenvergoldung. Dreiseitiger locker gesprenkelter Rotschnitt. 4to.
  € 2.500
Seltene, hübsch gedruckte Giustiniani-Ausgabe des Pentateuch in hebräisch-lateinischem Paralleltext; der Kommentar von Sebastian Münster jeweils am Kapitelende in Kursive gedruckt. "An edition of the Pentateuch and the Megilloth in Hebrew and Latin, with Latin notes drawn from Rabbinical sources" (Darlow/M.). Giustiniani, seit 1545 in Venedig tätig, schickte sich an, den 1549 verstorbenen Daniel Bomberg in seiner Stellung als hervorragendster hebräischer Drucker der Stadt zu beerben. Dabei geriet er in Konkurrenz mit Alvise Bragadini; der erbitterte Streit der beiden führte zu einer Vorlage an Papst Julius III., der kurzerhand einen Bann aller hebräischen Bücher erließ und ungezählte Drucke verbrennen ließ. Erst zehn Jahre später sollte wieder in Venedig hebräisch gedruckt werden - eine Zwangspause, die Bragadini, nicht aber Giustinianis Presse überleben sollte. - Die vorliegende Ausgabe ist ein Werk von Giustinianis Meisterdrucker Cornelius Adelkind, vordem im Dienste Bombergs. Mit seinem Sohn Daniel arbeitete er für Giustiniani, bis dieser - ein gutes Jahr nach unserem Druck - seine Presse schließen mußte. - Titel und letztes Bl. etwas angestaubt, sonst sehr sauberes Exemplar. Am vorderen Innendeckel hs. Schenkungsvermerk (dat. 1832): "Presented to the Library of Kenyon College Ohio by Mr. Perry, Hillingdon, Middlesex". Am unteren Schnitt Bibliotheksstempel der 1931 gegründeten Ambrose Swasey Library an der Colgate Rochester Crozer Divinity School.
  ¶ Adams B 1269. BM-STC Italian 95. Darlow/Moule 5094. Amram 276. Edit 16, CNCE 5822.
 

In meine Auswahl

In einem zeitgenössischen Einband für Johannes von Paderborn
10 Biblia latina. Venedig, Franz Renner von Heilbronn, 1480. 470 Bll. Got. Type, 2 Spalten, 51 Zeilen. Die Eingangsseite mit breiter Bordüre aus Rankenwerk von Akanthusblättern, Erdbeeren und Vogel in Gold und Farben durch einen flämischen Künstler der Zeit illuminiert. Die Eingangsinitiale in Gold auf blauem und rosa Grund mit Deckweißhöhung. Durchgehend rubriziert und mit kleineren Lombardinitialen in rot und blau, zu Kapitelbeginn jeweils bis zu 20zeilige Lombarden mit Binnenzeichnung. Zeitgenöss. rotbrauner Lederband für Joannes von Westfalen, die Decken durch vierfache Blindlinien kassettiert, das Mittelfeld durch diagonale Streicheisenlinien in zwölf Felder geteilt, diese alternierend durch folgende Blindstempel gefüllt: Portrait des Johannes von Wesfalia, Basilisk sowie der unten aufgelöste Rebus-Stempel (Rabe, gefolgt von "ve" sowie einem Bogen mit Pfeil und vier Sternen). Kl. fünfzackige Sternenstempel jeweils an den Schnittpunkten der Streicheisenlinien. Kl.-Folio.
  € 35.000
Hervorragendes Exemplar von Renners Vulgata-Edition, zeitgenössisch gebunden und illuminiert im Auftrag eines der großen deutschen Buchhändler und Verleger des 15. Jahrhunderts. Johann von Paderborn oder auch J. de Westfalia studierte in Erfurt und Aachen, erlernte die Buchdruckerkunst in Italien, und ließ sich nach kurzer Tätigkeit in Straßburg und Alost (Ostflandern) in der Universitätsstadt Leuven nieder. Er gilt als erster Buchdrucker Belgiens, daneben betrieb er einen lebhaften Buchhandel. Der vorliegende Band gehört zu den wenigen noch erhaltenen, die nachweislich in seinem Auftrag hergestellt wurden. Goldschmidt kannte neben dem aus seiner eigenen Sammlung nur noch einen weiteren Einband, der - so wie unserer - als Signet das Portrait des Johannes von Paderborn trägt. Das Portrait des Humanisten als junger Mann mit Kappe und langem Haar findet sich auch im Impressum der von ihm gedruckten Werke; als blindgeprägtes Einbandmedaillon kennzeichnete es die für den Vertrieb durch ihn gebundenen Werke anderer Verleger. Einen weiteren, ebenfalls hier verwendeten Blindstempel des Einbandes interpretiert Goldschmidt als Rebus, dessen Auflösung zu "Ravescot", dem Namen des für Johannes von Paderborn tätigen Buchbindermeister führt. - Der Einbandrücken alt restauriert, Spiegel und Vorsätze jedoch erhalten. Die Decken stärker berieben und beschabt, die Schließenbeschläge entfernt. Kleines Wurmloch zu Beginn und gegen Ende (nur dort mit minimaler Textberührung); im ganzen schönes breitrandiges Exemplar, teils noch mit Temoins.
  ¶ Württ. Bibelslg. D 85. GW 4241. HC 3078. Goff B566. Zu Johannes de Westphalia vgl.: Goldschmidt I, 152-154 sowie II, Tafel XII u. C1 sowie Geldner I, 322 sowie 325-328.
 

In meine Auswahl

11 [Biblia latina - VT - Canticum canticorum.] Génébrard, Gilbert. Canticum canticorum Salomonis versibus et commentariis illustratum. Paris, Aegidius Gorbinus (Gilles Gourbin), 1585. (4), 188 (falsch: 170) Bll. (a4, A-Z8, Aa4). Mit Holzschnittdruckermarke am Titel und 2 figuralen Initialen in Holzschnitt. Flexibler Pergamentband der Zeit auf drei durchzogenen Bünden mit hs. Rückentitel. Reste von Bindebändern. 8vo.
  € 850
Zweite Ausgabe der Génébrard-Übersetzung (zuvor 1570 bei Martinus Juvenus erschienen), mit seinem ausführlichen Kommentar sowie den klassischen mittelalterlichen Kommentaren des Raschi sowie des Abraham ben Meïr Ibn Ezra. Genebrard (1537-97), ab 1591 Erzbischof von Aix, war einer der bedeutendsten Hebraisten seiner Zeit an der Sorbonne. - Paginierungsfehler: Bl. 10 gezählt als 2; 111 als 113, 113-187 als 115-189, 188 als 170. Einige griechische und zahlreiche hebräische Einsprengsel. - Papierbedingt etwas gebräunt; im Bug kl. Wurmgang (stellenweise auch etwas Buchstabenberührung). Titel mit hs. Besitzvermerk (dat. 1641). Selten; lt. OCLC nur 5 Exemplare in Amerika; seit 1950 international kein Exemplar im Handel nachgewiesen.
  ¶ Adams B 1576. BM-STC French 61. OCLC 19274982. Nicht bei Darlow/Moule. Nicht in der Württ. Bibelslg.
 

In meine Auswahl

12 Bizzarri, Pietro. Pannonicum bellum sub Maximiliano II. Rom. et Solimano Turcar. imperatoribus gestum. Cumque Arcis Sigethi expugnatione, iampridem magna cura & studio, descriptum [...]. Basel, Sebastian Henricpetri, (Februar 1573). (70) SS., 1 w. Bl., 322, (4) SS. Mit Holzschnittdruckermarke am letzten Bl. verso. Neuerer blindgepr. Lederband im Stil der Zeit. 8vo.
  € 2.500
Erste lateinische Ausgabe von Pietro Bizzarris "Historia della guerra fatta in Ungheria dall' intuitissimo imperatore dei Christiani contro quello deui Turchi" (Lyon, Roville, 1568/69). Enthält interessante Schilderungen der Türkenkriege in Ungarn 1564-68, ferner über die Belagerung von Malta, auch über Eroberungen der Franzosen in Florida und Kanada. "Hier lesen wir über Siebenbürgen: '... Caeterum paucae urbes, oppida vero complura, non obscuri nominis, in quibus Cibinium, Brassovia, Colosium, Bistricia, & plura alia a Germanis, quos nos Saxones appellamus, condita, & habita, nec rara passim, aedificia cernuntur. Eius solum variis in locis auriferos surculos, & glebulas aureas passim gignit ... Hanc duae cingunt Walachiae, Transalpina, & Moldavia, illa Danubio, haec mari Euxino admota' (S. 8). Wie aus [anderen] Zeilen ersichtlich ist, hat sich Bizari auch die Frage nach dem Sinn der Geschichte gestellt [...] Den zweiten Teil bildet ein buntes Konglomerat der verschiedensten Aufzeichnungen, die jedoch nicht ohne historischen Wert sind. Ein besonderes Interesse hatte Bizari an mehr oder weniger glaubwürdigen Berichten über Himmelserscheinungen" (Göllner). - Der italienische Historiker Pietro Bizzarri (1530-83) aus Sassoferrato "hielt sich einige Zeit in Franckreich und Engelland auf, stand 10 Jahr lang bey dem Churfürsten Augusto zu Sachsen in Diensten, und lebte meist zu Antwerpen" (Jöcher). - Teils minimal braunfleckig (Titel etwas stärker). Der Einband unter Verwendung alten Stempelmaterials mit einer Bordüre aus Fleuronstempeln (daraus zusammengesetzt ein ornamentales Geviert im Mittelfeld) blindgeprägt.
  ¶ VD 16, B 5658. Adams B 2087. BM-STC German 128. IA 119.707. Atabey 110. Göllner 1613. BNHCat B 665. Graesse I, 433. Brunet U, 935. Apponyi 455. Schottenloher 43.474. Vgl. Jöcher I, 1110. Nicht bei Blackmer.
 

In meine Auswahl

13 [Bock, Hieronymus. Kreüter Büch. Darinn underscheidt, Namen unnd Würckung der Kreutter, Stauden, Hecken unnd Beumen, sampt ihren Früchten, so inn Deütschen Landen wachsen (...)]. (Straßburg, Wendelin Rihel [d. Ä.], 1551). (13 [statt 20]), 397 (statt 424), (2 [statt 7]) Bll. Mit mehr als 500 kolorierten Holzschnitten. Blindgepr. Kalbslederband um 1650 auf 4 Bünden. Gr.-4to.
  € 3.500
Zweite illustrierte (insgesamt dritte) Ausgabe des berühmten, erstmals 1539 erschienenen Kräuterbuchs mit den bekannten, teils figürlich belebten Holzschnitten von David Kandel, die in der 2. Ausgabe von 1546 hinzukamen. Der lutherische Prediger H. Bock (1498-1554) studierte in Heidelberg Philosophie, Theologie und Medizin; 1522 wurde er Lehrer, Arzt und Alchemist bei Herzog Ludwig II. in Zweibrücken. 1532 erhielt er eine Stiftsherrenstelle am Hornbacher Fabianstift, betreute die Bevölkerung medizinisch und trieb auf ausgedehnten Wanderungen botanische Studien. 1550/51 legte er als Leibarzt des Grafen Philipp III. von Nassau-Saarbrücken einen Botanischen Garten an. Bock, der mit Otto Brunfels und Konrad Gesner im Austausch stand, war der Lehrer von Jakob Theodor, genannt Tabernaemontanus. - Durchgehend etwas braunfleckig. Es fehlen der Titel und die ersten 6 Bll. der Vorstücke sowie die letzten 27 Text- und die ersten 5 Registerblätter. Etwas knapp beschnitten (die Paginae und gedr. Marginalien teils angeschnitten). Das Verfasserportrait mit Papierdefekten (hinterlegt); mehrere Bll. mit größeren Einrissen (gelegentlich auch Ausrissen). Der hübsch blindgeprägte Einband (außen Wolkenbandrolle; darin Rankenrolle mit Blüten; das Mittelfeld mit dreifacher Streicheisenlinie gerautet) leicht berieben. - Die Holzschnitte durchwegs in hervorragendem Kolorit der Zeit.
  ¶ VD 16, B 6017. IA 120.590. BM-STC German 130. Graesse I, 458. Nissen (BBI) 182. Muller 414, 186. BNHCat B 711. Nicht bei Adams.

In meine Auswahl

14 Brenz, Johannes. In evangelii quod inscribitur secundum Lucam, duodecim priora capita, homiliae centum & decem. Schwäbisch Hall, Peter Braubach, (März) 1538. (4), 321 Bll., l. w. Bl. Mit Holzschnittdruckermarke am Titel. (Beigebunden) II: Ders. In acta apostolica homiliae centum viginti duae. Hagenau, Peter Braubach, (März) 1536. (10), 230 SS. Blindgepr. Schweinslederband der Zeit über Holzdeckeln mit abgeschrägten Deckelkanten auf 4 Doppelbünden. Hs. Schnittitel. Schließen fehlen. Folio.
  € 1.800
Jeweils zweite Ausgabe (jeweils erstmals im Vorjahr, ebenfalls bei Braubach, erschienen). Johannes Brenz (1494-1570), der wohl herausragendste Reformator Süddeutschlands, hatte bei Oecolampadius Griechisch studiert und in Heidelberg den Magistergrad erworben. Von Luther tief beeindruckt, schloß er sich früh diesem an und stand von 1522 bis 1548 der Gemeinde in Schwäbisch Hall vor, wo er behutsam die Reformation einführte. - I: Brenz' Predigten über das Lukas-Evangelium, mit Widmungsbrief an den brandenburgischen Juristen Georg Vogler. Ein zweiter, selbständiger Predigtenband sollte erst 1540 erscheinen. Früher Druck aus der Offizin Peter Br(a)ubachs, des Erstdruckers von Schwäbisch Hall, der erst 1536 aus Hagenau hierher übersiedelt war und bis 1544 druckte. Bemerkenswerterweise übernahm Braubach für einen Teil der Auflage acht Blätter aus der ersten Ausgabe, und zwar jeweils die Bll. 3-4 der Lagen i-m, die er anscheinend für die Vorgängerausgabe in zu großer Auflage gedruckt hatte. Da die erste Ausgabe ein kleineres Folioformat gehabt hatte, sind hier bei allen genannten Blättern die Temoins sichtbar. Der Text wurde für die 2. Ausgabe nicht verändert, sondern lediglich neu gesetzt, sodaß das Werk hier vollständig vorliegt. - Selten; nur 4 Ex. in deutschen Bibliotheken. - II: Die Predigten zur Apostelgeschichte. Diese Ausgabe enthält als erste Martin Luthers "Argumentum in librum actorum apostolorum" (nach dem Widmungsbrief an Johannes Schopper, Abt des Zisterzienserklosters im bayerischen Heilsbronn.). Eines der letzten von Braubach in Hagenau gedruckten Bücher. - Der hübsch mit Knospen- und Blütenstempeln sowie mit einer Portraitmedaillon- und sächsischen Wappenrolle blindgeprägte Einband zeigt an der unteren Ecke des Vorderdeckels die Spuren eines offenbar schon ins 16. oder 17. Jahrhunderts zurückreichenden Mißgeschicks: Eine umgefallene Kerze hat sich durch den Lederbezug in den Holzdeckel gebrannt; der Fleck vom geschmolzenen Wachs ist im w. Rand der ersten Lagen deutlich sichtbar. Mehrere alte Marginalien von verschiedenen Händen; am Titel hs. Besitzvermerke (darunter des Magdeburger Theologen Philipp Müller, dat. 1680) und kalligraph. Epigramm auf Luther. Am vorderen Innendeckel das gedr. Bibliotheksetikett der "Neander Library", der Sammlung des dt. Kirchenhistorikers Johann August Wilhelm Neander (1789-1850), die nach seinem Tode durch den amerikanischen Bankier Roswell S. Burrows (1798-1884) erworben wurde. Dieser schenkte Neanders Bibliothek der Rochester Theological Seminary in New York, wo sie als Separatbestand in der Institutsbibliothek aufgestellt wurde. - Insgesamt schönes, editionsgeschichtlich interessantes Exemplar.
  ¶ I: VD 16, B 7729. Köhler (Bibl. Brentiana) 98. BM-STC German 15. Nicht bei Adams. - II: VD 16, B 7686. IA 124.369. Köhler (Bibl. Brentiana) 82. Nicht bei Adams oder BM-STC German. Zu Braubach vgl. Benzing 413 und 172.

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15 Bullock, George. Oeconomia concordantiarum scripturae sacrae. Venedig, Melchior Sessas Erben (Giorgio Angelieri & Alessandro Griffio), 1585. 2 Bde. (68), 1024 SS. (8), 1401, (1) SS. Mit 2 (wdh.) Holzschnittdruckermarken an den Titeln und einer Holzschnittvignette am letzten Blatt verso der Vorstücke von Bd. 2. Halbpergamentbände um 1700. 4to.
  € 400
Dritte, posthume Ausgabe (zwei 1567 bzw. 1572 bei Plantin in Antwerpen gedruckte Ausgaben waren vorangegangen). Herausgegeben vom Augustiner Livio Legge, Buchrevisor der Inquisition. Der englische Katholik G. Bullock (um 1521-80), Theologieprofessor in Cambridge (und Rektor von St. John's College), wurde 1559 nach einer Visitation der Königin Elisabeth seiner Ämter enthoben, da er sich weigerte, den Eid nach der Suprematsakte zu leisten. Über die Bretagne und Belgien verließ er England (seine unterwegs erfolgte Ausraubung durch "häretische Piraten" wird in der Widmung vorliegenden Werks an Papst Gregor XIII. erzählt). Um 1567 zog er nach Antwerpen, wo er seine vielgebrauchte Bibelkonkordanz erscheinen ließ und wo er um 1580 auch starb und im Michaelskloster beerdigt wurde. - Einbände berieben. Teils schwach gebräunt; einige kl. Wurmspuren. Vorderes Innengelenk jeweils angebrochen; Bindung teils gelockert (v. a. die erste Lage des 2. Bands). Kl. Eckausriß in Bd. 1, S. 1017f. (Verlust der Kustode). Am Titel zeitgenöss. hs. venezianischer Besitzvermerk; späterer hs. Besitzvermerk eines Oratorianers aus Chioggia in Bleistift am Vorsatz. Zu Sessas bekannter Druckermarke (eine Katze mit Maus im Maul) bemerkte der berühmte bibliophile Bischof von Ely, John Moore: ?Whenever you see a book with a cat and a mouse in the frontispiece, seize upon it: for the chances are three to four that it will be found both curious and valuable? (zit. n. Fumagalli, 486).
  ¶ Edit 16, CNCE 7824. BM-STC Italian 104. Adams B 3267. DNB III, 254.

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Ein Plantin'scher "Bestseller"
16 Canisius, Petrus, SJ. Summa doctrinae christianae, ex postrema recognitione [...]. Antwerpen, Christoph Plantin, 1580. 392, (24) SS. Mit Holzschnittdruckermarke am Titel und einem halbseitigen Textholzschnitt (Kreuzigungsszene, S. 226). Gold- und blindgepr. dunkelbrauner Kalbslederband der Zeit über Holzdeckeln. Reste von Schließen. 12mo.
  € 450
Sechste Plantin-Ausgabe von Canisius' "most famous and popular work" (Sorgeloos), hier gewidmet König Philipp II. "The first edition was issued in Vienna in 1555 and often reprinted, but without Canisius's consent, so that the author published his own corrected version at Cologne in 1560, printed by Maternus Cholinus. Plantin copied that authorized version in 1566 and reprinted six other editions of the work in 1567, 1569, 1571, 1574, 1580 and 1587 [...] To publish Canisius's works was profitable and if Plantin was an eminent humanist he was a businessman too" (ebd.). - Einband berieben, Ecken und Kanten bestoßen, Bezug an Kanten und Vordergelenk angeplatzt. Die Deckel mit blindgepr. Laubstabbordüre (darin Engelsköpfe), das Mittelfeld mit zwei goldgepr. (etwas oxydierten) Fleuronstempeln. Innen gebräunt bzw. braunfleckig; Titel mit mehreren hs. Besitzvermerken des 17. Jhs. (darunter die Kapuzinerbibliothek Klagenfurt, dat. 1656).
  ¶ De Backer/Sommervogel II, 625. Sorgeloos 172 (Anm.). Nicht bei Adams oder BM-STC Dutch.

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17 [Chevallier, Antoine-Rodolphe] / Brunner, Johannes [Hrsg.]. Rudimenta Hebraicae linguae. Accurata methodo & brevitate conscripta [...]. Freiburg, [Ambrosius Froben], 1585. (3) Bll., 1 w. Bl., (3) Bll., 1 w. Bl., 367 [recte: 375], (1) SS. Blindgepr. Schweinslederband der Zeit auf 4 Bünden über Holzdeckeln mit 2 intakten Metallschließen. Dreiseitiger Rotschnitt. 4to.
  € 2.800
Einzige von Johannes Brunner besorgte Ausgabe des erstmals 1567 in Genf erschienenen Hebräischlehrbuchs. Der Protestant Antoine-Rodolphe Chevallier (1507-72) lernte Hebräisch unter Vatable in Paris und Fagius in Oxford, "worauf er unter die Hofstat der engelländischen Königin, Elisabeth, aufgenommen, und zu deren Lehrmeister in der frantzösischen Sprache bestellet wurde [...] Sonst war er auch willens, eine Bibel in vier Sprachen [...] heraus zu geben; welches Werck aber nicht zu stande gekommmen" (Jöcher III, 2287f.). Ein von Wanderungen und Flucht durchzogenes Leben führte ihn als Hebraisten an die Universitäten von Straßburg, Genf und Cambridge, nach Caen und zuletzt auf die Kanalinsel Guernsey, wo er auch starb. - Eines von nur etwa 10 Büchern, die der Basler Ambrosius Froben (Sohn des Hieronymus) in den Jahren 1583-85 in Freiburg im Breisgau druckte. "Auf Betreiben der vorderösterreichischen Regierung [mußte er die Stadt] bald wieder verlassen"; er starb 1602. - Gleichmäßig schwach gebräunt, gelegentlich unbedeutend fleckig. Am Titel hs. Besitzvermerk des Klosters Einsiedeln (um 1700). Der hübsche Einband mit dreifacher Umrahmung (schmaler Leerrahmen um eine Puttenrolle; darin wohl Evangelistenrolle; das von vielfachen Streicheisenlinien eingefaßte Mittelfeld mit weiterer Rollenstempelung) stärker berieben; Ecken und Kanten etwas bestoßen (mit kl. Anplatzstelle an der unteren Ecke des Vorderdeckels).
  ¶ VD 16 (+ III. Abt.) C 2256 (und C 2253). Adams B 2934. IA 125.866 (s. v. "Brunner"). Schottenloher 37695 q. Jöcher/Adelung I, 2340. Vgl. Hoefer X, 255. Nicht bei BM-STC German.
 

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Cicero, Herodian und Justinus in einem Band
18 Cicero, Marcus Tullius. Officia M. T. C. Ein Buch, so Marcus Tullius Cicero der Römer, zü seynem Sune Marco. Von den tugentsamen ämptern und zugehörungen, eynes wol und rechtlebenden Menschen, in Latein geschriben, Welchs auff begere, Heren Johansen von Schwartzenbergs etc. verteütschet [...]. Augsburg, Heinrich Steiner, (29. IV.) 1531. (8), XCI Bll., l. w. Bl. Mit großem Titelholzschnitt, blattgr. Portraitholzschnitt nach Albrecht Dürer und 101 großen Textholzschnitten von Hans Weiditz sowie zahlreichen figuralen Holzschnitt-Initialen und -Zierleisten. - [Beigebunden] II: Herodian. Der fürtrefflich griechisch Geschichtschreiber [...] den der Hochgelert Angelus Politianus inn das Latein, und Hieronymus Boner in nachvolgend Teütsch pracht [...] Mit großem Titelholzschnitt von J. Breu d. Ä. nach H. Burgkmair und 1 Textholzschnitt von H. Weiditz sowie 2 Holzschnitt-Vignetten und mehreren Holzschnitt-Initialen. Ebd., 19. Aug. 1531. 4 nn., 70 num. Bll. - [Beigebunden] III: Justinus, M. J. Warhafftige Hystorien, die er auß Trogo Pompeio gezoge(n), un(d) inn Viertzig vier Bücher außgeteylt [...] Die Hieronymus Boner der zeyt Schultheys zu Colmar, auß dem Latein inn diß volgend Teütsch vertolmetscht hat [...]. Mit großem Titelholzschnitt und 49 meist halbseit. Textholzschnitten von J. Breu d. Ä., J. Breu d. J., H. Weiditz u. a. sowie 22 dekorativen Schlußstücken vom Meister DS. 4 nn., 119 num. Bll., 1 w. Bl. Brauner Lederband der Zeit über vier Doppelbünden mit reicher Blindprägung. Dreifach ziselierter Schnitt. Folio.
  € 12.000
Schöner Sammelband mit drei der berühmten Steinerschen Volksbücher, alle jeweils in erster Ausgabe; wertvoll v. a. durch die prächtigen Holzschnitte von Weiditz, Burgkmair und Breu. - Die Übertragung der "Officia" ins Deutsche durch Johann Neuber wurde auf Veranlassung des Mäzens Johann von Schwarzenberg unternommen, Auftraggeber der volkssprachlichen Übersetzungen des Herodianus sowie des Justinus war Heinrich Steiner selbst. Bei den beiden letztgenannten Werken handelt es sich gleichzeitig um die ersten deutschen Ausgaben überhaupt. Die über 100 Holzschnitte des Hans Weiditz zu Ciceros "Officia", "die realistische Einzelheiten in eine märchenhafte Poesie einbetteten" (DBE), gelten als sein Hauptwerk und zählen mit den Holzschnittfolgen Burgkmairs und Breus zu den schönsten Werken der Buchillustration der deutschen Renaissance. - Der schöne, zeitgenössische Lederband durch vierfache Blindlinien kassettiert, der äußere Rahmen leer, der innere mit Blütenrolle gefüllt. Das Mittelfeld mit Blattwerk in Rautengerank. Aufwendige Schnittziselierung mit alternierenden geometrischen Mustern aus Punkten, Herzen und Blüten. - Innen nur vereinzelt unbedeutend fingerfleckig; der Einbandbezug craqueliert und an den Ecken und Kanten teils fachmännisch ergänzt. Während der Cicero offenbar ungelesen blieb, sind die beiden darauffolgenden Werke durchgehend mit deutschen Marginalien von zeitgenössischer Hand versehen. - Außergewöhlich gut erhaltene Exemplare dreier Holzschnittbücher der Renaissance im ersten Einband und mit umfänglichen zeitgenössischen Marginalien des deutschen Erstbesitzers; zuletzt in der Bibliothek des Augustinerkonvents von Lecco (gedr. Besitzvermerk um 1750 am vorderen Innendeckel).
  ¶ I: VD 16, C 3239. BM-STC German 209. Muther 878-885 (noch mit Zuschreibung an Burgkmair). Dodgson II, 143, 12 und 173, 56 (Portrait). Fairfax Murray 118. - II: VD 16, H 2503. BM-STC German 399. Adams H 391. Muther 1078. Dodgson II, 425, 12b. Fairfax Murray 197. Hollstein IV, 170, 47. - III: VD 16, T 2069 (s. v. "Trogus"). BM-STC German 871. Muther 1079. Dodgson II, 110, 5. Fairfax Murray 231. Hollstein IV, 169, 45 und 46 (Breu d. Ä.) sowie 200, 34-43 (Breu d. J.).
 

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19 [Concilium Lateranense V]. Littere clare memo. Ludovici XI. Franco[rum] Regis Christianissimi super abrogatione Pragmatice sanctionis in quarta Sessione Sacro sancti Lateranen. Concilii publice lecte et recitate. [Rom, Marcello Silber, 1512]. 4 unnum. Bll. (d. l. w.). Geheftet. 4to.
  € 2.000
Sendschrift des französischen Königs Ludwig XI. an Papst Pius II. vom 27. November 1461, hier neu aufgelegt im Rahmen der 5. Lateransynode, die Papst Julius II. 1512 gegen das antipäpstliche Konzil von Pisa einberief. Das Laterankonzil verwarf unter anderem die 1438 unterzeichnete Pragmatische Sanktion von Bourges, die auf eine französische Nationalkirche abgezielt hatte. Trotz Ludwigs hier vorliegender Versicherung, er habe die Pragmatische Sanktion "im ganzen Reich und in der Dauphiné" abrogiert, blieb sie dem Geiste nach in Kraft; 1463 und 1464 erließ er "eine Reihe von Ordonanzen 'zur Abwehr der röm. Übergriffe u. Herstellung der alten gallikan. Freiheiten'. 1567 hob er sie abermals auf, fuhr aber fort, ganz im Sinne der Pragmatischen Sanktion zu handeln" (LThK VIII, 425). Nachdem die Bischofsversammlung zu Rom 1510 auf Wunsch Ludwigs XII. erklärte, man habe sich an die Pragmatische Sanktion zu halten, verwarf das 5. Laterankonzil dieselbe endgültig; 1516 wurde sie von Franz I. durch das Konkordat ersetzt. Der vorliegende, vom Vatikan veranstaltete Druck von Ludwigs Abrogationsschrift sollte wohl die französische Kirche an gegebene Zusagen erinnern und die Grundlage für eine Lösung des Streits im Sinne Roms bereiten. - Am Schluß mit Kollationsbestätigung von Johannes Gerones, Notar der Apostolischen Kammer; darunter Nachdruckverbot von Balthasar Tuerdus. - Kl. Braunfleck am Titel. Fast unmerkliche Spuren früherer Faltung; letztes Bl. v. a. verso etwas gebräunt bzw. braun- und fingerfleckig.
  ¶ Adams L 670. Edit 15, CNCE 31026. Nicht bei BM-STC Italian.

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20 [Concilium Lateranense V]. Nomina et tituli revere[n]dissimo[rum] d[omi]no[rum] S. R. E. Cardinaliu[m]. [Rom, Marcello Silber, um 1513]. 4 unnum. SS. Mit Holzschnittvignette (Papstwappen Leo X.) und vierteiliger ornamentaler Holzschnittbordüre am Titel. 4to.
  € 3.500
Das zweite nachweisbare Exemplar des Verzeichnisses der am 5. Laterankonzil (1512-17) teilnehmenden Kardinäle, gegliedert in "Cardinales Episcopi", "Cardinales Presbiteri" und "Cardinales Dyaconi", innerhalb dessen nach dem ernennenden Papst (Sixtus IV., Alexander VI., Julius II. und der amtierende Leo X.). Einige ungefähr zeitgenöss. hs. Marginalien und Ergänzungen (so beim niederländischen Kardinal Hadrianus der Hinweis auf seine spätere Papstkür im Jahre 1522); am Schluß siebenzlg. Nachschrift von derselben Hand. - Minimale Papierschäden im Innenrand (keine Textberührung); insgesamt sauber. Nicht in der Vaticana, nicht im OCLC, kein Exemplar in Amerika. Nur ein Exemplar in internationalen Bibliothekskatalogen über Edit 16 nachweisbar (Biblioteca dell'Accademia nazionale dei Lincei e Corsiniana, Roma),
  ¶ Edit 16, CNCE 54236. Tinto (Ann. tip. Silber) 93. Nicht bei Adams oder BM-STC Italian.

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21 Diogenes Laertius. De vita, & moribus philosophorum libri decem, nuper ad vetusti Graeci codocis fidem accuratissime castigati [...]. Basel, Valentin Curio, (Calendis Septembris) 1524. (20), 391, (1) SS. Mit Holzschnittdruckermarke am letzten Bl. verso und zahlr. figuralen Holzschnittinitialen. Pergamentband der Zeit auf 4 durchzogenen Bünden. Verblaßter hs. Rückentitel. 4to.
  € 1.200
Seltene lateinische Ausgabe des berühmten Werks, ?als Materialsammlung zur Ergänzung verlorener antiker Quellen unentbehrlich? (Tusc. Lex. Lit., 78). Die editio princeps des griechischen Gesamtwerks sollte erst 1533 bei Froben erscheinen. Die Übersetzung basiert auf der des Kamaldulensers Pater Ambrosius Traversari (1386-1439) und war schon um 1472 aufgelegt worden; ihre vorliegende Ausgabe (überarbeitet von Curio und Michael Bentiinus) ist die erste des 16. Jhs. und zugleich die erste im deutschen Sprachgebiet gedruckte. ?In Valentin Curios Planung seiner noch jungen Offizin, zudem aber vor allem erstmals in textlicher Revision und Ergänzung nach einer griechischen Handschrift? (Hieronymus). - Fast durchgehend etwas fleckenrandig, gegen Schluß auch mit unschönen Randläsuren und kl. Wurmspuren (gelegentliche Berührung der gedruckten Marginalien). Einige hs. Marginalien und Anstreichungen der Zeit.
  ¶ VD 16, D 1837. Adams D 486. BM-STC German 244. Hieronymus, GG 92. Schweiger I, 97. Hoffmann I, 568.

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22 Dionysius Carthusianus. In quatuor evangelistas enarrationes. Köln, Peter Quentel, (25. I.) 1532. (8), CCCLXXXIII [recte: 381], (1) Bll. Mit breiter figürlicher Titelbordüre, Holzschnittwappen am Titel verso und einigen figürlichen Holzschnitt-Initialen von Anton Woensam von Worms. (Beigebunden): Ders. In omnes beati Pauli epistolas commentaria. Ebd., (10. III.) 1532. (6), CXL [140] Bll. Mit breiter figürlicher Titelbordüre und einigen figürlichen Holzschnitt-Initialen von A. Woensam. Blindgeprägter dunkelbrauner Lederband der Zeit über Holzdeckeln. Reste von Schließen. Folio.
  € 950
Erste Ausgaben dieser Bearbeitungen. Woensams schöne Titeleinfassung (am Titel der Beibindung wiederholt) zeigt den thronenden himmlischen Vater, die Evangelisten und Kirchenväter sowie die Ekstase des Karthäusers Dionysius. Der heraldische Holzschnitt am Titel verso zeigt das Wappen des Heinrich VIII. von England. - Der blindgeprägte Einband (am Deckel der Verfasser und das Bindejahr "1537"; vierfache Bordüre mit verschiedenen Knospenstempeln) berieben und beschabt; kleinere Kapitalläsuren fachmännisch ergänzt. Leicht gebräunt; am Anfang und Ende mit kl. Wurmspuren. Titel etwas fingerfleckig; hs. Besitzvermerk "Monasterii Planicensis" (dat. 1645).
  ¶ I: VD 16, D 1917. Adams D 579. IA 154.026. Merlo 1033, 412 und 1061, 472. - II. VD 16, D 1868. IA 154.025 (nur 3 Ex. in Amsterdam UB, München SB und Wolfenbüttel HB). Merlo 1033, 412. Vgl. Adams D 593 (nur Ausg. 1533). Beide Werke nicht im BM-STC German.
 

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23 Durie, John, SJ. Confutatio responsionis Gulielmi Whitakeri in Academia Cantabrigensi professoris regii, ad rationes decem [...]. Liber antehac in Germania nunquam excusus. Ingolstadt, David Sartorius, 1585. (36), 856. (44) SS. Pergamentband der Zeit (Gelenke restauriert) mit verblaßtem hs. Rückenschildchen und hübscher Deckelgoldprägung (oxydiert). Bindebänder fehlen. 8vo.
  € 450
Zweite Ausgabe. - Der schottische Jesuit Durie (Johannes Duraeus; geb. in Fifeshire, gest. 1588), nicht zu verwechseln mit dem späteren gleichnamigen Protestanten aus Edinburgh (1596-1680), lehrte am Collège de Clermont in Paris, wo auch diese gegen den Cambridger Theologen William Whitaker (1548-95) gerichtete Schrift - seine einzige - erstmals 1582 erschien. - Am Titel hs. Schenkungsvermerk des Carl Imhoff an ein Kloster (dat. 1620); außerdem hs. Besitzvermerk "Michaelis Steib" (um 1700) und alter Rundblindstempel. Vorsätze erneuert; ansonsten gutes, sauberes Exemplar.
  ¶ VD 16, D 3060. Adams D 1201. BM-STC German 258. Stalla 1521. IA 158.063. De Backer/Sommervogel III, 304, 1.
 

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24 Erasmus von Rotterdam. Ecclesiastae sive de ratione concionandi libri quatuor. Basel, Froben, 1544 (am Schluß: 1545). 800, (48) SS. Mit 2 versch. Druckermarken. Dunkelbrauner blindgepr. Lederband der Zeit auf 3 Doppelbünden über Holzdeckeln. Reste von Schließen. 8vo.
  € 1.000
Vierte Ausgabe (EA 1535). - Ursprünglich wollte Erasmus dieses Spätwerk John Fisher, dem Bischof von Rochester, widmen; kurz vor der Drucklegung erfuhr er jedoch von der Hinrichtung seiner Freunde Fisher und Thomas Morus. Nun widmete er das Buch Christoph von Stadion; in seiner Vorrede ging er auf die Hinrichtungen ein, was das Interesse der Öffentlichkeit natürlich erhöhte. Die erste Auflage von 2000 Exemplaren war schnell vergriffen, so daß im gleichen Jahr eine zweite Auflage nötig wurde. "Bei der Schilderung der Eigenschaften eines wahren Predigers schweift Erasmus ab. Sein Augenmerk gilt den neuentdeckten Ländern. Er mißbilligt die Kriegführung der Conquistadoren in Amerika, appelliert an das Verantwortungsbewußtsein der christlichen Fürsten und lobt den Missionseifer" (Eckert 489). - Einband mit Wurmspuren und kleineren Bezugsfehlstellen an Ecken und Rücken. Am Titel mehrere Besitzeinträge des 16. und 17. Jhs. (darunter die Bibliothek des Zisterzienserklosters Bronnbach bei Tauberbischofsheim); weitere am vorderen Innendeckel (17. Jh.); am vorderen Vorsatz Besitzvermerk des Frankfurter Organisten Nicolaus Boller (fl. um 1702; vgl. Eitner II, 102). Am Titel ferner Stempel der Fürstl. Löwenstein-Wertheim-Rosenberg'schen Hofbibliothek auf Schloß Kleinheubach (um 1900) und Namenszug des Max Sinzinger (20. Jh.). Anfangs und gegen Ende wasserrandig; einige Initialen im Stile alter Federwerkslombarden vom Vorbesitzer (wohl Sinzinger) in roter Tinte eingemalt.
  ¶ VD 16, E 2724. Bezzel 825. Adams E 633. BM-STC German 281.
 

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25 Fabricius, Johann Baptist. Ein Predig uber das Evangelion Johannis am 1. Cap. Welches man pfleget zu Lesen. (Nürnberg, Georg Merckel, 1557). (22) Bll. Mit kleinem Titelholzschnitt und Holzschnitt am Ende sowie am letzten Bl. recto Holzschnittdruckermarke unter dem Kolophon. Geheftet. 4to.
  € 350
Einzige Ausgabe der seltenen Predigt des Nürnberger Theologen J. B. Fabricius, der sonst nur als Verfasser einer Hochzeitsrede für seinen Bruder Andreas bekannt ist. - Bindung teils etwas gelockert, sonst sauber. Unbeschnittenes, unaufgeschnittenes Exemplar. Nur 2 Exemplare in Bibliotheken nachweisbar (BSB München; HAB Wolfenbüttel).
  ¶ VD 16, F 438. OCLC 166112042 (Ex. der BSB). Nicht bei Adams oder BM-STC German.
 

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Das Exemplar der Sammlung Feuerlein, zugleich das einzig nachweisbare mit dem kaiserlichen Privileg
26 Fendt, Tobias. Monumenta sepulcrorum cum epigraphis ingenio et doctrina excellentium virorum aliorumq[ue] tam prisci quam nostri seculi memorabilium hominum: de archetypis expressa. [Breslau, Crispin Scharffenberg], 1574. Gest., ill. Titel, (10) SS., 129 Tafeln (num. 1-125 sowie 3*, 13*, 21* und 22*). Halbpergamentband um 1700. Dreiseitiger Goldschnitt. Folio.
  € 7.500
Erste Ausgabe des Hauptwerks des polnischen Zeichners und Kupferstechers, komplett mit allen 129 Tafeln wie vorliegend von größter Seltenheit. Auftraggeber der vorliegenden Publikation war der kaiserliche Kammerrat Sygfried Rybisch aus Breslau; unser Exemplar trägt am Titel ein sonst nicht nachweisbares kaiserliches Druckprivileg in zeitgenössischer Federkalligraphie, durch welches das Werk auf den Zeitraum von acht Jahren vor Nachdruck geschützt war. Die Ergänzung "Cum Gratia et Privilegio Caes[aris] Ma[jes]t[atis] at VIII annos" am Titel ist in den uns zugänglichen Vergleichsexemplaren weder wie hier in handschriftlicher noch in gedruckter Form zu finden. - Fendts Darstellungen von Grabdenkmälern der Antike bis zum 16. Jh. wurden noch bis ins späte 17. Jahrhundert wiederholt unter dem Titel "Monumenta illustrium virorum" aufgelegt. Allerdings war bereits die zweite Ausgabe von 1585, die bei Feyerabend in Frankfurt mit einem Titel von Jost Amman erschienen ist, auf 125 Kupfertafeln verkürzt. - Gezeigt sind Beispiele aus Basel, Bologna, Brescia, Cadiz, Como, Ferrara, Florenz, Freiburg, Freising, Krakau, Mailand, Neapel, Padua, Pavia, Perugia, Pisa, Pistoia, Pozzuoli, Ravenna, Riva di Garda, Rom, Stuttgart, Tübingen, Verona, Volterra, Wien und Wittenberg, darunter die Gräber von Alciatus, Cicero, Dante, Erasmus, Marsilio Ficino, Grynaeus, Hutten, Livius, Lukrez, Melanchthon, Otto von Freising, Paulus Jovius, Poggio Fiorentino, Reuchlin, Vergil und Zasius. - Einband berieben; innen stellenweise etwas braunfleckig bzw. wasserrandig. Aus der Sammlung des Nürnberger Juristen Johann Konrad Feuerl(e)in (1725-88) mit seinem gest. Exlibris am vorderen Vorsatz sowie seinen eigenh. bibliographischen Notizen ("de raro hoc opere conf. Vogti Cat. libr. rar. p. no. 278" etc.) sowie am Schluß einem 3seitigen hs. "Index alphabeticus monumentorum". Feuerlein, der in seiner Vaterstadt als Ratskonsulent, an der Universität Altdorf aber als Prokanzler wirkte, galt als "ein Mann, der ausser einer soliden Rechtswissenschaft auch eine grosse Stärke in der gelehrten Geschichte besitzet" (Weidlich, zit. n. DBA I 316, 225). "Da es ihm an Vermögen nicht fehlte, so sammelte er sich eine solche ansehnliche und auserlesene Bibliothek, die in allen Fächern der Rechtsgelehrsamkeit, der Geschichte, Alterthümer, Philologie, u.s.w. so reichlich besetzt war, dergleichen man zu seiner Zeit in Deutschland bey Privatpersonen nur selten antraf. Da man in derselben über 18.000 Bände zählen konnte, so wußte er doch von jedem Buch den Inhalt und die Eigenschaften desselben anzugeben" (Hirsching II, zit. n. ebd., 229; vgl. auch Will, Nürnb. Gelehrten-Lex. I, 428f.). Ein Katalog seiner Sammlung erschien noch zu seinen Lebzeiten in 2 Bänden (Schwabach, 1768-79; vgl. auch Bogeng III, Anm. 240); nach seinem Tode kamen zwei Verkaufskataloge heraus (1793 und 1803). Nicht im ABPC, auf deutschen Nachkriegsauktionen nur zwei vollständige Exemplare nachweisbar (1959 und 1999 [Donaueschingen]), letzteres belegbar ohne das vorliegende Druckprivileg.
  ¶ VD 16, F 727. Adams F 228. BM-STC German 300. Brunet II, 1206. Ebert 2881. BNHCat F 94. Ornamentstichslg. Berlin 2673. Avery 328. Hollstein VIII, 37, 1. Thieme/Becker XI, 386. Nagler IV, 276.
 

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27 Ferdinand I. Ordnung und Reformation guter Pollicey, in derselben fünff Niderösterreichischen Lannden unnd Fürstlichen Grafschafft Görtz, auffgericht und ernewert, Anno M. D. LII. Wien, J. Singriener, (1552). 1 nn., XL numerierte Bll. Mit sechs Wappenholzschnitten am Titel und einer großen Holzschnittinitiale zu Beginn. Mod. Pergamentband. Folio.
  € 1.000
Bibliographisch nicht nachweisbare erste Ausgabe der im selben Jahr vom späteren Kaiser Ferdinand I. erlassenen Polizeiordnung. Enthält Richtlinien zur Bekämpfung von Mißbräuchen und Delikten aller Art und zur Aufrechterhaltung der öffentlichen Ordnung in den österreichischen Erblanden. Mit interessanten Kapiteln u. a. über Gotteslästerung, außereheliche Beiwohnung, Fluchen, Trinken, Wucher, Betteln, Zigeuner, Landfahren, Singen und Reimsprechen, Advokaten, Apotheker, Schmähschriften, zur Kleiderordnung für Juden etc. Bei Singriener erschienen von 1552 bis 1560 vier Ausgaben der Polizeiordnung von 1552, die vorliegende, kenntlich am abweichenden Impressum, ist im VD 16 nicht verzeichnet und auch über Bibliothekskataloge nicht nachweisbar. - Papierbedingt gleichmäßig gebräunt, sonst tadellos. - Von größter Seltenheit.
  ¶ Vgl. VD 16, N 1680ff.

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28 Ferus [d. i. Wild], Johannes. Ecclesiae concionatoris, in sanctorum festa quae per totum annum in catholica celebrantur ecclesia postillae. Lyon, (Jacques Faure für) Jakob Giuntas Erben (Anould Brikman & Guillaume Roville), 1559. (16), 703, (1) SS. Mit Holzschnittdruckermarke am Titel und ganzseitigem Textholzschnitt. Blindgepr. Schweinslederband der Zeit auf 3 Doppelbünden über Holzdeckeln mit abgeschrägten Deckelkanten und hs. Rückenschildchen. 2 intakte Schließen. 8vo.
  € 450
Seltene zweite Ausgabe (EA 1557). Der schwäbische Franziskaner Johannes Ferus (1495-1554) lehrte in Tübingen die Artes und "ging 1528 als Lektor nach Mainz, wo er seit 1539 als Domprediger wirkte. Zuletzt war er Guardian seines Klosters. In seinen Predigten und Schriften beklagte er die Mißstände am römischen Hof. Ferus' oft ohne sein Wissen herausgegebene und mehrmals aufgelegte Predigtsammlungen [...] standen bis 1900 auf dem Index" (DBE). - Einband schwach fleckig; die hübsche Prägung (Tugendenrolle um einen schmalen Fleuronrahmen; im Mittelfeld doppelte Bogenfriesrolle) wohlerhalten. Innen sauberes Exemplar, gleichmäßig etwas gebräunt.
  ¶ Nicht bei Adams oder BM-STC French.
 

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29 Gregor I., Papst. Opera omnia. Basel, Froben und Episcopius, 1564. 2 Bde. (50) Bll., 1470 Spp., (1) S. 1626 Spp., (3) SS. Mit zus. 4 Druckermarken. Blindgeprägte Schweinslederbände der Zeit. Schließen. Folio.
  € 1.800
Seltene Basler Werkausgabe des bedeutenden Papstes, dessen Kirchenpolitik die Christianisierung der Angelsachsen begründete und die Bindung des Frankenreiches an den Papst festigte. - Die Einbände mit mehrfacher ornamentaler Rollenstempelumrahmung; im Mittelfeld jeweils am Vorderdeckel eine Kruzifixus-, am Hinterdeckel eine Salvator-Platte. Der erste Band anfangs und gegen Ende, der zweite durchgehend etwas wasserrandig; die letzten drei Blätter und die hinteren Innendeckel beider Bände mit kleinen Wurmspuren. Einbände berieben und etwas fleckig. Obere Schließe des ersten Bands fehlt. Rücken um 1640 gekalkt; Titel mit hs. Besitzvermerk des Jesuitenkollegs in Neuburg an der Donau (dat. 1639/48). Das ehemalige Benediktinerinnenkloster (1542 von Ottheinrich aufgehoben) war nach der Rekatholisierung erst 1635 von Pfalzgraf Wolfgang Wilhelm den Neuburger Jesuiten übergeben worden.
  ¶ Adams G 1171. Graesse III, 150. Nicht bei BM-STC German.
 

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30 Guevara, Antonio de. Libro di Marco Aurelio con l?horologio de' prencipi, distinto in IIII. volumi [...]. Con la giunta del quarto libro, già tradotto di lingua Spagnuola in Italiana, de la copia originale di esso auttore, si com?era nella quarta impressione [...]. Venedig, Fabio & Agostino Zoppini, 1581. 4 Bde. in einem. (24), 88 Bll. (4), 96 Bll. (4), 112 Bll. (4), 59 Bll. (ohne das letzte w. Bl.). Mit 4 (wdh.) Holzschnittdruckermarken an den Titeln und einigen (darunter 3 größeren) Textholzschnitten. Pergamentband der Zeit mit goldgepr. Rückenschildchen und Deckelblindprägung (Fileten, Eckfleurons, maureskes Mittelornament). 4to.
  € 580
Italienische Ausgabe des berühmten, in zahllosen Auflagen, Ausgaben, Übersetzungen und Bearbeitungen verbreiteten Fürstenspiegels (EA 1529) mit Lebensregeln für den Tagesablauf zu allen denkbaren Anlässen. Die erste italienische Ausgabe erschien 1546 (verkürzt). "In Guevaras Werk werden Verhaltensregeln für den Fürsten an Hand einer Pseudobiographie Mark Aurels aufgestellt" (KLL VII, 33). - Titel mit mehreren getilgten hs. Besitzvermerken des 17. und 18. Jhs. Durchgehend etwas gebräunt; stellenweise leicht wasserrandig. Einige Bll. mit kl. Wurmspur im unteren Innenrand.
  ¶ Palau² 110.159. Edit 16, CNCE 22278. Vgl. BM-STC Italian 320 (Ausg. Venedig 1584). Adams G 1482 (Ausg. Venedig 1562). Haym 166, 4-6.
 

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31 Guillonius, Renatus. Gnomon. Opus quidem perneccessaruim ac perutile, volentibus serio studio rimari arcana poetarum omnium Graecorum, quantum syllabarum & figuras, libertatesque poematis graeci attinet, recens ab autore auctum & recognitum. Paris, Andreas Wechel, 1556. 70, (2) SS. Mit Holzschnittdruckermarke am Titel und kleinerer Druckermarke am letzten Bl. verso. Mod. Pappband. 4to.
  € 650
Zweite, erweiterte Ausgabe des seltenen, erstmals 1548 erschienenen Werks zur griechischen Prosodie und Metrik. Das neue Druckprivileg ist datiert mit 13. September 1555. René Guillonius (1500-70) war Schüler der großen Gräzisten Guillaume Budé (1467-1540) gewesen. - Am Titel zeitgenöss. hs. Besitz- und Kaufvermerk sowie darunter Persius-Motto "Sum Thomae [...] constat 1 fl. | Vive memor lethi fugit hora. Persius". Der Nachname des Besitzers kaum später getilgt und von einem wohl ebenfalls Thomas (Bauer) genannten Nachbesitzer des 16. Jhs. in roter Tinte ersetzt: "Agricola". Durchgehend mit kl. Wurmgang (etwas Textverlust).
  ¶ Adams G 1581. BM-STC French 213. OCLC 65708718.
 

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Aus der Sammlung Landau
32 [Hus, Jan]. Christi ab incarnationis usq[ue] ascensionis gesta succinctim posita omni sacerdoti habenda bene revisa at[que] correcta. Landshut, J. Weissenburger, 1514. 9 nicht numer. Bll. (ohne das letzte weiße Bl.). Mit großem Titelholzschnitt und dem ganzseitigen Evangelistenbildnis in Holzschnitt von Wolf Traut am Titel verso sowie 3 eingedruckten Lombardinitialen. Spätere Broschur. 4to.
  € 3.500
Zweite Ausgabe des ersten im Druck erschienenen Werks des als Ketzer verbrannten tschechischen Nationalhelden; von größter Seltenheit. Der Titelholzschnitt zeigt das Christkind mit Kreuz, Schwamm und Lanze auf einem Kissen sitzend, ringsum in runden Medaillons die Evangelisten mit ihren Symbolen. Das schöne Portrait zeigt Johannes als Evangelist in einer Ideallandschaft. Aus dem Besitz des Baron Horace von Landau (1824-1903) mit entsprechendem Exlibris am vorderen Innendeckel. Der zuletzt in Florenz ansässige Industrielle Landau zählte zu den berühmtesten Privatsammlern des ausgehenden 19. Jahrhunderts (vgl. u. a. H. P. Kraus, A rare book saga. NY 1978, S. 339); ein von ihm selbst veranlaßter Privatdruck verzeichnet seine Sammlung von Inkunabeln, Manuskripten und wertvollen Drucken (Catalogue des livres manuscrits et imprimés composant la bibliothèque de M. Horace de Landau. Firenze and Prato, 1885-90). Danach im Besitz des bedeutenden Schweizer Graphiksammlers A. L. Blum (1882-1952) mit dessen Monogrammstempel am Titel (Lugt II, 12, 79b). - Das Exemplar der BSB (Rar. 866) digitalisiert und online im Volltext verfügbar. Kein Exemplar im Jahrbuch seit 1950. Lt. OCLC kein Exemplar im Amerika.
  ¶ VD 16, B 4629. Panzer VII, 131, 1. Proctor 11780. Muther 1205. Dodgson I, 507. Nicht bei Knaake und Kuczinsky.

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33 Johannes Chrysostomos, Hl. In sanctum Iesu Christi evangelium secundu[m] Matthaeum commentarii, diligenter ab Arrianorum faecibus purgati, & in lucem in sacrae paginae tyronum gratiam modo recens sub minori forma aediti. Paris, Audoenus Parvus (Oudin Petit), 1547. (8), 276 Bll. Mit Holzschnittdruckermarke am Titel. [Beigebunden] II: Ders. Passio domini nostri Iesu Cristi secundem Matthaeum in decem homilias divisa. Ebd., 1547. 40 Bll. Mit (wdh.) Holzschnittdruckermarke am Titel. Lederband der Zeit (lädiert). 8vo.
  € 450
Verlagssammelband mit den Kommentaren und Homilien zum Matthäusevangelium; eine von zahlreichen Pariser und Antwerpener Ausgaben der 1540er Jahre (so z. B. im selben Jahr kollationsgleich und mit identischem Titelwortlaut bei Petits Nachbarn, Jean Roigny, gedruckt). - Buchblock durch Feuchtigkeitseinwirkung stärker wellig bzw. geworfen; Rücken mit gr. Fehlstellen; Hinterdeckel stark lädiert und kontrahiert (hinteres Vorsatzblatt und letzte Bll. wasserrandig). Am Titel mehrere alte Besitzvermerke.
  ¶ Nicht bei Adams oder BM-STC French. Vgl. OCLC 71835647 (Roigny-Ausgabe).

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34 Jonas, Justus / Caelius, Michael. Vom christlichen Abschied aus diesem tödlichen Leben des Herrn D. Martini Lutheri [...]. Wittenberg, Georg Rhau, 1546. (30) SS., l. w. Bl. Mit Medaillon-Portraitholzschnitt (vom Meister "MS") am Titel verso. Halbpergamentband um 1750. 4to.
  € 850
Erste Ausgabe. - "Hauptquelle" (Schubart). "Der authentische Bericht über die letzten Tage Luthers vom 23. Januar bis 17. Februar, seine letzten Worte und die Beisetzungs-Feierlichkeiten. Er wurde verfaßt außer von den beiden im Titel Genannten auch von Joh. Aurifaber; sämtlich waren sie Augenzeugen" (Rosen). Das vorzügliche Portrait Luthers auf der Titelrückseite rühmt H. Zimmermann wegen seiner künstlerischen Qualität besonders (Zft. f. Buchkunde II [1925], S. 105). Der von Lucas Cranach beeinflußte Meister wurde "früher ohne Grund mit Melchior Schwarzenberg identifiziert" (Thieme/B. 37, 436; vgl. auch Nagler [Monogrammisten] IV, 2151). - Titel etwas gebräunt und mit winzigem Randeinriß sowie unauffällig gelöschtem Stempel und zeitgenöss. hs. Besitzvermerk
  ¶ VD 16, J 905 und ZV 20628. Luther, WA 54, 486. Knaake I, 983 u. III, 553. Kuczynski 3208. Hohenemser 2695. Pegg 1559. BM-STC German 462. BNHCat J 190. Schubart (Die Berichte über Luthers Tod u. Begräbnis) 69. Rosen (Humanismus und Reformation) V, 2, Nr. 750.
 

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35 Lactantius. Lepida [...] opera accurate graeco adiuncto castigata: Eiusde[m] Nephytomon: Carmina de Phoenice. & Christi resurrectione. Io. Chry. De eucharistia sermo. Lau. Vall. sermo. Phil. ad Theo. adhortatio. (Paris), [Guy Marchant für] Jean Petit, (12. IX. 1509). (10), CCXXV [225], (1) Bll. Mit 2 versch. Holzschnitt-Druckermarken (Petit am Titel, Marchant am letzten Bl. verso) sowie einem ganzseitigen Textholzschnitt. Französischer Lederband um 1680 mit goldgepr. Rückenschildchen und -vergoldung. Dreiseitiger gesprenkelter Rotschnitt. 4to.
  € 2.500
Schön gedruckte Laktanz-Werkausgabe (herausgegeben von Aegidius Maserius), der noch Tertullians "Apologeticus adversus gentes" sowie einige kleine Stücke von Johannes Chrysostomos und Laurentius Valla beigegeben sind. Gedruckt in klarer Antiqua mit zahlreichen floralen Holzschnittinitialen; einige Stellen in ansprechender griechischer Type. Der Textholzschnitt am letzten Bl. der Vorstücke verso zeigt einen Gelehrten in seiner Stube mit Büchern und Schreibzeug. - Zahlreiche verblaßte hs. Marginalien der Zeit; einige Notizzettel (um 1759) mit hs. bibliographisch-editorischen Bemerkungen in den Innenrand montiert. Kl. Papierdefekt auf Bl. 24f. alt hinterlegt und Text handschriftlich ergänzt. Oberes Kapital fachmännisch restauriert. Am vorderen Innendeckel Exlibris des Brügger Mediziners Adolphe Stordeur (datiert 1910).
  ¶ Adams L 13. BM-STC French 249. Panzer VIII, 537, 324. Moreau 1509, 127. Nicht bei Schweiger.

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Unbekanntes Manuskript für Kaiser Ferdinand I. über die Kämpfe im ungarisch-türkischen Grenzgebiet
36 [Landsknechtwesen]. Widmungsmanuskript für Kaiser Ferdinand I., verfaßt von einem Regimentsobersten seines Landsknechtsheeres, der von 1532 bis 1552 gegen die türkischen Truppen unter Sultan Soliman II. im Feld stand. [Ohne Ort, 1560]. Dt. Handschrift auf Papier. Kanzleikursive in brauner Feder, Kapitelauszeichnungen und Initialen kalligraphiert. 28 Zeilen, der Schriftspiegel von Federlinien eingefaßt. 12 Bll., 1 weißes Blatt, 83 Blatt, 2 weiße Bll. (= vollständig mit 190 beschriebenen Seiten). Zeitgenössischer flexibler Pergamentband mit goldgeprägter Deckelbordüre, beide Decken durch dieselbe Bordüre gerautet, der Rücken durch ebendiese in sechs Felder geteilt, darin jeweils florale Vergoldung. Dreiseitige Schnittpunzierung. Folio (280:390 mm).
  € 25.000
Als "oberster provossen Leutnant" war der - gegenwärtig noch nicht identifizierte - Verfasser unserer Handschrift 1552 Angehöriger des Stabes des damaligen Regimentsobersten Herzog Moritz Kurfürst von Sachsen und zählte damit zu den ranghöchsten Befehlshabern in dem von Moritz von Sachsen geführten kaiserlichen Landsknechtsheer. Als Profoß (auch: Provost oder Profot) hatte er sich in seinem Regiment um die Durchsetzung und Einhaltung der Feldordnung unter den Landsknechten zu kümmern; er ermittelte die Rechtsbrecher, setzte sie fest und trat vor Gericht als öffentlicher Ankläger und hernach als Urteilsvollstrecker auf. Nach Ende eines Feldzugs war der Profoß nicht mehr durch das Militärrecht geschützt, weswegen er das Regiment meist vor dessen Auflösung verließ, um sich so vor Racheakten der von ihm verfolgten Landsknechte zu schützen. Nach mehr als 20 Jahren im kaiserlichen Heeresdienst nun also ohne Sold und Beschäftigung, wandte sich der ehemalige Landsknechtoberst 1560 mit dem vorliegenden, stark autobiographischen Manuskript direkt an Kaiser Ferdinand I. und ersucht diesen schließlich im 146. und letzten Kapitel seiner Ausführungen, "mich doch aus lauterer genaden mit ainer genetten Pfründt oder schlechten Ofidicio oder Beneficij" zu bedenken. Sich offenbar sowohl der Umständlichkeit als auch der Brisanz seines Vorbringens bewußt, nimmt er bereits im Vorwort an den Kaiser darauf Bezug, daß man ihn in einer persönlich gewährten Audienz wohl nicht in dieser Ausführlichkeit zu Wort kommen ließe ("gibt ainem nit sovil audienz, biß Er sein wichtige sachen khann genuegsamblich fürbringe"), weswegen er nun eben die Schriftform gewählt habe. Er sei kein gelehrter Mann, noch stünde ihm "ain doctor der wolreden khann" zur Ausformulierung seiner Anliegen zur Verfügung, doch habe er auch als "schlechter Mann sovil Memory oder Hürnß", um "sein Opinnion und Mainnung" in vorliegender Form darzulegen. Die hierauf folgenden Berichte über seine persönliche Teilnahme an wichtigen und historisch belegten Schlachten gegen die Türken ermöglichen die oben erschlossene exakte Datierung der Handschrift. So habe der Verfasser des Manuskripts u. a. an dem Feldzug gegen die Festung Raab teilgenommen ("ungeverlich vor 8 Jahren mein gnediger Herr Herzog Moritz Curfürst [von Sachsen ...] biß für Rab Innß Landt zue Hungern ist gezogen"), auch bei der Niederschlagung der Türken am Steinfeld 1532 habe er schon im kaiserlichen Heer gekämpft ("bin auch dabey gewesen, wie man dazumal ein streifenden Haufen mit Türggen an der Schwarzach geschlagen hat [...] da Herr Sewastian Schertlin Obristen Leitnanbt war"). Unter dem Kommando des Siegers der Schlacht am Steinfeld, des berühmten Landsknechtführers Kaspar Schertlin von Burtenbach (1496-1577), der 1527 am Sacco di Roma beteiligt war, dürfte unser kaiserlich-habsburgischer Söldner noch bis Mitte der 1540er Jahre verblieben sein. In seinen weiteren Ausführungen geht er auf den desolaten Zustand des damaligen Heereswesens ein, äußert sich offen zur Korruption der höheren Ränge ("wie die falschen blinden Namen C. may. so grossmechtigen schaden bringen"), zur schlechten Besoldung ("wie die Armen Kriegsleuth über vortailt und genediget werden mit der schlechten Müntz"), benennt ganz konkret Mißstände bei Musterung, Verpflegung und Bekleidung, unterbreitet aber auch jeweils Vorschläge zur Verbesserung derselben ("so man auf allen Musterungen mieglichen Vleiß fürwendt guette kriegsleuth zue bekommen"). - Das Manuskript setzt unmittelbar mit dem "Register diser Oration oder Solticitation" ein, das Gegenblatt zum ersten Blatt des Registers ist als Spiegel an den Vorderdeckel geklebt; nach dem Register folgt unmittelbar die an den "Allerdurchleuchtigste[n] Großmechtigste[n] unnd unyberwindlichsste[n] Erwelte[n] Romischer Kayser aller genedigster Herr[en]" gerichtete Vorrede, hierauf die 146 Kapitel der Abhandlung. Die Unterlassung der Hinzufügung seines Namen ist ebenso wie die Provenienz des Manuskripts Hinweis darauf, daß den Autor letztendlich doch der Mut verlassen haben dürfte und er von der Übermittlung seines sowohl wegen der starken autobiographischen Bezüge als auch der unverhohlen geäußerten Kritik am kaiserlichen Heerwesen höchst ungewöhnlichen Manuskripts an den Kaiser schließlich Abstand genommen hat. - Aus der Sammlung des österreichischen Kriegsministers Theodor Graf Baillet de Latour (1780-1848; von Aufständischen gehängt); dessen heraldisches Exlibris im vorderen Innendeckel.
 

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37 Luther, Martin. Ain kurtze Underweysung wie man beichten sol: auß Doctor Martinus Luthers Augustiner Wolmainung gezogen. [Augsburg, Silvan Otmar], 1520. 6 unn. Bll. Mit hübscher figuraler Titelbordüre in Holzschnitt. Halblederband. 4to.
  € 650
Sechste Ausgabe der erstmals im Vorjahr erschienenen und seitdem wiederholt nachgedruckten Schrift. - Titel mit kl. Kugelschreibernumerierung in der oberen Ecke. Etwas braunfleckig.
  ¶ VD 16, L 5405. BM-STC German 291.

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38 Mayronis (Maioranis), Franciscus de. In primum sente[n]tia[rum] foecu[n]dissumum scriptu[m] sum co[n]flatus nominatus. (Venedig, Boneto Locatello für Ottaviano Scotos Erben, 1504-1507). 4 Bde. in einem. 2 Spalten, 65 Zeilen. (2), 149, (1) Bll. 29 Bll., l. w. Bl. 22 Bll. 57, (1) Bll. Mit zahlreichen Holzschnittinitialen und vier schwarzgrundigen Druckermarken (Octavianus Scotus Modoetiensis). [Beigebunden] II: Ders. Quolibettales questiones [...] de obscurissimo carcere tenebrososq[ue]. 42, (1) Bll., l. w. Bl. Mit zahlr. Holzschnittinitialen und schwarzgrundiger Druckermarke am Schluß. Blindgepr. Schweinslederband der Zeit auf 4 Doppelbünden über Holzdeckeln mit leicht angeschrägten Kanten, mit zeitgenöss. hs. Deckeltitel und etwas späterem blindgepr. rotem Rückenschildchen. Dreiseitiger Rotschnitt. Reste von Schließen. Folio (327:232 mm).
  € 7.500
Hübsche Postinkunabelausgabe des Hauptwerks von Franciscus de Ma(y)ronis (um 1285-1328), seinem Sentenzenkommentar zum ersten Buch der "Sententiae" des Petrus Lombardus samt dem dazugehörigen "Quodlibet" (Diskussion). Der scholastische Theologe Franciscus von Meyronnes, ein Schüler von Johannes Duns Scotus, lehrte an der Universität Paris; später wirkte er als Prediger und Gutachter an der Kurie in Avignon, bevor er nach Piacenza übersiedelte, wo er auch starb. - Der schöne blindgeprägte Lederband zeigt am Vorderdeckel innerhalb eines breiten leeren Außenrahmens (Respektrand) eine Laubstabrolle mit Ranken und Blüten (Schunke, Schwenke-Slg.: Ranke 162); das Mittelfeld dicht mit Knospenstempeln (Schunke: Blattwerk 417) gefüllt. Das Mittelfeld des Hinterdeckels durch Streicheisenlinien in Rauten geteilt, diese jeweils mit einem Knospenstempel geziert. Über das verwendete Stempelmaterial einer Wittenberger Werkstatt (Schunke: Wittenberg Laubstab 283) zuschreibbar; ein ähnlich verzierter Einband umschließt eine Inkunabel in der Universitätsbibliothek Jena (vgl. Schunke II, 292). Ehemaliger Kettenband; das kleine Loch der Befestigung am oberen Rand des Hinterdeckels sichtbar; entsprechende unbedeutende Rostspuren am hinteren Vorsatzblatt. Am Titel zeitgenöss. hs. Besitzvermerk "Liber B.M.V. in Huisburg", der den Band als ursprünglichen Besitz des Benediktinerklosters Huysburg in Sachsen ausweist. Hernach im Besitz mehrerer herausragender Theologen: Zunächst ausgewiesen als Eigentum des erst 23jährigen Georg Calixt (1586-1656); sein hs. Besitzvermerk in roter Tinte oberhalb des Titels: "Georgius Calixtus | In acad. Jenensi. | anno | MDCIX". Der nachmalige Helmstedter Professor Calixt gilt als "der bedeutendste lutherische Ireniker des 17. Jahrhunderts und nimmt als solcher einen wichtigen Platz in der Geschichte des ökumenischen Gedankens ein" (NDB 3, 96). Darunter der hs. Besitzvermerk des Helmstedter Theologen Heinrich Rixner, datiert den 1. Adventssonntag 1670. Rixner (1634-92) studierte in Jena, übersiedelte aber 1656 zurück in seine Vaterstadt, wo er Privatkollegien eröffnete und 1673 Professor der Theologie wurde (vgl. ausf. ADB 28, 715). Am vorderen Innendeckel schließlich das gedr. Bibliotheksetikett der "Neander Library", der Sammlung des dt. Kirchenhistorikers Johann August Wilhelm Neander (1789-1850), die nach seinem Tode durch den amerikanischen Bankier Roswell S. Burrows (1798-1884) erworben wurde. Dieser schenkte Neanders Bibliothek der Rochester Theological Seminary in New York, wo sie als Separatbestand in der Institutsbibliothek aufgestellt wurde. - Der hübsche Einband etwas berieben; innen einige zeitgenöss. Anstreichungen. Insgesamt sehr schönes Exemplar mit bedeutender Provenienzkette.
  ¶ Adams M 948. Edit 16, CNCE 32827. OCLC 18930771. II: Adams 951. Edit 16, CNCE 32880. OCLC 18934582; 50161200 (wie hier beide Werke). Nicht bei BM-STC Italian.
 

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39 Moller, Albin. Die grosse Practica Astrologica: Auff das Jahr nach der gnadenreichen Geburt Christi: MDXC. Darinnen auff die jährlichen Revolution, Finsternüssen, unnd grosse Coniunction der Planten und Sternen [...]. (Leipzig, Johann Beyer für Nicol Nerlich, 1590). 18 (statt 20) Bll. Mit 2 Holzschnittvignetten am Titel. Marmorierter Pappband. 4to.
  € 200
Noch frühe Ausgabe des seit 1583 jährlich unter dem Titel "Practica Astrologica" erscheinenden Prognosticons. Zinner beschreibt Moller als einen von "nicht wenige[n] Geistliche[n], die offenbar nicht der katholischen Kirche angehörten und jahrelang Kalender und besonders Vorhersagen veröffentlichten" (S. 60). - Es fehlen die Bll. A2-3; der Text beginnt mit dem letzten Januarviertel. Papierbedingt gebräunt bzw. stellenweise braunfleckig.
  ¶ VD 16, M 5999. Hohenemser (Slg. Freytag) 148. Zinner (Astronom. Lit.) 3392 (Koll. falsch).
 

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40 [Newe Zeitung]. Erzelung der Künigreych in Hispanien auch der selben jaerlich nutzung und einkomens mit sampt den herschafften dem selben Künigreych zugehoerig. Mer ein alte Prophecey Kay. Carl betreffend. [Augsburg, Heinrich Steiner], 1532. 8 nn. Bll. Mit großem Titelholzschnitt und ornamentaler Holzschnittinitiale. Geheftet mit Marmorpapierstreifen (um 1800). 4to.
  € 1.200
Verzeichnet den gesamten Herrschaftsbereich der vereinigten spanischen Königreiche sowie alle geistlichen und weltlichen Fürsten innerhalb desselben. Genau aufgeführt ist der von den einzelnen Vasallen und den ihnen unterstehenden Ländereien jährlich zu leistende Tribut, darunter auch jene 140.000 Dukaten, die Kaiser Karl V. von den "Inseln von denen das gold kumpt" erwarten durfte. - Durchgehend sehr knapp beschnitten; erste Titelzeile fast vollständig abgeschnitten, auch der fast ganzseitige Wappenholzschnitt am rechten und unteren Rand minimal vom Bindemesser erfasst. Stellenweise leicht braun- bzw. fingerfleckig.
  ¶ VD 16, E 3913. Nicht in Halle und bei Gilhofer (Zeitungen). Nicht bei Sabin und Howes.
 

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41 Nuñez, Pedro Juan / Cicero, Marcus Tullius. Epitheta M. T. Ciceronis collecta a P. Ioanne Nunnesio Valentino. Venedig, Aldus Manutius Paulli F. Aldi N. (Paulus Manutius), 1570. (16), 627, (5) SS. Mit Holzschnittdruckermarke am Titel sowie einer figuralen Holzschnittinitiale. Flexibler Pergamentband der Zeit mit hs. Rückentitel. Spuren von Bindebändern. Dreiseitiger Farbschnitt. 8vo.
  € 600
Erste Ausgabe dieses von Pedro Juan Nuñez besorgten ciceronischen Wörterverzeichnisses, das die Werke Ciceros nach Sachgruppen und Stichwörtern erschließt. Der Philologe Nuñez (1522-1602) aus Valentia "studirte zu Paris, ward anfänglich in seiner Vaterstadt, und hernach zu Saragossa Philosophiä, und endlich auf der Universität zu Barcellona Eloqu. und gräcä Linguä Professor" (Jöcher III, 1000). - Die Druckermarke "avec le nom Aldus Iunior aux deux côtés de l'amcre, au lieu du mot partagé Aldus" (Renouard). Titel mit zeitgenöss. hs. Besitzvermerk eines Benediktiverkonvents; am hinteren Vorsatz zeitgenöss. hs. paraphrasierendes Zitat nach Platons "Phaedrus" (273e). Schnitt leicht fleckig, sonst sauberes, gutes Exemplar.
  ¶ Edit 16, CNCE 27451. Renouard 209, 13. Adams N 377. BM-STC Italian 471. Palau V, 327. OCLC 17376161 u. 38657087. Vgl. Jöcher/Adelung V, 866 (andere Ausg.).

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42 Pegius, Martin. Dienstbarkhaiten, Stättlicher unnd Bäwrischer Erbaigen gütter unnd gründtlicher Bericht, wie die jrungen, so sich in den Stätten, un[d] Märckten, von wegen Schidmäwr, Wänd, Dachtropffen, Aussehens, Tagliechts, Fürgebäw, Außgiessens, Höherbawens, Burdtragens, Haimlichs gesuchs [...] vor Gerichten gütlich oder Rechtlich zuentschaiden [...]. Hierinnen werden in disem Büch letzlich die Recht und Freyhaiten der Heüratgüter, auch Bawrecht, so man sonst Erbrecht nendt [...]. Sambt ainem nutzlichen und gütten Register versehen. Solliches alles mit sunderm fleiß verteütscht, Jetzund abermals an vil orten gemehrt und gebessert [...]. Ingolstadt, Alexander u. Samuel Weyssenhorn, 1559-1560. 3 Bde in einem. 18 nn. (inkl. 1 weißes), 128 numerierte Bll. 27 num. Bll., 1 w. Bl. 6 nn., 42 num. Bll. Mit Titel in rot und schwarz. Zeitgenössischer Schweinsederband mit reicher Blindprägung und Resten von zwei Schließen. Folio.
  € 1.400
Sammelband mit den drei Werken des Martin Pegius zum privatem und öffentlichen Baurecht sowie zum Eherecht. Die beiden Beibindungen mit den Titeln "De jure emphyteutico. Bawrecht die man sonst nendt Erbrecht" bzw. "De jure et privilegijs dotium. Recht und Freyhaiten der Heüratgüter" werden vom VD 16 zwar separat geführt, kommen jedoch zumeist - wie auch hier - mit dem oben zitierten Titel gemeinsam vor. - Der hübsche Schweinslederband mit Spuren fachmännischer Restaurierung; die Deckel schwach aufgeworfen. Innen durchgehend mit schwachem Wasserrand. Im ganzen ordentliches, vollständiges Exemplar.
  ¶ VD 16, C 1962; C 1945; C 1953. Stalla 374.
 

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43 Petrus Chrysologus. Divi Petri Chrysologi archiepiscopi Ravenatis sermones nunc primum in vulgus editi. (Bologna, Giovanni Battista Faelli), (29. V.) 1534. (8), 318, (1) Bll. (ohne das l. w. Bl.). Mit zahlreichen ornamentalen Holzschnittinitialen. Halbpergamentband des 17. Jhs. Dreiseitiger gesprenkelter Farbschnitt. 4to.
  € 800
Erste Ausgabe. - Petrus Chrysologus (gest. um 450) war in Ravenna Bischof, Kirchenlehrer und Kanzelredner. 1729 wurde er zum Kirchenlehrer erhoben. Außer 176 überlieferten Reden ist von ihm nichts erhalten. Sie wurden um 715 durch den Erzbischof von Ravenna zum sog. "Catalogus Felicianus" vereinigt. "Als echt gelten 168 Predigten der Collectio Feliciana [...] und 15 andere von der Forsch. ihm zugeschriebene Sermones [...]: rhetorische Erklärungen zu Evangelien, Paulus, Psalmen, Glaubensbekenntnis, Vaterunser in liturgischem Kontext für die christliche Praxis" (LMA VI, 1959). - Teils etwas gebräunt bzw. braunfleckig (Titel und letztes Bl. stärker). Durchgehend mit zeitgenöss. Marginalien und Anstreichungen von verschiedenen Händen.
  ¶ Edit 16, CNCE 37387. BM-STC Italian 502. Graesse V, 242 (Anm.). Wetzer/Welte IX, 1899. Nicht bei Adams oder im IA.
 

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Sammelband mit 5 Werken zur antiken Geographie und Geschichte
44 Peutinger, Konrad. Sermones convivales: de mirandis Germanie antiquitatibus. (Straßburg, Joh. Prüss), [1506]. 26 nn. Bll. (d. l. w.). (Beigebunden) II: Solinus, Caius Julius. Polyhistor, seu rerum orbis memorabilium collectanea [...]. Köln, Eucharius Cervicornus und Hero Fuchs, Dezember 1520. XCII [92], (12) Bll. Mit breiter architekton. Holzschnittbordüre. (Beigebunden) III: Pomponius Mela. Cosmographia. (Paris), Jean Petit, (5. Juni 1513). Mit großer Schrotschnitt-Druckermarke am Titel. XXX [30], (10) Bll. (Beigebunden) IV: Herodian. Libri octo, in quibus hi imperatores continentur [...]. Angelo Politiano interprete. (Straßburg, Matthias Schürer, November 1513). (6), LXXXV [85], (1) Bll. (Beigebunden) V: [Bruni] Aretino, Leonardo. De bello Gotthorum: seu de bello Italico adversus Gotthos libri quattuor. Mit großer Schrotschnitt-Druckermarke am Titel. (Paris), [Guy Marchand für] Jean Petit, (31. März 1507). 48 Bll. Blindgepr. dunkelbrauner Kalbslederband der Zeit über Holzdeckeln; Spiegel aus einer Pergamenthandschrift des 13. Jhs. mit Fleuronnée-Initialen. 4to.
  € 9.500
Seltene erste Ausgabe. "Von hohem Interesse für die Beurtheilung von Peutinger's kritischer Befähigung sind seine 1506 veröffentlichten 'Sermones convivales' [...] Die umfangreichste Untersuchung in dieser Schrift behandelt im Anschluß an Wimpheling's Forschungen die Frage nach den alten Grenzen Galliens und Germaniens, als dessen Ergebnis die Behauptung erscheint, daß die Städte diesseits des Rheins von Köln bis Straßburg und einige andere Städte von Cäsar's Zeit an und früher nicht den Galliern, sondern deutschen Königen und nachher den römischen Kaisern unterworfen waren" (ADB XXV, 566) - Unter der Überschrift "De Lusitanis nautis qui in Indiam navigant" erwähnt Peutinger u. a. die Reisen seiner Augsburger Landsleute nach Ostindien. Weiterhin enthalten sind auch Gedichte von Sebastian Brant und Ringmann Philesius sowie ein Nachwort Matthias Schürers, der damals noch Korrektor bei Prüss war. - Vorgebunden 4 weitere Frühdrucke: II: Das Werk des römischen Geographen Gaius Julius Solinus (3. Jh.) hatte ursprünglich den Titel "Collectanea rerum memorabilium". "The greater part of this work is taken from Pliny's 'Natural History' and Mela's 'Cosmographia'. It was revised in the sixth century under the title of 'Polyhistor'. It was a popular work in the middle ages" (Cox II, 336). - Die schöne Renaissance-Titelbordüre nicht bei Johnson und Pflugk-Hartung. - III: Seltene Petit-Ausgabe (ed. P. Phoenix) des ältesten erhaltenen geographischen Werkes der Römer. "With the exception of Pliny's Natural History, this is the only formal treatise on geography in classical Latin [...] unlike the Greek writers, [it] asserted the existence of a southern temperate region, which was inaccessible because it was cut off from the northern region by a terrifically hot zone intervening" (Cox II, 335). Schöner Druck mit gedruckten Marginalien, einigen Initialen und der prächtigen Verlegermarke (Haebler III d). - IV: Erste im deutschen Sprachraum erschienene Ausgabe. Die römische Geschichte in acht Büchern (ursprünglich auf Griechisch verfaßt) behandelt die etwa sechs Jahrzehnte nach dem Tode Mark Aurels. - V: Seltene Ausgabe von Brunis Geschichte der Gotenkriege. - Stellenweise unbedeutender Wasserrand im Bundsteg; erste 10 Bll. mit kl. Braunfleck im Oberrand. Rücken und Schließen erneuert; Hinterdeckel mit Nagelspuren eines Kettenbeschlags. Insgesamt schöner und gut erhaltener Sammelband mit durchwegs seltenen französischen und elsässischen Postinkunabeln.
  ¶ I: VD 16, P 2081. BM-STC German 689. Adams P 940. Muller II, 17, 41. Ritter 1678. - II: - VD 16, S 6964. BM-STC German 818. Schweiger II, 959. Nicht bei Adams. - III: BM-STC French 308. Schweiger II, 606. Nicht bei Adams. - IV: VD 16, H 2501. Muller II, 187, 110. Ritter 1197. Schmidt 113. Schweiger I, 137. Nicht im BM-STC German oder bei Adams. - V: BM-STC French 84. Adams A 1554. IA 125.746. Potthast I, 172.
 

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45 Platon. Opera, quae ad nos extant omnia, per Ianum Cornarium Latina lingua conscripta. Additis Marsilii Ficini argumentis & commentariis. Basel, (Hieronymus Froben und Nicolaus Episcopius), (August) 1561. (24), 1048, (60) SS. Mit 2 Holzschnitt-Druckermarken am Titel und letztem Bl. verso sowie einigen Holzschnittinitialen. Blindgepr. englischer Lederband um 1750. Dreiseitiger gesprenkelter Rotschnitt. Folio.
  € 1.500
Spätere Ausgabe der von Ficinus kommentierten lateinischen Übersetzung. "Neue Uebersetzung aus einem Manuscript, dessen Lesarten Cornarius in den Eclogis angegeben hat. Die Uebersetzung ist aber sehr frei" (Schweiger). - Etwas gebräunt und teils auch braunfleckig; zu Beginn mit Wurmlöchern. Am Titel hs. Besitzvermerke "Borris Library" und "Alexd. McNaghten" (um 1800). Vereinzelte Textanstreichungen. Vordergelenk leicht angeplatzt, der schöne Einband jedoch intakt.
  ¶ VD 16, P 3280. BM-STC German 702. Adams P 1448. Schweiger I, 248. Hoffmann III, 302.

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46 Plutarch. Les vies des hommes illustres, grecs et romains, comparees l'une avec l'autre [...]. Translatees premierement de grec en françois par maistre Jaques Amyot [...]. Paris, Jacques du Puys, 1572. 2 Teile in 1 Band. (24), 970 SS., l. w. Bl. (4), 300 SS. Mit einer figuralen Initiale in Holzschnitt. Flexibler Pergamentband der Zeit (Bindebänder teils abgerissen). 8vo.
  € 350
Noch frühe Ausgabe der ersten französischen Übersetzung von Plutarchs "Vitae" (EA 1559, Paris), übersetzt von Jacques Amyot (1513-93). - Durchgehend etwas braunfleckig bzw. was